zur Navigation springen
Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

20. November 2017 | 05:18 Uhr

Geschäftsleben : Chance auch für ältere Mitarbeiter

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Flexibilität gebremst: Geschäftsführer des Lübzer hagebaumarktes beklagt schlecht organisierte Kinderbetreuung / Sehr wenig Bewerbungen

von
erstellt am 16.Jan.2015 | 22:00 Uhr

Auch der hagebaumarkt bekommt zu spüren, dass Mitarbeiter altersbedingt ausscheiden. „Wir müssen wachsam sein, die Stellen rechtzeitig wieder zu besetzen“, sagt Geschäftsführer Marcel Rehfeldt. Auf möglichst lange Beschäftigungsdauer ist die Suche nach jüngerem Personal ausgerichtet. Vor vier Jahren zum Beispiel hat Rehfeldt jedoch auch einen 58-Jährigen eingestellt, weil ihn dessen Befähigung überzeugte. Die Entscheidung habe sich bewährt. Probleme, die einer erfolgreichen Suche entgegen stehen: Viele junge Leute verlassen die ländliche Region, weil sie sie als unattraktiv empfinden und wer in Lohn und Brot sei, habe in der Regel kein Interesse daran, sich zu verändern/etwas Neues anzufangen.

Wer in einem Baumarkt arbeitet, lernt auch einiges über dessen Sortiment und seinen Einsatz, doch vornehmlich bilde man Kaufleute aus. „Die Königsklasse ist, selbst zu bauen – ob ein ganzes Haus oder in kleinerem Umfang – und selbst Hand mit anzulegen. Das bringt am meisten“, meint Rehfeldt.

Wenn er auf der Suche nach Auszubildenden in einem Jahr zehn Bewerbungen auf den Schreibtisch bekomme, sei dies mittlerweile viel. Mehrere Verfasser – so die Erfahrung in den vergangenen Jahren – hätten bereits Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt gesammelt und in der alten Beschäftigung gemerkt, dass sie etwas anderes im Einzelhandel tun möchten.

Darüber hinaus schlage besonders in puncto Kinderbetreuung immer wieder „die volle Breitseite der ländlichen Struktur“ zu. Sie sei in größeren Städten eindeutig besser organisiert und dort gebe es sogar 24-Stunden-Kitas. Wenn in unserer Region nicht gerade zum Beispiel Oma und Opa in der Nähe seien, habe sich die Angelegenheit besonders für junge Mütter etwa oft schnell erledigt. „Sie fragen dann, ob sie auch bis 19 Uhr arbeiten müssen, was ich bejahe. Zu unseren Öffnungszeiten zu arbeiten ist aber meist nicht möglich, weil die Kita um 16 oder 17 Uhr schließt“, sagt der Geschäftsführer. „Meine Kunden würden nicht verstehen, wenn ich ihnen sage, dass wir eher schließen müssen, um die Inanspruchnahme der Kinderbetreuung für unsere Beschäftigten zu ermöglichen.“ Bei geschilderten Problemen in der Praxis nützten Rehfeldt demzufolge auch Politiker nichts, die immer wieder plakativ forderten, dass Arbeitgeber flexibler sein müssen.

Er nehme Rücksicht darauf, wenn zum Beispiel ein Mitarbeiter oder auch eine Mitarbeiterin mit ihrem Kind zum Arzt muss – dies allerdings immer mit dem Grundsatz der Gleichberechtigung, so dass die Mutter eines kleinen Kindes etwa nicht mehr berücksichtigt wird als ein anderer Angestellter.

Im Lübzer hagebaumarkt gibt es 27 Beschäftigte. Fast aussichtslos sei der Idealfall eines Handwerkers als Verkäufer. Wie gesagt: Fast. Denn Rehfeldt konnte mit Steffen Schmaloske einen gelernten Maler und Lackierer einstellen, der jetzt in der Elektroabteilung arbeitet und auch mit Ansprechpartner für Artikel ist, die er noch aus seinem Berufsleben kennt. Der heute 25-Jährige hat in verschiedenen Firmen gearbeitet, wollte kein Bau-stellenleben mehr und machte 2013 seinen Realschulabschluss nach. „Dann habe ich mich einfach hier beworben, wurde auf Vollzeit eingestellt und möchte gern hier bleiben“, sagt er. „Die Arbeit macht mir Spaß und auch mit den Kollegen läuft es sehr gut.“ Rehfeldt bezeichnet den jungen Mann als „Glücksgriff“.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen