Lübz : Bestatter – Berufung statt Beruf

Reinhard Westphal, unter anderem Inhaber des Lübzer Bestattungsinstitutes Westphal-Helfrich, mit seinem neuen Leichenwagen
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Reinhard Westphal, unter anderem Inhaber des Lübzer Bestattungsinstitutes Westphal-Helfrich, mit seinem neuen Leichenwagen

Reinhard Westphal ist auf vielfache Art und Weise Partner in schweren Stunden. Durch seine Tätigkeit hat er für sich eine lebensbejahende, grundsätzlich positive Einstellung gewonnen.

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07. Februar 2018, 05:00 Uhr

Tod – ein in der breiten Öffentlichkeit nach wie vor ungeliebtes, oft verdrängtes Thema. Der gebürtige Lübzer Reinhard Westphal weiß dies, weil er jeden Tag professionell mit ihm zu tun hat. Er ist Bestatter.

Der heute 48-Jährige sieht öfter Menschen auch in schlimmstem Zustand – unentscheidend, ob so vor allem durch Unfall oder Selbstmord zugerichtet. Damit zusammenhängende Einsätze charakterisiert er zumindest äußerlich vergleichsweise nüchtern als „sehr spezielles, visuelles Erlebnis“.

Ungleich schlimmer, mit viel mehr Emotionen verbunden sei auch bei ihm zum Beispiel die Beerdigung eines kranken, jungen Menschen, besonders eines Kindes – und noch heftiger, wenn sich beide Seiten kennen: „Man leidet mit den Eltern.“ Ohne eine gewisse Routine könne Westphal seinen Beruf zwar nicht ausüben, aber trotzdem bleibe die Lebensgeschichte jedes Verstorbenen und von dessen Angehörigen einzigartig. Dies fließe oft auch in den Abschied mit ein.

Heute mit viel mehr als früher beschäftigt

Bestatter zu sein ist für Westphal kein Beruf, sondern eigenen Worten zufolge zu großen Teilen Berufung. Die an ihn gestellten Ansprüche seien groß: „Er muss heutzutage Seelsorger, Evantmanager, Handwerker, Bürofachmann, manchmal Krisenmanager und auch jemand sein, mit dem man reden, weinen, aber auch lachen kann.“

Obwohl so gut wie niemand über ihn sprechen möge, gehöre der Tod unausweichlich zum Leben wie die Geburt. Jeder von uns werde früher oder später damit konfrontiert. Aufgabe des Bestatters sei, den Hinterbliebenen in würdevoller, individueller Weise Abschied zu nehmen. Dies spiegele ihre Liebe und Achtung gegenüber dem Verstorbenen wider. Jeder verabschiede sich auf seine Weise und durchschreite das Tal der Trauer. „Das respektiere ich und ermögliche jedem seinen ganz persönlichen Abschied, im großen Kreis oder in aller Stille“, sagt Westphal.

In seinem Leben seien die Weichen als Bestatter schon früh gestellt worden. 1987 begann er im familiären Betrieb zu arbeiten und lernte den Beruf von der Pike auf – inklusive Sargbau und allem anderen, was dazugehört. Besonders letzteres habe sich im Laufe der Zeit sehr verändert. Früher baute ein im Ort ansässiger Tischler den Sarg, der dann im Normalfall ohne großes Drumherum bestattet wurde. „Nicht nur das ist mittlerweile in der Regel völlig anders“, berichtet Westphal. „Hinzu kommt heute schon oft zum Beispiel die Regelung von Rentenfragen, die Auflösung der Wohnung und die Abmeldung des Autos. Nicht selten müssen wir zum Beispiel drei dicke Ordner wegen der uns übertragenen Aufgaben durcharbeiten.“

Es gibt immer mehr Feuer- wie auch anonyme Bestattungen und der Trend zu Gemeinschaftsgrabstellen wächst. 2003 wurden zudem Ruhewälder angelegt, in denen Schilder mit den Namen der Verstorbenen an den Bäumen befestigt sind. Westphal gesteht, dass er Naturbestattungen generell für ästhetischer hält. Bei ihnen verwendet auch er Urnen, die sich langsam im Erdreich auflösen und nicht wie andere bei eventuellem Auffinden „entsorgt“ werden.

Der Inhaber des Bestattungsinstitutes Westphal-Helfrich in Lübz bietet auch Seebestattungen an. Bei ihnen wird eine Urne in ausgewiesenen, nicht durch sehr große Schiffe gestörten Bereichen ins Wasser abgesenkt. Dies geschehe in der Regel für Verstorbene, die in irgendeiner Form mit der See zu tun hatten.

Weil zahlreiche Menschen die Frage „Was ist, wenn ich nicht mehr bin?“ beschäftige, wollten immer mehr so viel wie möglich noch zu Lebzeiten nach eigenen Wünschen regeln. Niemand müsse Angst davor haben, eine Vorsorge zu vereinbaren: „Ich werde schon zu Lebzeiten aufgesucht und und plane mit Menschen auf eigenen Wunsch hin ihre Beerdigung. Fast alle, die sich dafür entscheiden, sagen ,Hätte ich das bloß schon früher gemacht. Nun ist mir leichter.’“ Bei den Fragenden stehe oft im Mittelpunkt, wie man seine Angehörigen im Trauerfall entlasten kann. Dies reicht bis zu den Punkten, ob man die Bestattungsform und die Grabstelle festlegen soll.

Hatte der ständige Umgang mit dem Tod für Westphal persönlich Konsequenzen? „Durchaus. Eine unglaublich große Dankbarkeit für meine Gesundheit, eine sehr lebensbejahende, grundsätzlich positive Einstellung, die Erkenntnis ,Ärgere Dich nicht über Sachen, die Du sowieso nicht ändern kannst’ und warte nicht auf irgendetwas, was vielleicht irgendwann kommt – lebe heute.“

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