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interview zum orgelprojekt dobbertin : Brite spielt auf regionalen Instrumentenköniginnen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Jonathan Watts wird drei Benefizkonzerte in der Region für das Dobbertiner Orgelprojekt geben

Im vergangenen Jahr hat Jonathan Watts, Organist aus London, Dr. Claus Cartellieri in Dobbertin besucht (wir berichteten). Jetzt gibt es ein gemeinsames Ziel: Der Instrumentenkönigin in der Dobbertiner Klosterkirche wieder zur vollen Schönheit verhelfen. Dafür wird der Brite drei Benefizkonzerte in der mecklenburgischen Orgellandschaft geben. Er freue sich, auf historischen Orgel in Mecklenburg spielen zu können. SVZ-Redakteurin Sabrina Panknin sprach mit Jonathan Watts vor dem ersten Konzert am Donnerstagabend.

 

Nachdem Sie im vergangenen Jahr sich die Orgeln in der Region angeschaut haben, welchen Eindruck haben Sie von der Orgellandschaft in Mecklenburg-Vorpommern gewonnen?
Jonathan Watts: Bei der kurzen Zeit, die mir für die Erkundung einiger Orgeln in Mecklenburg-Vorpommern zur Verfügung stand, freute ich mich sehr über Instrumente aus dem 18. Jahrhundert oder auch über jüngere. Sie waren in gutem Zustand und ohne zu viele von den – aus meiner Sicht – unangebrachten technischen Neuerungen, durch die so viele Orgeln in Großbritannien ruiniert wurden. Ich habe den Eindruck, dass man hier Orgeln ganz richtig als Träger eines Wohlklangs achtet, den es zu erhalten und zu fördern gilt.


Warum haben Sie sich entschieden, den Orgelfreunden in Dobbertin zu helfen und Benefizkonzerte für die Dobbertiner Orgel zu geben?
Als mich Herr Cartellieri um Hilfe bat, stellte ich mir selbst die Frage, wie und warum ich etwas tun könnte. Familie Cartellieri ist gut mit einem Kollegen von mir bekannt, der in meinem Chor singt. Deshalb und auch, weil ich die Orgel als Instrument leidenschaftlich liebe, entschloss ich mich, das Vorhaben mit all meiner Kraft zu unterstützen. Die Konzerte selbst bringen vielleicht nicht sehr viel Geld ein. Ich hoffe aber, dass ich durch mein Engagement für diese Reise und die intensive Beteiligung an diesem Projekt die Menschen vor Ort ermutigen kann, dieses sehr anerkennenswerte Anliegen zu unterstützen. Die Menschen schaffen hier ein Instrument für dieses Kirchengebäude mit seiner reichen Geschichte und es wird viele Jahre lang genutzt werden können. Damit helfen sie, die Traditionen des Orgelbaus und des Orgelspiels zu erhalten.


Wie wichtig sind Orgeln in historischen Bauten – wie der Dobbertiner Klosterkirche – für die Kultur, für die Nachwelt?
Orgeln gibt es schon sehr lange und mit dem Neubau für die Klosterkirche Dobbertin führen die Menschen vor Ort eine musikalische Tradition fort, die die Grundlage für das musikalische Erbe der westlichen Welt darstellt. Ohne Orgel entbehrt die Klosterkirche hier eines der wichtigsten Bestandteile des liturgischen Rahmens. Ähnlich dem Klang der Glocken und dem Gesang zieht eine Orgel die Menschen in die Kirche und belebt die vorhandene Akustik mit ihrem alle erreichenden Wohlklang.


Die Orgel wird als Instrumentenkönigin bezeichnet. Warum ist das so, Ihrer Meinung nach?
Den Satz „Die Orgel ist doch in meinen Augen und Ohren die Königin aller Instrumente“ schreibt man Mozart zu. Und für viele Komponisten, gleich ob sie auch für die Orgel komponiert haben oder nicht, bleibt sie für immer mit den bewegendsten Tönen verbunden, die ein Instrument allein hervorbringen kann. Ob man nun in einem großen Gebäude eine mächtige Orgel in voller Lautstärke oder das Instrument einer kleinen Kirche auf dem Lande hört – die Orgel kann die Gefühle der Zuhörenden zutiefst bewegen und das erschließt sich fast jedem.


Abschließend eine letzte Frage persönlicher Natur: Was ist es für ein Gefühl, eine Orgel zu spielen, die schon viele hunderte Jahre alt ist?
Es ist ein großes Privileg, eine alte Orgel zu spielen. Begeisterung wird wach, wenn man daran denkt, wer diese Tasten und Pedale über die Jahrhunderte benutzte. Ich spüre dieses Vorrecht auch bei dem Gedanken, dass das Können der Handwerker, die diese Orgel bauten, in ihr fortlebt. Sie verwandten lediglich Metall, Holz und Leder und es entstand ein – großes oder kleines – Instrument, das die Zeiten überdauerte. So wird es auch die neue Orgel in Dobbertin für künftige Jahrhunderte geben.

 

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