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reserven nutzen : Biogas soll zweites Standbein werden

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Agrarvereinigung MiFeMa e.G. in Plauerhagen errichtet eigene Anlage / Ziel: Gülle durch Wärme- und Stromproduktion aufzuwerten

Bei insgesamt 550 Kühen, davon derzeit 500 im Melkprozess, zählt die Agrarvereinigung MiFeMa e.G. in Plauerhagen eigentlich eine Menge Standbeine. Na gut, ganz stimmt die Rechnung so natürlich nicht. Dennoch, neben der Milchproduktion ist das Unternehmen zurzeit dabei, sich ein weiteres Standbein zu schaffen: Nur einen Steinwurf von den Kuhställen entfernt und wie die am Rande des kleinen Dörfchens gelegen entsteht gerade eine moderne Biogasanlage. Im Oktober vergangenen Jahres war mit deren Bau begonnen worden; für Mitte April ist der Produktionsbeginn avisiert.

Die Pläne für diese Investition reifen schon länger. Jahre eigentlich. „Am Anfang wie heute steht die Idee, die anfallende Gülle aufzuwerten“, erklärt Christian Schwager. Der 29-Jährige ist seit April letzten Jahres geschäftsführender Vorstandsvorsitzender bei MiFeMa in Plauerhagen, trat in die Fußstapfen des im März verstorbenen langjährigen Geschäftsführers Lutz Reinhard. Seine Planungen waren schon weit gereift, das Projekt von langer Hand vorbereitet, sagt Schwager. „Und weil wir davon überzeugt sind, dass es eine lohnende Investition ist, haben wir uns im letzten Jahr entschlossen, sie anzugehen.“

Lohnend dürfte der schon weit gediehene Bau in der Tat werden. Bei den eingangs schon erwähnten 500 Milchkühen, die in sechs Melkgruppen eingestallt sind, kommen täglich 50 Kubikmeter Gülle zusammen. Über sechs im Boden eingelassenen Kanälen läuft die permanent über einen Zwischen- in den Hauptkanal, wird in ein Auffangbecken gepumpt und hier zwischengelagert. Ungenutzt.

Ab April wird das anders sein: Die Biogasanlage, der eine Vorgrube vorgeschaltet ist, macht es möglich, die Gülle sowohl für die Wärme- als auch die Stromgewinnung zu nutzen. Das Ganze funktioniert denkbar einfach: Die Gülle im Fermenter wird auf ca. 37 Grad erwärmt, was Bakterien dazu bringt, ihre Arbeit zu beginnen. Das dabei entstehende Methangas wird abgesaugt und anschließend verbrannt. Die dadurch gewonnene Energie treibt einen Generator an, der wiederum Strom erzeugt. „170 Kilowatt immerhin“, sagt Daniel Tommack, der Herdenmanager im Plauerhagener Unternehmen. „Die werden wir komplett in das Netz der Wemag einspeisen.“ Zweiter Effekt bei der Erzeugung von Biogas ist die Wärmegewinnung. Auch hier rechnen Schwager und Tommack mit 170 bis 180 kW. 90 kW, also etwas mehr als die Hälfte, werden als Prozesswärme genutzt. Der Rest – immerhin noch 60 bis 80 kW – sollen zukünftig für die Wärmegewinnung im Unternehmen bereitgestellt werden. „Unsere Kuhställe werden wir damit nicht beheizen“, betont Schwager und lacht. Weil er weiß, dass das Verwundern bei manchen Leuten groß ist, wenn sie Kühe bei niedrigen Temperaturen auf den Weiden oder in offenen Ställen stehen sehen. „Temperaturen von fünf bis zehn Grad sind optimal für die Tiere. Doch auch leichtere Minusgrade sind kein Problem. Heizen ist da definitiv überflüssig.“ Also bleibt den Plauerhagenern die komplette Abwärme, um damit ihr Warmwasser zu bereiten und Heizung in den Verwaltungsgebäuden zu betreiben.

Die Biogasanlage, die einen täglichen Arbeitsaufwand von ein bis zwei Stunden für Dokumentation, Kontrolle und Überwachung erwarten lässt, läuft übrigens vollautomatisch. Sobald die Gülle im Fermenter unter das Soll fällt, werden die Pumpen angesteuert, die für Nachschub sorgen. Zwei Mitarbeiter (wenigstens) sollen noch vor April entsprechend qualifiziert werden.

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erstellt am 10.Jan.2014 | 09:00 Uhr

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