Ehrung für den Otter-Coup : BUND-Veteran erledigt Fulltimejob

Dr. Hans-Joachim Reinig  will sich auch mit seinen 81 Jahren weiter für die Belange der Natur einsetzen.
Dr. Hans-Joachim Reinig will sich auch mit seinen 81 Jahren weiter für die Belange der Natur einsetzen.

Dr. Hans-Joachim Reinig engagiert sich seit Jahren für den Schutz des Plauer Sees. Seine 81 Jahre sind ihm dabei kein Hindernis.

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07. Januar 2016, 15:36 Uhr

Plau-Quetzin In Hemd, Krawatte  und Jacket  sieht  man Dr. Hans-Joachim Reinig  eher selten. Sein bevorzugtes Outfit    –  olivgrüner Rippstrick und Khakihose – zeichnet  ihn  auf den ersten Blick als einen Mann  aus, der sich  der Natur, ihrem Schutz  und ihrer sinnvollen Nutzung  verschrieben hat.  So war denn   auch der Termin vor gut einem Monat, als Dr. Reinig   als einer von  70 Ehrenamtlern von Ministerpräsident Erwin Sellering persönlich  die „Ehrennadel des Landes Mecklenburg-Vorpommern  für besondere Verdienste im Ehrenamt“ ans Revers  gesteckt bekam, wie ein Gang über den Laufsteg. Einer aber,   für den sich  Dr. Reinig gern mal in Schale warf.

Wer den Doktor der Zoologie kennt, weiß warum  er ins Neustädtische Palais eingeladen worden war. Vor allem  war und ist es sein Bemühen  um den Schutz des Plauer Sees. Seit über zehn  Jahren (so ganz genau kann Reinig  es  gar nicht sagen) engagiert sich der gebürtige Berliner im BUND, ist Vorsitzender der Plauer Ortsgruppe.  Stellungnahmen bei Bauvorhaben oder Planfeststellungsverfahren, den BUND-Standpunkt  bezüglich  Managementplanungen zu FFH-Gebieten, die die EU den Ländern auferlegt   hat und deren turnusmäßige Überarbeitung und Aktualisierung  fordert, sind es in aller Regel, die der inzwischen 81-Jährige  im Namen der Naturschutzorganisation fertigt  und abgibt. Auf sein Wissen und seine langjährige Erfahrung setzen   aber  auch der Landesjagdverband und  sogar der Global Nature Fund.  Beim Nature Fund etwa ist Reinig  langjähriges Mitglied der Arbeitsgruppe lebendige Seen und   hat als  solcher große Aktien daran, dass der Plauer See  2011 „See des Jahres“ wurde.   Viel Material hatte der Naturschutz-Veteran zusammengetragen und  auch auf  das wichtigste Kriterium, nämlich die Bedrohungen der Tier- und Pflanzenwelt hingewiesen.Alles ehrenamtlich selbstverständlich; und  wenn es sein muss, kniet sich Hans-Joachim Reinig  auch sieben  Tage die Woche in Aufgaben, Unterlagen Untersuchungen…

Der vielleicht größte „Coup“ gelangen dem Doktor  und seinen  Mitstreitern mit  dem Fischotterdurchlass unter der B 103 am Nordufer des Plauer Sees.   Der Fischotter  genießt ganzjährig Schonzeit. Die Jäger sind dennoch verpflichtet,  ihrer Hege  nachzukommen. Hans-Joachim Reinig und Erich Parlowski, beide  Jagdpächter  in Quetzin  taten  es und konnten den Bau  des Durchlasses 2005 durchsetzen. „Seitdem“, erklärt der Doktor stolz, „ist auf der Bundesstraße  kein Otter  mehr  überfahren  worden.“

Die jetzige Ehrung  des Quetziners fußt zum Großteil  auf genau diesem Projekt. „Der Ministerpräsident erklärte in Schwerin, es  habe ihm imponiert, dass uns hier eine positive  Kombination von Jagd und Naturschutz gelungen war“, sagt Dr. Reinig. BUND und Nabu, weiß er,   betonen immer, die Jäger  schießen die  armen Tiere tot. Reinig, in dessen Brust die Herzen beider Seiten schlagen, weiß es besser.  Natürlich  sei es an der Zeit, einige Dinge  in der Jagd  zu verändern. Eines  aber dürfe man nicht vergessen: auch Jäger sind Naturschützer.

Momentan ist bzw. (da das Planfeststellungsverfahren inzwischen abgeschlossen ist)  war  es die geplante Plauer Ortsumgehung, die den 81-Jährigen forderte.   Im Zuge der Kompensation des Naturverlustes sei die Rede  davon,   Plauer Sölle (eiszeitliche Wasserlöcher) in denen schon längst kein Wasser mehr steht, wieder zu vertiefen. „Wir halten das  für keine gute Idee.  Hier haben sich Biotope mit einer intakten Pflanzen- und Tierwelt entwickelt. Nicht erst in den letzten 10, 20 Jahren, sondern   wahrscheinlich über einen Zeitraum von zehntausenden  Jahren. Eine Vertiefung der Sölle  würde die Biotope zerstören. Und neue für Molche   zu schaffen   würde Jahrzehnte dauern.“ Reinigs Stellungnahme zur geplanten Ortsumgehung  enthielt genau  diese Quintessenz.  „Ich befürchte aber, dass  wir uns an dieser Stelle  nicht  werden durchsetzen können“, sagt er.  

Naturschutz feiert nicht immer Erfolge. Das hat der Doktor in all den  Jahren, in denen er sich ihm nun schon widmet, mehrfach erfahren müssen. Dennoch  wird er sein Engagement  auch weiterhin in den Dienst des BUND stellen. „Ich bin jetzt 81 und denke, dass ich meine Sache noch immer  ganz gut mache“, sagt er. „Außerdem habe ich so etwas zu tun, und wenn sich mal wieder alles ballt, unter der Woche gern auch mal einen Fulltimejob.“

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