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Regensommer, Rekordkälte, Milbenbefall : Bienentod: Imker fürchten Verluste

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Die Prognosen sind düster: Die Hälfte der rund 20 000 Bienenvölker in MV ist nach der Rekordkälte der vergangenen Wochen in Gefahr. Der Wettermix zwischen Juni und Februar - er war tödlich für ganze Völker.

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erstellt am 22.Feb.2012 | 09:36 Uhr

Plau am See | Die Prognosen sind düster: Die Hälfte der rund 20 000 Bienenvölker in Mecklenburg-Vorpommern ist nach der Rekordkälte der vergangenen Wochen in Gefahr. Der Wettermix zwischen Juni und Februar - er war tödlich für ganze Völker. Erst kam der feuchte Sommer, in dem sich die für Bienen oft tödliche Varroamilbe bestens ausbreiten konnte. Dann kam der klirrend kalte Winter mit Temperaturen von bis zu 20 Grad Celsius minus. Grundsätzlich ist Kälte nicht unbedingt ein Problem für die Bienen. Doch der Winter startete extrem mild. "Deswegen hatten viele Honigbienen schon mit der Brutpflege begonnen", sagt Winfried Dyrba, Leiter des deutschlandweit einzigen Bienenzuchtzentrums in Bantin (zwischen Wittenburg und Zarrentin). Vom plötzlich hereinbrechenden Rekordwinter wurden die Bienen eiskalt erwischt. Zwar will Dyrba keine Panik machen. Trotzdem befürchtet er, dass die Hälfte aller Bienenvölker in Mecklenburg-Vorpommern von der Extremkälte überrascht worden sein könnte. "Ich hoffe, dass Imker die richtige Vorsorge betrieben haben und so 80 bis 90 Prozent der Bienen die strenge Kälte überlebt haben", so Dyrba.

Ein Imker aus der Region, der sich intensiv auf Winter, Kälte und Milben eingestellt hat, ist Reinhard Neumann. Auch er sagt: "Wehe den Imkern, die sich nicht gut vorbereitet haben." In seiner Imkerei im Plauer Ortsteil Quetzin versorgt und betreut der Fachmann rund 200 Völker. In den vergangenen Tagen machten er und seine zwei angestellten Imker sich immer wieder zu Kontrolltouren in die Umgebung auf den Weg. Ihr Fazit: Die Verluste halten sich in Grenzen. Den meisten Bienen geht es gut.

Um den Gesundheitszustand eines Bienenvolkes zu testen, öffnet Reinhard Neumann den Bienenstock, zieht vorsichtig die Plastikplane zurück, senkt seinen Kopf hinab und pustet vorsichtig in den Stock hinein. Drinnen beginnt es zu brummen. "So muss sich das anhören", sagt Neumann, schiebt die Folie zurück und verschließt den Bienenstock. Neumann ist zufrieden mit der Entwicklung und damit, dass der Winter bei ihm nicht allzu stark gewütet hat. Allerdings stehen 75 seiner Bienenvölker in der Heide und hier vermutet er größere Verluste. "Etwa die Hälfte dieser Völker könnte es erwischt haben", sagt Neumann.

Das Hauptproblem: Wegen des anfangs milden Winters hatten einige Völker bereits mit der Brut begonnen. In dieser Phase allerdings ist der Energiebedarf der Tiere stark erhöht. Durch die Kälte verschärfte sich das Problem. "Imker, die nicht zugefüttert haben, bekommen deshalb jetzt ein handfestes Problem", sagt Neumann. Er selbst hat das Problem frühzeitig erkannt und ausreichend Futter gegeben.

Auch die Milben sind ein Problem für den gebürtigen Sachsen-Anhaltiner. "Die Milben sind Parasiten, sie saugen Blut aus den Bienen und übertragen eventuell auch Krankheiten", sagt Neumann. Letzteres müsse die Forschung in Zukunft noch genauer ans Licht bringen. Er glaubt, dass Milben auch für die Horrormeldungen aus den USA verantwortlich sind. Hier kam es in den vergangenen Jahren zu einem massenhaften Bienensterben.

Neumann appelliert, das Problem nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. "Bienen sind Bestäuber, die Natur ist deshalb auf die Arbeit der Tiere angewiesen", sagt der studierte Landwirt. Komme es zu einem Massensterben, dann sei eine ökologische und ökonomische Katastrophe vorprogrammiert. Vor zehn Jahren geriet die Imkerei an den Rand des Ruins. Damals starben 80 Prozent aller Völker in kürzester Zeit. "Eine Erklärung habe ich dafür bis heute nicht", sagt Neumann.

Davon hat sich der Betrieb aber längst wieder erholt. Im vergangenen Jahr erntete die Imkerei mehr als zehn Tonnen Honig. Und der erfreut sich wieder immer größerer Beliebtheit. Selbst ein Plauer Baumarkt bietet an der Kasse Neumanns Honig an. Auch der Imker selbst ist ein ausgesprochener Honig-Liebhaber. "Jede Woche ein Glas - ohne das geht bei mir einfach gar nichts", sagt er und lacht.

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