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Drama im Bärenwald Müritz : Braunbär Bummi stirbt mit 27 Jahren

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Ein Bandscheibenleiden lähmte die hinteren Tatzen von Braunbär Bummi im Bärenwald Müritz. Jetzt musste er eingeschläfert werden. Nach jahrelanger Haltung auf Betonboden fand Bummi in Müritz Gras unter den Pfoten.

svz.de von
erstellt am 09.Apr.2013 | 05:07 Uhr

Plau Am See | Der 27 Jahre alte Braunbär Bummi ist gestorben. Die Tierschutzstiftung Vier Pfoten hatte Bummi im Juni 2012 aus einer katastrophalen Haltung in Klötze (Sachsen-Anhalt) gerettet und in das weitläufige Bärenschutzzentrum Bärenwald Müritz überführt. Der 220 kg schwere Bummi musste jetzt vom Tierarzt eingeschläfert werden, da er an einer Querschnittslähmung litt und seine Hinterbeine nicht mehr bewegen konnte. Auslöser für die Lähmung war eine akute Schädigung der Bandscheibe, verursacht durch die jahrzehntelange schlechte Haltung auf Betonboden.

"Wir sind froh, dass Bummi seine letzten Lebensmonate bei uns im Bärenwald verbringen durfte. Hier hat er zum ersten Mal Gras unter den Tatzen gespürt, er hat im Teich gebadet und ist im Wald umhergestreift", sagt Carsten Hertwig, Geschäftsführer des Bärenwald Müritz und Leiter des Vier Pfoten Kompetenzzentrums für Bären. Laut seinen Tierpflegern war Bummi ein sehr neugieriger und menschenbezogener Bär. Sein Lieblingsessen waren Weintrauben, Nüsse und Honig.

Braunbär Bummi zeigte bereits bei seiner Ankunft im Bärenwald große Probleme mit dem Bewegungsapparat. Bis zur Winterruhe hatte sich sein Zustand jedoch merklich verbessert - durch die intensive Pflege der Bärenbetreuer sowie tierärztliche Behandlung mit Schmerzpräparaten. "Doch vor zwei Wochen verschlechterte sich sein Zustand plötzlich akut. Bummi konnte seinen hinteren Körperbereich überhaupt nicht mehr einsetzen", berichtet Carsten Hertwig. Mit Aufbau- und Schmerzpräparaten versuchten Tierpfleger und Tierarzt, Bummi wieder auf die Beine zu bringen - doch der Erfolg der Behandlung blieb aus. Eine Computertomographie im Institut für zoologische Wildtierforschung (IZW) brachte schließlich ans Licht, dass Bummi an einer unheilbaren Querschnittslähmung litt. "Ein bärengerechtes Leben war damit für Bummi nicht mehr möglich", sagt Carsten Hertwig. Bummi musste deshalb eingeschläfert werden. "Bummis Tod macht deutlich, wie sehr Braunbären auch körperlich unter der Haltung in Betongehegen leiden", so Bärenexperte Carsten Hertwig. "Deutschlandweit gibt es noch rund 20 Bären, die ihr Dasein unter solch katastrophalen Bedingungen fristen müssen - diese Haltungen müssen dringend verbessert oder aufgelöst werden."

Im Zustandsbericht zur Bärenhaltungen in Deutschland 2012 führt Vier Pfoten all diejenigen Anlagen auf, die nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Bärenhaltung nicht mehr tragbar sind. Die Rechtslage in Deutschland erlaubt immer noch Bärenhaltungen in kleinen Betonkäfigen. Vier Pfoten setzt sich für bessere Standards ein und bietet Zoos eine Zusammenarbeit an, um den dort lebenden Bären ein tiergerechtes Leben zu ermöglichen.

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