Lübz : Bräutigam wird zum Lebensretter

Bei der kleinen Familie, Martina und Sebastian Meisolle mit Töchterchen Jolina, ist der Vorfall vom Hochzeitstag noch immer Gesprächsthema Nummer eins.
1 von 2
Bei der kleinen Familie, Martina und Sebastian Meisolle mit Töchterchen Jolina, ist der Vorfall vom Hochzeitstag noch immer Gesprächsthema Nummer eins.

Frisch vermähltes Paar rettet beim Fotoshooting Rollstuhlfahrer vorm Ertrinken

von
16. April 2015, 21:15 Uhr

Es sollte einer der schönsten Tage von Martina und Sebastian Meisolle werden. Alles war genau geplant – eigentlich konnte an diesem Tag nichts schiefgehen. „Wir waren gegen 11 Uhr vormittags mit der Trauung fertig und sind in den Lübzer Park gegangen, um unsere Hochzeitsfotos zu machen“, erzählt die Braut. Ein paar Bilder der glücklichen kleinen Familie konnte der Fotograf noch schießen, als sich genau neben ihnen das Unglück bereits anbahnte.

Ein elektrischer Rollstuhl setzte sich in Bewegung und steuerte genau auf den Mühlenstrom, ein kleiner Arm der Elde, zu. „Die Begleitperson, wir vermuten die Mutter des Rollstuhlfahrers, hing hinten dran und versuchte den Rollstuhl noch in die andere Richtung zu ziehen“, erinnert sich Sebastian Meisolle. Doch vergeblich. Das schwere Gerät ließ sich nicht bewegen und steuerte direkt ins Wasser. „Wir sahen nur noch, wie der Rollstuhl mit einer Rolle vorwärts in den Fluss stürzte.“ Auch die Frau, die es nicht schaffte, den Rollstuhl zu bremsen, wurde mit in den Strom gezogen.

Geistesgegenwärtig sprang der Bräutigam in das kalte Wasser, um Schlimmeres zu verhindern. Und auch seine Mutter und der Vater der Braut überlegten nicht lange und liefen in den Fluss. „Wir haben versucht, den regungslosen Mann erst einmal festzuhalten, damit er nicht weiter rein treibt“, erzählt Sebastian Meisolle. Dann brachten die Helfer die Frau ans Ufer, danach versuchten sie gemeinsam, den Mann aus dem Rollstuhl zu befreien, um auch ihn ans Ufer zu ziehen. „Doch der Mann befand sich noch in einem Schlafsack eingewickelt und der sog sich immer mehr mit Wasser voll.“ Die Rettungsaktion wurde zu einem kraftaufwändigen Kampf gegen die Zeit. „Der Mann wurde immer schwerer und jappste nach Luft“, erinnert sich der 32-Jährige. Mit vereinten Kräften schafften die drei Retter es kurze Zeit später, auch den Rollstuhlfahrer ans Ufer zu ziehen. Während der Rettungsaktion alarmierte die Braut den Rettungsdienst. „Am Telefon sagten sie mir, dass der Vorfall bereits gemeldet wurde und die Rettungskräfte unterwegs waren“, erzählt Martina Meisolle.

Nachdem die Retter die beiden Verunglückten auf sicheren Boden hatten, versuchten sie auch den schweren Rollstuhl aus dem Mühlenstrom zu ziehen. „Hier hatten wir noch Angst gehabt, dass wir einen Schlag bekommen. Das Gerät war ja voll elektrisch.“ Aber auch diese Rettungsaktion ging für die Helfer gut aus.

„Nach diesem Vorfall sind wir erst einmal nach Hause und mussten diesen Schock zusammen verarbeiten“, erzählt die hochschwangere Braut. Der Hochzeitstag von Martina und Sebastian Meisolle bleibt wohl für alle Beteiligten unvergessen – nicht nur wegen der schönen Stunden. „Erst waren wir alle überglücklich und im nächsten Moment alle im Schockzustand.“ Und auch Tage später gibt es kein anderes Gesprächsthema. „Viele Bekannte und Freunde haben die Rettungskräfte gesehen und erst gedacht, ich habe entbunden“, so die 26-Jährige. „Dieser Vorfall verfolgt uns noch jeden Tag.“

Laut Aussagen des frisch vermählten Paares seien die Verunglückten wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden. Der Mann, so haben sie gehört, wohne im Seniorenpflegeheim „Haus am Freistrom“. Die Einrichtung gab, auf SVZ-Nachfrage, keine Stellungnahme aufgrund datenschutzrechtlicher Vorschriften. „Genaueres wissen wir nicht, bei uns hat sich noch keiner gemeldet“, erzählt Sebastian Meisolle. „Wir würden uns freuen, wenn wir wissen würden, dass es den beiden gut geht“, so der Lübzer. „Und wir mit diesem Vorfall dann auch abschließen können“, fügt seine Frau hinzu.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen