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Pferdeschule Liberté in Gnevsdorf : Catrin Henke gibt alles für Pferde

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Catrin Henke aus Gnevsdorf liebt jeden Tag, was sie macht. Ein besonders gutes Verhältnis hat die 32-Jährige zu Pferden. Im vergangenen Jahr eröffnete sie die Pferdeschule Liberté – ein erfolgreicher Schritt.

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erstellt am 25.Aug.2012 | 02:03 Uhr

Gnevsdorf | Mit der flachen Hand gibt Catrin Henke Felina einen Apfel. Diese schmatzt sofort, es scheint ihr zu schmecken. Ganz dicht steht die Besitzerin neben ihrer Stute. Sie vertrauen einander. Die Ohren der braunen Stute stehen nach hinten, doch sobald Catrin Henke anfängt zu sprechen, stellt sich ein Ohr der Stute in die Richtung ihrer Besitzerin. Doch in diesem innigen Moment der beiden, bleiben beide ruhig. Ruhe, die der gesamte Hof ausstrahlt - Pferde wie Besitzerin. Mit einem Lächeln im Gesicht und strahlenden Augen schaut Catrin Henke Felina an, streichelt immer wieder über die Nüstern. Felina, eine reine Haflinger-Stute bleibt ganz still stehen. Genießt die Liebkosungen ihrer Besitzerin. Catrin Henke ist durch und durch ein Pferdemensch. Das spürt nicht nur Felina, sondern auch die anderen Pferde, die auf dem Hof von Catrin Henke in Gnevsdorf ihr Zuhause gefunden haben. Denn Felina ist nicht das einzige Pferd, das Catrin Henke besitzt. Hugo, Hansi und Gretchen gehören ebenfalls zum Hof in Gnevsdorf. Sie alle sind neben Ehemann Daniel Henke und Hof-Hund Borstel das Wichtigste in Catrin Henkes Leben.

Auf dem Rücken des schwarzen T-Shirts, das Catrin Henke trägt, steht in großen Buchstaben "Pferdeschule Liberté". So heißt die Einrichtung, der Hof in Gnevsdorf. Denn Catrin Henke arbeitet als Tierpsychologische Verhaltenstherapeutin. Sie hilft nicht nur Pferden, sondern auch Menschen. Denn es sind oftmals die Pferdebesitzer, die Schwierigkeiten haben, weiß Catrin Henke aus Erfahrung. "Ich arbeite mit verhaltensauffälligen Pferden und Tieren, die Störungen haben. Einige von ihnen, die hierher gebracht werden, wurden nicht artgerecht gehalten. Das macht mich traurig", erzählt Catrin Henke. Die Pferde sind oftmals gezeichnet von der schlechten Haltung, denn die meisten Tiere werden in Boxen gehalten. Das ist alles andere als artgerecht. "Pferde brauchen Auslauf und andere Pferde. Sie sind Herdentiere. Pferde sind traurig, wenn sie allein sind", erklärt die Gnevsdorferin. Die Pferdeschule Liberté ist für sein Pferd und seinen Menschen da. "Es muss sich niemand schämen dafür, dass er zugibt, ein Pferdeproblem zu haben." Doch nicht nur Pferde werden zur Pferdeschule Liberté gebracht, sondern auch Pferdebesitzer und Reiter vertrauen sich Catrin Henke an. Erst kürzlich hat eine Abiturientin drei Monate auf dem Hof in Gnevsdorf ein Praktikum gemacht. Für Anne Marie Westphal waren diese drei Monate eine "bereichernde Erfahrung", denn die junge Reiterin hatte bereits viele Fehlerfahrungen im Umgang mit Pferden machen müssen. "Ich war ein halbes Jahr lang in Irland. Habe dort als Jockey gearbeitet. Wie brutal die dort mit den Pferden umgegangen sind, hat mich erschreckt. Deshalb musste ich erst einmal wieder den richtigen Umgang mit Pferden lernen. Und Cati hat mich mit offenen Armen aufgenommen", erzählt Ami, wie Catrin Henke die 19-Jährige nennt. Auch Catrin Henke erinnert sich noch sehr gut an die drei Monate mit Ami. Beim Erzählen steigen der 32-Jährigen Tränen in die Augen. "Ami hatte Glück, dass sie so viel allein machen durfte, denn ich darf aufgrund einer Knie-OP derzeit nicht reiten. Deshalb habe ich sie vieles selbstständig machen lassen", erzählt Catrin Henke. Für die tierpsychologische Verhaltenstherapeutin ist eines ganz wichtig, dass alles in Ruhe und mit viel Zeit passiert. "Wenn jemand sein Pferd in eine Schule gibt und dort die Ausbilder sagen, in vier Wochen sei das Pferd ausgebildet, sollte niemand diesem Ausbilder glauben", warnt Catrin Henke. Denn jedes Pferd ist individuell - wie jeder Mensch. Catrin Henke selbst gibt nie ein Versprechen oder eine Zusage, wann das Pferd richtig ausgebildet ist. "Mich erschreckt auch immer wieder, dass viele jahrelange Reiter noch nicht einmal wissen, wo welche Knochen oder Gelenke am Pferd sitzen." All das aber vermittelt Catrin Henke den Pferdebesitzern, die nach Gnevsdorf kommen und sich ihr anvertrauen, denn auch das musste Catrin Henke selbst lernen: Zuerst kommt das Pferd.

Das Pferd spüren, jeden seiner Schritte mitgehen, im Becken locker bleiben, nicht verkrampfen, die Knie eng am Pferd lassen, aber die Beine gerade - das Pferd spüren, seinen Bewegungen folgen, ihm vertrauen. Das sind Anweisungen, die Catrin Henke in Gnevsdorf jedem Reitanfänger gibt oder denjenigen, die lange nicht mehr auf einem Pferd gesessen haben. "Heute wird anders Reiten gelernt. Und zwar so, dass das Pferd lange und viele Jahre gesund bleibt." Denn Catrin Henke kennt viele Beispiele, für eine nicht gesunde Reitweise eines Pferdes. "Viele wissen nicht, dass der lange Rückenmuskel eines Pferdes kein Trage-, sondern ein Bewegungsmuskel ist." Deshalb weist Catrin Henke immer wieder bei der Ausbildung ihrer Reiter darauf hin, sich dem Pferd anzuvertrauen, und locker im Becken zu bleiben - den Bewegungen des Pferdes folgen.

Catrin Henke selbst sitzt seitdem sie acht Jahre alt ist fest im Sattel. Für die heute 32-Jährige gibt es nichts Schöneres als diese Tiere. "Mein Vater hat mich zum Reiten gebracht. Als aber mein erstes Pferd gestorben ist, habe ich mich von allen Pferden entfernt. Habe eine ganz Zeit lang, nichts mit Pferden gemacht", erinnert sich Catrin Henke. Doch in dieser Zeit war die Gnevsdorferin unglücklich. Das hat auch ihr Ehemann Daniel bemerkt. "Catrin war unausgeglichen, nicht glücklich", erzählt Daniel Henke. Zusammen mit ihrem Ehemann hat Catrin Henke dann die Pferdeschule Liberté in Gnevsdorf aufgebaut. Unterstützt wird sie von Familie und Freunden. Auch die Bauern vor Ort unterstützen die tierpsychologische Verhaltenstherapeutin. "Ich habe einen Hektar Land dazu bekommen, damit meine Pferde genügend Auslauf haben." Denn es werden noch einige mehr werden. Ende August kommen zwei Araber mit auf den Hof. Es sind Pensionspferde. Doch Catrin Henke sagt, es dürfen gern noch mehr Pferde hier auf dem Hof untergebracht werden. "Ich mache endlich das, was ich schon immer wollte. Ich habe mir die Freiheit genommen, dies zu machen." Deshalb hat Catrin Henke ihre Pferdeschule Liberté genannt.

Es braucht viel Zeit, Pferd und Reiter richtig auszubilden. Doch ein Paradies dafür gibt es in Gnevsdorf bei Catrin Henke. Genauso sensibel wie ihre Pferde ist auch die 32-Jährige. Viel hat sie noch vor mit ihrem Hof und ihrer Pferdeschule. Und das genießt Catrin Henke in vollen Zügen. Beim Putzen ihrer Stute Felina fliegen die Pferdehaare nur so durch die Gnevsdorfer Luft - über den Hof der Pferdeschule Liberté. All das stört Catrin Henke nicht. Sie liebt den Geruch ihrer Pferde - den Geruch von Hansi, Hugo, Felina und Gretchen. "Ich liebe meinen Job. Und ich liebe es, dreckige Hände zu haben und überall Pferdehaare. Auch wenn mir jeden Abend die Füße schmerzen, weiß ich, dass ich meinen Job gut und richtig mache. Und vor allem bin ich eines: glücklich", sagt Catrin Henke mit einem Lächeln und strahlenden Augen. Für Ami ist "Cati wie ein wegweisender Schlüssel", der Ami wieder gezeigt hat, wie sie richtig mit einem Pferd kommunizieren kann.

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