Nahverkehrsplan : Busstreit mit Schwerin eskaliert

Nur jeder fünfte Bus der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim sollte noch über den Marienplatz fahren, so sah es eine Vereinbarung vor. Inzwischen hat sich die Zahl der Busse wieder erhöht.
Nur jeder fünfte Bus der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim sollte noch über den Marienplatz fahren, so sah es eine Vereinbarung vor. Inzwischen hat sich die Zahl der Busse wieder erhöht.

Landeshauptstadt will Umlandbusse nur zu Umsteigepunkten fahren lassen. Landkreis will eine andere Lösung

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30. März 2016, 20:45 Uhr

Die Landeshauptstadt hat die Kritik aus den Busbetrieben der Nachbarkreise Nordwestmecklenburg und Ludwigslust-Parchim gehört, sie aber abgewiesen: Im Schweriner Teil des neuen Nahverkehrsplans für Westmecklenburg steht, dass die meisten Busse aus dem Umland am Stadtrand stoppen sollen – im Norden in der Kieler Straße, im Süden in der Stauffenbergstraße. Ausnahme: Busse, die direkt den Hauptbahnhof ansteuern. An diesen drei Knotenpunkten könnten Fahrgäste künftig in Bahnen und Busse umsteigen, wenn sie beispielsweise zum Marienplatz wollen. Die Verwaltungsspitze hat den Nahverkehrsplan gestern den Stadtvertretern zur Diskussion übergeben.

Mit dem Landkreis Nordwestmecklenburg gibt es bereits eine Übereinkunft: Ein Kombi-Ticket macht es den Fahrgästen einfach, mit einer Fahrkarte und einmaligem Umsteigen jedes beliebige Ziel in Schwerin zu erreichen – auch den Marienplatz. „Mit dem Landkreis Ludwigslust-Parchim gibt es auf verschiedenen Ebenen Gespräche, aber noch nichts Konkretes“, sagt Schwerins Verkehrsdezernent Bernd Nottebaum. Aber Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow ist sich sicher: „Spätestens im Sommer haben wir auch für den südlichen Bereich ein Kombi-Ticket. Das ist im Interesse der Fahrgäste das einzig Vernünftige.“

Momentan rollen Busse vom Schweriner Nahverkehr und aus dem Umland teilweise parallel auf denselben Trassen – vor allem der überlasteten Achse Goethestraße, Marienplatz, Hauptbahnhof sowie Bürgermeister-Bade-Platz, Hauptbahnhof. Aktuelle Zählungen hätten aber ergeben, dass aus den Umlandbussen gar nicht so viele Kunden ausstiegen, dass es deren Touren rechtfertige. Aus 53 Umlandbussen seien am Tag 60 Fahrgäste am Marienplatz ausgestiegen: 1,25 Gäste im Durchschnitt pro Bus. Aus 128 am Tag auf dem Hauptbahnhof angekommenen Bussen seien lediglich 13 Fahrgäste zum Zug gegangen, berichtet Dr. Bernd Smerdka, Leiter des Amtes für Verkehrsmanagement, von aktuellen Zählungen.

„Das ist ökologischer, aber auch wirtschaftlicher Unsinn“, sagt OB Gramkow. Ihre Hoffnung: Wenn sich die Chefs der Verkehrsbetriebe nicht einigen können, müssen Politik und Verwaltungsspitzen das tun. „Der Fahrgast akzeptiert es, einmal umzusteigen“, sagt Gramkow. „Aber mit einem Kombi-Ticket.“

Im Landkreis Ludwigslust-Parchim sieht man das ganz anders. Dort, konkret im Wirtschaftsausschuss des Kreistages, glaubt man nicht daran, das Fahrgäste aus dem Landkreis in Schwerin noch einmal umsteigen wollen, nur um ins Zentrum oder zum Bahnhof zu kommen. Zumal die neuen Kombitickets immer teurer werden würden als es die alten Lösungen waren. Denn mit der neuen Vereinbarung, die Nordwestmecklenburg geschlossen hat, muss der Fahrgast einen Aufpreis zahlen, um ins Zentrum Schwerins zu kommen. Bisher ist es so, dass der Fahrgast, der in einem VLP-Bus nach Schwerin fährt, ohne Zusatzkosten bis zum Bahnhof durchfahren kann. Wenn der auswärtige Fahrgast dann den Schweriner Nahverkehr nutzen will, kann er auch jetzt schon ein Kombiticket kaufen, das allerdings bisher keinerlei Rabatt enthält. Genauso gut kann sich der VLP-Fahrgast in einer Schweriner Straßenbahn auch einen ganz normalen Fahrschein kaufen.

Stefan Lösel, der Chef des kreislichen VLP-Busbetriebes, wies gestern die Kritik aus Schwerin zurück. „Es geht doch gar nicht darum, ob sich hier die Chefs der Verkehrsbetriebe verstehen oder nicht. Es geht um eine politische Lösung, um ein ganzheitliches Nahverkehrskonzept für die Region. Und das sehe ich derzeit mit den Schweriner Plänen überhaupt nicht.“ Nicht nur Stefan Geier, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Landkreis, setzt auf politische Gespräche. Noch im Frühjahr soll es ja eine gemeinsame Sitzung der Wirtschaftsausschüsse unter dem Dach der IHK geben.

Auch beim Landkreis ist man sich im Klaren darüber, dass es bei der bisherigen Lösung, wonach alle Busse einfach so durch Schwerin und vor allem über den Marienplatz fahren können, wohl kaum bleiben wird. Allerdings will niemand, dass alle Fahrgäste aus dem Landkreis künftig zwingend auf dem Großen Dreesch umsteigen und mehr als bisher bezahlen müssen. Und so gab es schon Kompromissangebote, zumindest einige Buslinien über den Obotritenring ausweichen zu lassen.

Eine Lösung, die vielen Parallelverkehre tatsächlich zu vermeiden, wäre ein Kombiticket, dass seinen Namen auch verdient. Mit dem müsste der Kunde aus dem Umland problemlos und möglichst ohne Mehrkosten in ganz Westmecklenburg fahren können. Das aber gibt es derzeit nicht.
 

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