Verkehr : „Bus und Bahn sind keine Gegner“

Wer aus dem Raum Lübz zum Parchimer Bahnhof möchte, muss die Buslinie 77 benutzen. Mit ihr kann man bis Plau am See fahren.
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Wer aus dem Raum Lübz zum Parchimer Bahnhof möchte, muss die Buslinie 77 benutzen. Mit ihr kann man bis Plau am See fahren.

Dialog angeschoben: Zum ersten Mal sind hochrangige Vertreter des Landkreises bei Demonstration der Bürgerinitiative „ProSchiene“ dabei

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28. September 2015, 18:00 Uhr

Eine Neuigkeit ist das Bemühen darum, das lange Gegeneinander von Bus und Bahn zu beenden und durch die Verknüpfung von beiden den Ausbau eines möglichst guten öffentlichen Personennahverkehrs im Landkreis zu erreichen. An der jüngsten Demonstration der  Bürgerinitiative (BI) „ProSchiene Hagenow – Neustrelitz“ nahmen mit dem stellvertretenden Landrat Günter Matschoß und Stefan Lösel, Geschäftsführer der den öffentlichen Busverkehr abdeckenden Verkehrsgesellschaft Ludwigslust – Parchim, zum ersten Mal auch hochrangige Vertreter des Landkreises teil. Lösel setze auf den Bus in der Fläche und  die Bahn ergänzend auf der schnellen gerade Strecke. „Das schlagen wir auch dem Gutachter vor“, sagte er im Gespräch mit der SVZ. Ein Tauziehen um Bus oder Bahn könne er nicht verstehen: „Wir ziehen beide an einem Strang.“

Im Bereich zwischen Parchim im Westen und Plau am See im Osten sowie Goldberg im Norden und der Kreisgrenze im Süden lebten gegenwärtig rund 40 000 Menschen, davon etwa 16 000 im ländlichen Bereich. „Das Ziel meiner Arbeit sehe ich in der kompletten Anbindung aller Orte an Bus und Bahn, was wir schon vorgeschlagen haben. Dann ist es auch möglich, dass sich die Bahn wieder lohnt“, so Lösel, der seit August im Amt ist.

Matschoß zufolge sei es gut, Vertreter von Bus und Bahn an einen Tisch gebracht zu haben. Ergebnisse wie zum Beispiel auch aufeinander abgestimmte Fahrpläne werde der Gutachter werten. Mit ersten Aussagen sei Ende Oktober zu rechnen, die man jedoch nicht sofort veröffentliche, sondern erst in den Ausschüssen beraten werde. BI-Sprecher Clemens Russell fragte, warum es zum Beispiel so lange gedauert habe, bis ein Gutachter bestellt wurde und warum erst Mitte kommenden Jahres mit der Umsetzung von Plänen zu rechnen sei. „Wir haben den Eindruck, dass hier etwas verzögert wird!“, merkte er kritisch an. Die Antwort von Matschoß: „Es wurde nichts verzögert. Der Landkreis hat sich vehement dazu bekannt, dass die Bahn erhalten bleiben soll.“ Heute soll die nächste Beratung stattfinden.

Viele kleine Orte steuert momentan nur ein so genannter Rufbus an, der am Tag zuvor bestellt werden muss. Holger Klukas, Bürgermeister der Gemeinde Gallin-Kuppentin, berichtete über Erfahrungen in seiner Kommune. „Die Regelung ist viel zu kompliziert. Entweder bleiben die Leute zuhause oder fahren wieder Auto, bloß was soll dann das Gerede von umweltgerechtem Verhalten, wenn man das Gegenteil tut?“, sagte er. „Ein Vater bringt zum Beispiel seine Kinder jetzt schon abends nach Schwerin, damit sie am nächsten Morgen rechtzeitig im Lehrbetrieb sind – das kann nicht sein! Die Zerschlagung der Bahn versteht niemand.“

Russell äußerte Lösel gegenüber Lob für die gute Busverbindung Parchim – Plau am See. Allerdings berichteten dortige Hotels in diesem Jahr über einen teilweise starken Rückgang insbesondere an Fahrrad-Touristen, was eindeutig auf die nicht mehr verkehrende Südbahn zwischen Parchim und Malchow zurück zu führen sei, in der man 16 bis 20 Fahrräder problemlos habe transportieren können.

Gisela Stiebe, von Anfang an als Demonstrantin dabei,  äußerte, dass man Energieminister Pegel „auf die Finger klopfen“ müsse und sich kein Vertrösten mehr gefallen lassen dürfe. In Parchim gebe es zwar noch einen Bahnhof, doch die Anzeichen dafür, dass auch der Abschnitt Parchim – Ludwigslust geschlossen wird, verdichteten sich: „Und wenn das passiert, geht hier endgültig das Licht aus.“

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