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18. November 2017 | 18:36 Uhr

Beschäftigung für 150 Leute in Gefahr

vom

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erstellt am 10.Okt.2010 | 03:43 Uhr

Benzin | Ein feuriges Brennerfest vor glühenden Öfen hatten die Mitglieder des Vereins Technisches Denkmal Ziegelei Benzin versprochen und hunderte Gäste aus nah und fern wurden auch in diesem Sommer nicht enttäuscht. Doch bei aller Freude über das Engagement zum Erhalt der einmaligen Dampfziegelei im Parchimer Land, drückt die Sorge über die Zukunft der hier ebenfalls etablierten Beschäftigungsgesellschaft zunehmend die Stimmung. Die Gesellschaft "Ziegelei Benzin" steckt in finanziellen Schwierigkeiten.

Die Fakten sprechen Bände: Längst übersteigen die seit Jahren aufgelaufenen Verluste in einer Größenordnung von mehr als 260 000 Euro das Stammkapital der GmbH um inzwischen rund 150 000 Euro. Das Eigenkapital ist bereits seit dem 31. Dezember 2008 aufgebraucht. Die Verbindlichkeiten der GmbH liegen bei rund 600 000 Euro. Buchprüfer bestätigen der Geschäftsführung aber auch, dass "bisher eine Insolvenzsituation nicht eingetreten ist".

Die 16 Gesellschafter - die Städte Lübz, Plau am See, zehn kleinere Gemeinden der Region, der FAL e.V. Ganzlin und das Diakoniewerk Kloster Dobbertin - müssen mit ansehen, wie das einstige Vorzeigeprojekt ins Straucheln gerät.

Politik dreht den Geldhahn weiter zu

Der Bereich Beschäftigung und Qualifizierung wird inzwischen fast ausschließlich aus Mitteln der Agentur für Arbeit, vom Land und der EU finanziert und das Geld deckt längst nicht alle Kosten. Der Rückgang von ABM und eine veränderte Förderpraxis verstärken den finanziellen Engpass. Seit 2007 hat das Land die Finanzierung des Stammpersonals ganz eingestellt. Dennoch gelang es, in der ehemaligen Dampfziegelei nicht nur Bildungs- und Beschäftigungsangebote für Arbeitslose, Hartz IV-Empfänger und Personen mit so genannten Vermittlungshemmnissen in großer Zahl anzubieten und die Entwicklung der Region maßgeblich zu fördern. Mit einer Schau- und Holzwerkstatt, einem Museumsshop, der Gastronomie sowie einem Buchführungsservice ließen sich die Umsätze steigern.

Dennoch: Unabhängige Wirtschaftsprüfer geben es Schwarz auf Weiß: "Die Ziegelei Benzin verfügt nicht über eine ausreichende Finanzierungsgrundlage. Auch für wesentliche Abschreibungen und Zinsaufwändungen besteht keine ausreichende Deckung".

Landkreis wird kein finanzielles Risiko eingehen

"Die Entwicklung dürfte niemanden überrascht haben", ist sich Karows Bürgermeister Norbert Wellenbrock nach der Gesellschafterversammlung in der Vorwoche sicher. Fast alle Gesellschafter haben sich entschlossen, ihre Anteile an den Landkreis zu übertragen. Nur die Stadt Lübz, die bereits erhebliche finanzielle Mittel in die Ziegelei gesteckt hat, will künftig sechs Prozent der Anteile behalten.

Wie sich der Landkreis und das Innenministerium als Genehmigungsbehörde entscheiden, ist völlig offen. Landrat Klaus-Jürgen Iredi stellt klar: "Der Landkreis wird sich an keinem Unternehmen beteiligen, das sich als ,Fass ohne Boden erweist." Bürgermeister Wellenbrock meint: "Wenn der Landkreis nicht einspringt, dürfte eine Insolvenz nicht mehr abwendbar sein".

Ingeborg Dieterich, seit 2001 Geschäftsführerin der Ziegelei und inzwischen auch in Personalunion Chefin der Unternehmensentwicklungsgesellschaft (UEG) Parchim, sieht vor allem Fehler in der Vergangenheit. Spätestens 2005 wäre aus ihrer Sicht eine Umstrukturierung aller Beschäftigungsgesellschaften im Landkreis nötig gewesen. Sie glaubt, dass eine baldige Fusion der Ziegelei Benzin mit der UEG Beschäftigung für 150 Menschen und die Weiterführung von Projekten der Weiterbildung, der Tafel und dem Bündnis für Familie sichert. Die Wirtschaftsprüfer sind skeptisch: "Allein durch eine verstärkte Zusammenarbeit oder auch durch ein Zusammengehen der Unternehmen kann die strukturelle Verlust situation nicht beseitigt werden."

Nachdem der Landkreis bisher alle Gesellschaften gleichberechtigt mit Zuschüssen bedacht hat, könnten diese Mittel, wie einst vom Kreistag beschlossen, künftig komplett zur UEG fließen, sagt Klaus-Jürgen Iredi. "Sollte es dazu kommen, gehen wir auf die Barrikaden. Wir sind uns schließlich mit allen Fraktionsvorsitzenden im Kreistag über die Finanzierung einig", gibt sich Werner Arndt vom FAL e.V. Ganzlin und Vorsitzender des Arbeitskreises der Beschäftigungsgesellschaften, nicht kompromissbereit.

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