zur Navigation springen
Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

25. November 2017 | 10:35 Uhr

Engagiert : Besuche gegen die Einsamkeit

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Maria Frommer arbeitet als Grüne Dame im Plauer MediClin Krankenhaus. Patienten wie Udo Baath sind glücklich über die Zuwendung. Wir trafen beide.

von
erstellt am 10.Mai.2014 | 08:00 Uhr

Udo Baath sitzt in seinem Rollstuhl. Vor ihm das Fahrradergometer und die Aufgabe, 15 Minuten zu treten. Gleichmäßig, ausdauernd. Mit stoischer Ruhe absolviert der 79-Jährige das Training. An diesem Tag genauso wie in den Wochen davor und wie wohl noch auf unbestimmte Zeit. „Die Therapien und Behandlungen sollen mir helfen, wieder auf die Beine zu kommen“, sagt Udo Baath und erzählt, weshalb er in der Vorrehabilitation in Plau ist. „Bei einem Treppensturz daheim habe ich mich schwer an der Wirbelsäule verletzt. Die Ärzte sagten, es war kurz vor der Querschnittslähmung.“ Zwei komplizierten Operationen im Klinikum Berlin-Neukölln folgte die Verlegung ins Plauer MediClin.

Daheim ist Udo Baath in der Hauptstadt. Dort lebt er mit seiner Frau. Doch schon Wochen hat er sie nicht gesehen. „Dreieinhalb Stunden mit Bahn und Bus – das wäre ohnehin schon schwierig für sie. Aber 183 Euro für die Fahrt können wir uns einfach nicht leisten“, sagt er und leidet in diesem Einsehen still. Besuch! Gern hätte er mehr. Der würde Udo Baath vielleicht jenen Optimismus geben, den er dringend braucht. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das mit mir nochmal was wird“, sagt er ganz ruhig. 15 Kilo habe er abgenommen und er merke auch, wie die Konstitution schwinde.

Noch immer im Therapieraum, immer noch am Fahrradergometer bekommt Udo Baath Besuch. Den ersten seit langem. Maria Frommer gesellt sich zu ihm. Die Beiden kennen sich nicht. Doch schnell entspinnt sich ein Gespräch. Sie erfährt von dem Dilemma mit seiner Frau, davon, dass er zu jenen fünf Prozent Patienten gehört, die bei einer Herz-OP (hatte er kurz vor seinem Sturz) einen Schlaganfall erlitten, dass er viele Jahre gern als Fischwerker gearbeitet hat… Maria Frommer hört zu, spendet Trost und spricht Mut zu. Das fällt ihr nicht schwer. Schon seit fast anderthalb Jahren arbeitet sie im Besuchsdienst des MediClin Krankenhauses als „Grüne Dame“, hatte sich im Oktober 2012 auf den Aufruf der Plauer Klinik-Verwaltung hin gemeldet. Der grüne Kittel ist ihr Markenzeichen und deutliches Indiz dafür, dass ihr Engagement ehrenamtlich ist, sie nicht zum medizinischen Personal gehört. Die „Abteilung für Frührehabilitation Phase B und Querschnittslähmung“ ist ihr Revier. Hier, wo Schlaganfallpatienten behandelt werden, wo Patienten mit Hirn- und Rückenmarksverletzungen nicht selten bis zu einem Dreivierteljahr auf Station sind, wo Querschnittsgelähmte therapiert werden – hier will Maria Frommer helfen. Denn trotz des 24-Stunden-Managements für Pflege, Therapie und ärztliche Versorgung bleibt dem medizinischen Personal nur selten Zeit, sich darüber hinaus um die Patienten zu kümmern. Eine Situation, die Patienten wie Einrichtung gleichermaßen nicht befriedigt. Vor vier Jahren startete die Verwaltung des Plauer MediClin deshalb auch einen Aufruf, um aus der Bevölkerung ehrenamtlich interessierte Mitarbeiter – „Grüne Damen und Herren“ – für das Haus zu gewinnen. „Wir waren damals noch nicht lange hier“, erzählt Maria Frommer, „aber ich kannte eine ähnliche Arbeit schon aus Hannover, wo ich vier Jahre als Hospizbegleiter tätig war. Der Aufruf war wie für mich gemacht.“

„Da vorn an der großen Glastür ist Schluss“, erzählt Udo Baath gerade. Traurig wendet er den Blick zum Fenster, vor dem sich die Bäume sanft im Wind wiegen. So gern würde er mal wieder runter von der Station, raus an die frische Luft, hinunter zum See… „Ich darf das aber nur in Begleitung“, bedauert der Berliner. Maria Frommer weiß das. Und sie weiß auch warum. „Vielleicht würden Sie das schaffen. Aber es gibt auch Patienten, die unterwegs die Kraft verlässt, die die Orientierung verlieren. Deswegen muss es strikte Regeln geben. Für alle.“ Baaths trauriger Blick war ihr jedoch nicht entgangen, und deshalb macht sie ihm einen Vorschlag: „Wenn Sie möchten, komme ich Sie wieder besuchen, dann können wir uns wieder unterhalten, und ich fahre ich sie draußen spazieren“, schlägt sie vor. „Das wäre wirklich schön! “, sagt der und fasst sich dann ein Herz. „Darf ich Sie mal etwas fragen? Warum machen Sie das eigentlich?“ „Das ist ganz einfach“, sagt Maria Frommer, „ich habe ein gutes Leben, ich glücklich und möchte anderen Gutes tun!“

Patienten, die wie Udo Baath wenig oder gar keinen Besuch erhalten, gibt es mehr als gedacht. Das ist auch der Grund, warum das MediClin in Plau immer Grüne Damen sucht. Interessierte Frauen und Männer können sich mit der Klinik (038735/87-101) oder auch mit Maria Frommer oder Jutta Scholze in Verbindung setzen. Sie sind zwei von derzeit vier Ehrenamtlichen im Besuchsdienst.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen