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Kriminalität Ludwigslust-Parchim : Betrüger werden immer dreister

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Der Pressesprecher der Polizeiinspektion Ludwigslust berichtet über die Entwicklung des Trickdiebstahls in den vergangenen 20 Jahren.

von
erstellt am 09.Nov.2017 | 05:00 Uhr

Parchim/Lübz Klaus Wiechmann ist seit 20 Jahren Pressesprecher der Polizei in der Region und seit  der Kreisgebietsreform in dieser Position für unseren gesamten Landkreis zuständig. Betrüger beschäftigen ihn eigener Aussage zufolge vom ersten Tag an zentral – von Boizenburg bis Plau am See. „Wir haben immer wieder auch in der SVZ auf die wechselnden Formen hingewiesen und gleichzeitig Anleitungen mitgeliefert, wie man sich dagegen schützen kann. Für mich ist dies eine der polizeilichen Hauptaufgaben“, sagt er. Die Folge sei gewesen, dass die Bevölkerung stetig aufgeklärter wurde und die verschiedenen Betrugsformen jeweils immer erfolgloser wurden. Zu Vorsicht mahnen könne man jedoch nicht oft genug, weil die Täter dreister werden und versuchten, mit immer neuen Ideen erfolgreich zu sein.

In den ersten Jahren nach der Wende waren es vor allem plötzlich an der Haustür stehende angebliche Versicherungsvertreter und  Monteure, die vorgaben, Gas- und Wasseruhren oder Heizungsthermostate ablesen zu müssen und ihren unverhofften Besuch unter anderem mit dem Diebstahl von Schmuck, Geldkassetten und Sparbüchern verbanden. „Problematisch daran  war, dass  die Betroffenen den Schaden oft nicht sofort bemerkten“, berichtet Wiechmann.

 Der zunächst fast vollständig so stattfindende Betrug, bei dem sich Täter und Opfer von Anfang bis Ende direkt Auge in Auge gegenüber standen,  wurde dann unter anderem vom so genannten „Enkeltrick“ abgelöst. Seinen Höhepunkt erreichte er Ende der 1990er-/Anfang der 2000er-Jahre. „Die Täter traten und treten vereinzelt auch heute noch sehr gekonnt auf, indem sie zunächst anrufen und zum Beispiel nicht fragen: ,Wer ist da?’, sondern Sätze wie ,Du musst doch wissen, wer ich bin!’ von sich geben und etwa wegen einer finanziellen Notlage um Geld bitten. Vorzugsweise wurde dabei vorher im Telefonbuch nach altdeutsch klingenden Namen gesucht, die vermuten ließen, gutgläubige Senioren übers Ohr hauen zu können“, so der Polizeihauptkommissar. Das Geld holt dann ein Bote ab, nachdem der falsche Enkel zuvor erneut angerufen und mitgeteilt habe, dass er angeblich zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen nicht kommen könne. Kaum zu glauben: Erfolgreich war dieser Trick in unserem Landkreis schon bis zu einer Summe von 30 000 Euro.

Zeitgleich sei die Masche aufgekommen, aus heiterem Himmel über den gar nicht vorhandenen Gewinn  etwa bei einer Lottogesellschaft zu informieren, worüber sich die Angerufenen in der Regel erfreut zeigten, obwohl sie niemals mitgespielt haben. „Dann kommt die Bitte,  Transfergebühren zu zahlen, um das Geld aus dem Ausland überweisen zu können“, erklärt Wiechmann. „In Einzelfällen ist dies bei einer Person bis zu dreimal geglückt, weil gesagt wurde,  dass man sich geirrt habe und der Gewinn beispielsweise nicht nur 90 000, sondern 290 000 Euro betrage.“ Dieses Vorgehen stelle eine neue Qualität dar, weil der Geschädigte für keine Sekunde jemanden gesehen habe und das Vorgehen für die in der Regel aus dem Ausland Handelnden absolut ungefährlich sei.

Weil alles bisher Genannte irgendwann nicht mehr den gewünschten Erfolg hatte, wurden die Täter Wiechmann zufolge in den letzten zwei/drei Jahren auch dadurch immer dreister, indem sie seriöser auftraten – gleichgültig, ob als Rechts- und Staatsanwälte oder Polizeibeamte – und versuchen, Menschen am Telefon einzuschüchtern. „Gedroht wird zum Beispiel mit Konsequenzen in Form von Ermittlungsverfahren und damit, dass man einen Haftbefehl vollstrecken werde“, sagt Wiechmann. „Abkürzen und für den Betroffenen erleichtern könne man das Verfahren, wenn er  Geld zahlt – Einzelfälle, aber es gibt sie.“

Der Blick ins Archiv lässt nachdenklich werden: Beispielsweise betrogen  falsche Polizeibeamte  am Telefon eine 88-Jährige um 900 Euro  (Boizenburg) und bedrohten erst im Mai dieses Jahres in Parchim massiv ältere Frauen. Ein falscher Kripo-Beamter tauchte bereits Ende 2015 in Hagenow  in einem Heim für Betreutes Wohnen auf und ließ sich die Geldkassette eines Bewohners mit dem Vorwand zeigen, dass derzeit  Falschgeld im Umlauf sei: Amtsanmaßung.

Zwei um ein Glas Wasser bittende Mädchen  stahlen Geld und Schmuck aus der Wohnung einer 83-jährigen in Wittenburg, mehrere 1000 Euro  waren es sogar vor gut einem Jahr in Parchim. Ilja Baatz

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