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Protest der Windkraftkritiker in Parchim : Beschluss zum Energiepark vertagt

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Der Bürgerinitiative gegen den Windpark Ost in Parchim ist es mit ihrem Protest in den zurückliegenden Tagen gelungen, die Stadtvertretung wachzurütteln: Stadtvertreter wollen Bedenken ernst nehmen.

svz.de von
erstellt am 04.Mär.2012 | 07:30 Uhr

Parchim/Lübz | Der Bürgerinitiative (BI) gegen den Windpark Ost in Parchim ist es mit ihrem Protest in den zurückliegenden Tagen gelungen, die Stadtvertretung wachzurütteln: Gleich zu Beginn der jüngsten Sitzung überraschten CDU- und SPD-Fraktion mit dem gemeinsamen Antrag, zwei brisante Beschlüsse zur Sache von der Tagesordnung abzusetzen. Man sehe Klärungsbedarf zu den rechtlichen Möglichkeiten, wie die kommunale Beteiligung beim Aufstellen des B-Planes "Windeignungsgebiet Parchim - Ost" ausgeschöpft werden kann, begründete SPD-Fraktionsmitglied Dr. Fritz-Detlev Witte das parteiübergreifende Vorgehen. Gleichwohl machte er aber auch unmissverständlich deutlich, dass der Spielraum der Kommune zu dieser Beschlussvorlage fast gegen Null gehe, weil das Gebiet östlich der Stadt vom Land bereits als Eignungsgebiet für Windenergieanlagen ausgewiesen sei. "Wir werden die Hinweise und Bedenken der Bürger ernst nehmen und für mehr Transparenz sorgen", versicherte Witte.

Angedacht ist zum Beispiel ein gemeinsames Treffen mit Vertretern der Verwaltung, Stadtvertretern und Vertretern der Bürgerinitiative. Als Mediator brachte Witte den Vorsitzenden des kreislichen Umweltausschusses, Dr. Klaus-Dieter Feige, ins Gespräch. Dieser scheint momentan als Mann für "komplizierte Fälle" gefragt zu sein: Moderierte er doch gerade erst vor wenigen Tagen in Damm eine Infoveranstaltung zum Neubau einer Bio-Hähnchenmastanlage zwischen Neu Matzlow und Matzlow (SVZ berichtete).

"Wir haben Zeit gewonnen. Das war das maximal Mögliche, was wir heute Abend erreichen konnten", machte sich Dietlind Gohle erleichtert auf den Heimweg. Die Parchimerin initiierte kürzlich die Bürgerinitiative gegen den Windpark Ost und stach damit in ein Wespennest: Die Bewegung der Gegner gigantischer Windkraftanlagen in der Nähe von Wohn- und Naturschutzgebieten wuchs seit ihrem Aufruf täglich an, hat sich bereits mit Gleichgesinnten im Parchimer Umland vernetzt und pustete nun Parchims Stadtvertretern heftigen Gegenwind entgegen: Rund 80 Windkraftkritiker protestierten vor dem Rathaus und ließen anschließend den Sitzungssaal fast aus allen Nähten platzen. "Wir wollen unseren Unmut durch Anwesenheit demonstrieren", schlossen sich zum Beispiel Andrea Schawe, Reinhard Meske und Roland Kenzler aus Neuburg der Protestaktion an, die insgesamt sehr besonnen und sachlich verlief. In Worte kleidete Wilhelm Stecker an diesem Abend die Argumente der Bürgerinitiative: Er versicherte den Stadtvertretern nachdrücklich, dass hier keine Gegner von Erneuerbaren Energien vor ihnen stehen würden. "Wir befürchten jedoch, dass dieser Windpark Parchim Ost mit bis zu 185 Meter hohen Windrädern neben den voraussehbaren Auswirkungen auf die natürliche Umwelt von Parchim auch das Leben der Menschen in den betroffenen Wohngebieten nachhaltig negativ beeinflussen wird." Im Namen der Bürgerinitiative rief er die Stadtvertreter auf: "Entscheiden Sie sich für Parchim, auch als unsere Stadt für Touristen, entscheiden Sie sich für den Erhalt einer intakten Umwelt und für die Menschen, die hier gerne leben und das Leben in Parchim lebenswert finden. Treffen Sie eine weise Entscheidung!"

Unterdessen beriet die Bürgerinitiative nun ihr weiteres Vorgehen. Man werde jetzt erst einmal das eingangs erwähnte gemeinsame Treffen abwarten und dann beim Land vorstellig werden, so Dietlind Gohle. Die BI hat sich jedenfalls auf einen langen steinigen Weg eingestellt. Den prophezeite ihr auch Hans-Eike Müller, der seit Mitte der Neunziger Jahre in der denkmalgeschützten Grebbiner Mühle wohnt und Windräder mit einer Rotorenhöhe von 125 Metern vor der Nase hat. Hans-Eike Müller hat ungefähr 15 Jahre seines Lebens gegen die Windmühlen-Lobby angekämpft und erleben müssen, dass es ein fast aussichtsloses Unterfangen ist. Seine Erfahrung: Behörden und Ämter würden dem Druck von Investoren zu leichtfertig nachgeben. "Sie brauchen einen langen Atem, einen guten Anwalt und sollten unbedingt die Naturschutzverbände einbeziehen", gab er der Parchimer Initiative mit auf den Weg.

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