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Ineffektive Energieerzeugung : Biogas lässt Preise hochschnellen

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Landwirt Jens Kühl kritisiert einige Bereiche alternativer Energieerzeugung als ineffektiv. Denn die durch die Herstellung regenerativer Energien entstehenden Mehrkosten lege man auf alle Verbraucher um.

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erstellt am 26.Apr.2012 | 10:43 Uhr

gischow | Jens Kühl möchte alternative Energieerzeugung nicht grundsätzlich verteufeln, beurteile sie aber "mit sehr gemischten Gefühlen", wie er selbst sagt. Eine durch Biogas und Photovoltaik produzierte Kilowattstunde (kW/h) Strom koste rund 20 Cents und sei damit rund doppelt so teuer wie Windenergie. Aus einem Hektar Mais gewinne man jährlich etwa 30 000 kW/h, was nicht sehr viel sei. "Die Investitionen sind hoch, aber auf einem Photovoltaik-Feld derselben Größe entsteht die zehnfache Menge. Ein einziges Windrad hingegen produziert drei Millionen kW/h oder sogar noch mehr. Nicht die vergleichsweise kleinen Exemplare wie in Werder, aber die großen - und das auf einer Fläche von nur 900 Quadratmetern plus Weg", so der Landwirt. Zu dem Fakt, nicht effizient zu sein, kämen bei Biogas nach Anbau und Ernte des Maises noch sein Transport zur Anlage und die Abfuhr der Reste von dort hinzu. "Dies führt zu einer deutlichen Mehrbelastung der Straßen, was auch in Gischow zu merken ist", sagt Kühl.

Um eine in unserer Region über lange Zeit übliche 500 kW-Anlage zu beschicken, müsse man 200 Hektar Mais anbauen, was als erhebliche Größe einzuschätzen sei. Werde in diesem Bereich nicht sehr effizient gewirtschaftet, könne bald Ackerfläche knapp werden, was teilweise schon jetzt zu spüren sei: "Die Preise für Land sind auch dadurch deutlich gestiegen. Habe ich vor drei Jahren noch 7000 Euro für einen Hektar bezahlt, so sind es heute über 10 000. Es ist zu merken, dass die Betreiber von Biogas-Anlagen aggressiv am Markt tätig sind. Boden ist immobil, kann also nicht verschoben, vergrößert werden. Die neue Form der Energieerzeugung ist auch mit ein Grund dafür, dass die Preise für Nahrungsmittel teurer werden."

Im Gegensatz zu Wind- und Solarenergie lasse sich Biogas allerdings speichern und durch Blockheizkraftwerke in Strom und Wärme umwandeln. Dies geschehe jedoch nicht dann, wenn die Energie benötigt wird, sondern kontinuierlich, weil die eingespeiste Strommenge vergütet wird. "Intelligente Steuerung wäre gewesen, Biogas einzubinden", meint Kühl. "So läuft alles nebeneinander her, nach meiner Meinung gibt es kein schlüssiges Konzept. Manchmal wird zuviel Strom eingespeist, so dass die Netze überlastet sind, woraufhin zum Beispiel Windräder gedreht werden, um nicht mehr zu produzieren."

Die durch die Herstellung regenerativer Energien entstehenden Mehrkosten lege man auf alle Verbraucher um. Ungerecht sei dies zum Beispiel im Hinblick auf die Tatsache, dass bei der Produktion von Biogas mehr Wärme als Strom entsteht, sie in ländlichen Gebieten wegen des vergleichsweise geringen Bedarfs jedoch nicht effektiv genutzt werde. Zudem sei ihr Transport teuer und nur mit hohen Verlusten möglich. Um den Bonus ausgezahlt zu bekommen, werde die produzierte Wärme unter anderem dazu genutzt, Hackschnitzel zu trocknen: "Keine nachhaltige Verwertung, sondern nicht mehr als volkswirtschaftlicher Unsinn."

Gegenüber reinen Getreideerzeugern und Milchviehbetrieben als klassische Form landwirtschaftlicher Produktion genieße der Betreiber einer Biogasanlage zwar den Vorteil einer garantierten Einspeisevergütung, doch die Investitionen in Biogas und Solaranlagen sinken trotzdem, weil die Vergütungen unattraktiver geworden seien. Die Kritik, dass wachsender Maisanbau den Boden auslauge, dürfe man nicht verallgemeinern. Es gebe sehr viele Fälle, in denen die Fruchtfolge auf den Feldern trotzdem eingehalten werde.

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