Insolvenz : „Betrieb wird unverändert fortgeführt“

Die GmbH des Seehotels befindet sich seit 9. Dezember im  vorläufigen Insolvenzverfahren. Fotos:  Roland Güttler
Die GmbH des Seehotels befindet sich seit 9. Dezember im vorläufigen Insolvenzverfahren. Fotos: Roland Güttler

Vorläufiges Insolvenzverfahren für die Seehotel Sternberg GmbH läuft seit einer Woche / Sämtliche 24 Mitarbeiter bleiben weiter beschäftigt

svz.de von
20. Dezember 2013, 08:00 Uhr

Im Juni erst verteidigte das Seehotel Sternberg, das erste Haus am Platz sozusagen, seine Vier-Sterne-Klassifizierung. Seit dem 9. Dezember nun läuft – wie SVZ jetzt in Erfahrung brachte – das vorläufige Insolvenzverfahren für die Seehotel Sternberg GmbH, vertreten durch Geschäftsführer Dr. Jan Thomas Berg. Zum Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Andreas Franz aus Schwerin bestellt.

Das Seehotel solle – wenn möglich – eine Perspektive haben. Genaueres könne er aber noch nicht sagen. Eine Woche sei zu kurz, er müsse sich erst einen kompletten Überblick verschaffen, so Franz.

Zugleich stellte der Schweriner Anwalt gestern auf SVZ-Nachfrage klar: „Hotel und Restaurant bleiben weiterhin offen, der Betrieb wird unverändert fortgeführt. Auch sind alle 24 Mitarbeiter weiter in Beschäftigung und ungekündigt.“ Ferner sei, so Franz, „die Insolvenzgeldvorfinanzierung in die Wege geleitet. Wir treten mit der Bank in Vorleistung. Löhne und Gehälter sind seit Dienstag auf den Konten drauf bzw. unterwegs.“

Hauptursache der vorläufigen Insolvenz, so Franz, „sind die Altschulden aus den Jahren 2010 und 2011“. Mit dem Winter kommt jetzt die maue Geschäftszeit für Hotels in der Mecklenburger Binnenlage und dafür gebe es im konkreten Fall nicht genügend Rücklagen. „Der Speck“, sprich die gut florierende Sommerzeit fürs Sternberger Seehotel, ging laut vorläufigem Insolvenzverwalter „großteils drauf zur Begleichung von Altschulden. Die offenen Posten mit Lieferanten und örtlichen Dienstleistern sind im wesentlichen bereinigt“, erklärt Andreas Franz. Aber es gebe weiterhin strittige Fälle.

Im April dieses Jahres war die alte Seehotel-Geschäftsführung abgelöst worden und der gebürtige Niederländer Dr. Berg, der aber schon ewig in Deutschland lebt, übernahm die Geschicke. Er steckte laut Andreas Franz neben dem nötigen GmbH-Anteil zudem „selbst erhebliche private Gesellschafter-Darlehen“ rein. Ferner holte sich Dr. Berg mit Karsten H. Schröder einen langjährigen Bekannten an seine Seite. Einen Mann „mit 38 Jahren ,Sprit und Teufel‘“, so Schröder über sich selbst. Damit ist gemeint, dass er bereits „alles Schlechte und natürlich Gute“ in der Branche erlebt habe als jahrelanger Leiter „einer Hotelbetriebs GmbH mit drei Betrieben. Zeitweise war ich auch selbstständig.“ Allein 20 Jahre sei er in Ostfriesland tätig gewesen und sieben Monate auch im kanadischen Vancouver. „Da wäre ich liebend gerne geblieben, doch meine Frau wollte zurück.“

Und nun Sternberg. Seit 1. Dezember sind Seehotel-Geschäftsführer Karsten H. Schröder und dessen Ehefrau Angelika offiziell das Wirtspaar, nachdem er bereits „seit dem 20. April für drei, vier Tage die Woche hier tätig war. Unser Ziel ist es, das Haus dazu zu bringen, dass es läuft.“ Übrigens, ein Wirtspaar gab es hier lange nicht.

Ende April 2013 seien laut Schröder „die Buchungen gegen null gewesen. Für das vergangene halbe Jahr haben wir sehr gute Ergebnisse gehabt – aber eben nicht genug für Langfristiges.“ Dr. Berg und Schröder setzten und setzen vor allem auf Verträge mit Reiseveranstaltern wie der Aldi-Tochter oder „Ab in den Urlaub“ sowie Booking-Internet-Seiten. Von beiden Gruppen gebe es laut Rechtsanwalt Franz „gute Signale“. Denn wenn die großen Partner abspringen, weiß der Insolvenzrecht-Fachanwalt nur zu genau, gibt es fürs Seehotel keinerlei Rettung. Doch aktuell regiert bei Franz und dem Hotelmanagement Optimismus.

Zugleich möchte das neue Wirtspaar mehr die Region ansprechen. „Es gibt eine gewisse Schwelle für Gäste, zumal wenn ein Hotel vier Sterne hat. Die Leute glauben, mit Jeans kommst du nicht rein“, so Karsten Schröder, der dieses Image unbedingt ändern will. „Zur Struktur des Hauses gehören für mich auch die örtlichen Vereine und die Leute von hier einfach dazu. Die Weihnachtstage sind wir rappelvoll – wie seit Jahren nicht mehr“, so Schröder, der nochmals bekräftigt: „Wer einen Tisch bestellt, wird auch bedient.“

Wie es indes mit dem vorläufigen Insolvenzverfahren weitergeht, da will Rechtsanwalt Franz erst einmal in sämtliche Bücher schauen. „Bis März/ April wissen wir, wo der Hase lang läuft.“ Manches sei denkbar, „ob als Management by out, ob ein neuer Investor kommt oder Dr. Berg nochmals neue Mittel rein schießt; an dem Punkt sind wir freilich noch nicht.“

Aber eines könne er schon sagen: „Der Betrieb kann wirtschaftlich betrieben werden.“ Gegenwärtig werde die ordentliche Planung für 2014 aufgestellt, sei man diesbezüglich mit den Geschäftspartnern in Gesprächen.


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