Goldberger Kita am "Tag der Architektur" vorgestellt : Bewusst neue Architektursprache

Von geringer Resonanz aus der Bevölkerung am „Tag der Architektur“ enttäuscht: Martina Marotzke, Leiterin der Goldberger Kita „Stiftung Rohlack“, und Architekt Joachim Brenncke Foto: Ilja Baatz
Von geringer Resonanz aus der Bevölkerung am „Tag der Architektur“ enttäuscht: Martina Marotzke, Leiterin der Goldberger Kita „Stiftung Rohlack“, und Architekt Joachim Brenncke Foto: Ilja Baatz

Die von dem Schweriner Architekten Joachim Brennecke entworfene Kita "Stiftung Rohlack" sollte der Öffentlichkeit im Rahmen des "Tags der Architektur" vorgestellt werden. Den ganzen Tag über kamen vier Interessenten.

svz.de von
25. Juni 2012, 05:48 Uhr

goldberg | Joachim Brenncke ist enttäuscht, als er das als Einladung an der Fassade aufgehängte Plakat mit der Aufschrift "Tag der Architektur" wieder zusammenrollt und in sein Auto legt. Der Schweriner ist Architekt und wollte am Sonnabend den von ihm entworfenen und so gebauten Kindergarten "Stiftung Rohlack" möglichst vielen Menschen vorstellen. Den ganzen Tag über kamen vier. Mit so wenig hatten auch Martina Marotzke, Leiterin der Einrichtung, und die mit ihr mehrere Stunden auf Interesse wartende Elternratsvorsitzende Melanie Ungewiß nicht gerechnet.

In der Stadt gibt es Kritik, dass die alte Villa bis auf den zur Straße zeigenden Vorbau verschwunden ist. Joachim Brenncke kennt auch diese Stimmen. Er hätte gern mit Kritikern wie auch neutral eingestellten Interessierten gesprochen, allen im direkten Kontakt erklärt, warum das alte Gebäude weitestgehend abgerissen wurde.

Auch die als Denkmal gelistete Villa beherbergte schon viele Jahre eine Kindertagesstätte. Die Diakoniewerk Kloster Dobbertin gGmbH hatte sie übernommen und besaß die Genehmigung zum Umbau. "Unabhängig davon, dass schon damit der Denkmalstatus verloren gewesen wäre, baten wir zunächst darum, uns das Gebäude vor allem anderen zunächst einmal genau anschauen zu dürfen", sagt Brenncke. Das Ergebnis der Untersuchung: Es gab kein Fundament - die untersten Steine lagen ohne weitere Befestigung nur wenige Zentimeter unterhalb der Erdoberfläche auf Sand - und die Statik des Hauses war durch diverse Umbauten erheblich geschädigt. Wegen des fehlenden Fundamentes wurde das Gebäude bei starkem Frost zum Beispiel leicht angehoben und sackte anschließend wieder ab, wodurch sich immer mehr Risse in den Wänden zeigten. Außerdem waren sehr viele in der Fassade vermauerte Ziegelsteine zerstört.

Für den ursprünglich geplanten Umbau standen infolge einer Kostenschätzung eine Million Euro zur Verfügung. "Diese Summe hätte definitiv nicht ausgereicht", sagt der Architekt. Er schätzt den Mehrbedarf, der bei einem Umbau notwendig geworden wäre, auf 300 000 bis 400 000 Euro: "Das ist sehr viel. Als Träger einer solchen Einrichtung muss ich auch darauf achten, dass sich eine Investition refinanziert." Abbruch ist ein brutales Mittel, was Brenncke ebenso sieht. Sein Büro arbeite schwerpunktmäßig im Bereich Umbau/Sanierung und schätze Altbauten als dementsprechend wichtig ein. "Von schätzungsweise 100 Projekten war es in 22 Jahren Tätigkeit das zweite Haus, für das wir nach langer Diskussion wegen unvertretbarer Kosten den Abbruch empfohlen haben", so der Schweriner. "Dies belegt, dass wir es uns damit nicht leicht machen. Architektonisches Erbe zu erhalten ist eine gesellschaftliche Aufgabe, wobei man jeden Fall separat beurteilen muss. Standardlösungen gibt es nicht." Wenn man zum Beispiel wie in Goldberg bestimmte pädagogische Konzepte verfolge, so wären diese in dem alten Haus schwierig umzusetzen gewesen. In der Kita "Stiftung Rohlack" gehe es nicht nur darum, Kinder in den Arm zu nehmen und sie festzuhalten, sondern zum Beispiel selbstständiges Spielen zu fördern. Darauf ist jetzt der gesamte Neubau ausgerichtet - von der Größe der Räume bis zu ihrer Ausgestaltung.

Ein Millionenobjekt mit gewagtem Gesicht. "Wir haben bewusst eine andere Architektursprache gewählt", sagt Brenncke. "Extrem würde ich es trotzdem nicht nennen, denn es ist kein mehrgeschossiges Gebäude entstanden und eines so wie geschehen zu gestalten, ist etwas anderes, als wenn ich die ganze Straße verändere."

Im Energiebereich das Neueste vom Neuen: Wärmepumpenheizung mit Tiefenbohrung, Regenwassernutzung für die Sanitäranlagen, Wärmerückgewinnung aus der Abluft und Wiedereinspeisung. Die wegen des kompletten Neubaus erreichte Einsparung ermöglichte unter anderem, auch die Außenanlagen fertig zu stellen. Insgesamt habe man mit dem Projekt den Standort langfristig gesichert, so der Architekt.

Der in den Neubau integrierte Erker der alten Villa ist alles, was in diesem Stück Goldberg an alte Zeiten erinnert. Um ihn erhalten zu können, wurde er aufwändig mit einem neuen Fundament unterfangen. Der älteste Teil ist jetzt den Jüngsten vorbehalten: In ihm befindet sichdie Lauf- und Krabbelstrecke des Krippenbereiches.

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