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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

17. August 2017 | 01:43 Uhr

Berufswahl : Bastian hat seinen Weg gefunden

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Und zwar im Bereich der Altenpflege – der 19-Jährige ist einer von wenigen, die diesen Berufszweig gerne gewählt haben

Ruhe strahlt Bastian Brien aus. Der große junge Mann sitzt auf dem Sofa in seiner Plauer Wohnung, die er sich mit seiner Mutter und weiteren Mitbewohnern teilt. Eine moderne Wohngemeinschaft. Aber es funktioniert. Auf seinem Schoß liegt Cora, seine Hündin. Liebevoll kuschelt sie sich an ihn, Bastian legt seinen Arm um die Hündin und streichelt sie. Der 19-Jährige ist einer von wenigen, die in der Pflege von älteren Menschen ihre Berufung gefunden haben. Sein bisheriges Leben ist kein leichtes gewesen – seinen Vater verliert er, als er noch sehr jung war, ein Kind. Nur noch seine Mutter, Sabine Brien, bleibt dem Jungen. Und das bis heute. Sie sind ein eingespieltes Team, helfen sich gegenseitig. Zwischen Mutter und Sohn passt kein Blatt Papier. „Bastian ist durch seine Kindheit schnell erwachsen geworden“, sagt seine Mutter, eine Träne kullert ihr über die Wange. Sie ist sichtlich stolz auf ihren Jüngsten. Denn er hat trotz aller Schwierigkeiten in seinem noch jungen Leben, seinen Weg gefunden. Und das in einem Beruf, den vor allem jüngere Menschen eher meiden als wählen würden.

Mehr als ein Jahr durfte Bastian Brien im Plauer Dr. Wilde Haus sein Freiwilliges Soziales Jahr machen, jetzt wird er übernommen – als Pflegehelfer zum 1. Mai dieses Jahres. „Die Arbeit gibt mir etwas, ich bekomme viel Anerkennung und vor allem eines zurück: Viel Herz von den älteren Menschen“, erzählt der 19-Jährige. Auch wenn er keinen Schulabschluss in der Tasche hat, weiß er, dass er etwas kann. „Schule lag mir eben nicht. Ich wollte schon immer arbeiten. Und das mache ich jetzt.“ Wenn er durch seine Heimatstadt Plau geht und Gleichaltrige sieht, die nur rumhängen und sich keine Arbeit suchen, ärgert ihn das. „Er ist dann richtig sauer“, erzählt seine Mutter. Dann braucht er seine Ruhe – zieht sich in sein Zimmer zurück und hört laut Musik. Sabine Brien weiß dann, jetzt muss sie ihren Sohn in Ruhe lassen. „Das ist auch so, wenn die Arbeit stressig und anstrengend war. Er kommt von alleine, wenn er reden will“, verdeutlicht die Rentnerin, die nebenbei für die SVZ Zeitung austrägt. Auch dabei hilft ihr Bastian – egal ob er gerade Früh- oder Spätschicht hat.

Bastian wolle auch Vorbild sein und jungen Menschen in seinem Alter gern mal einen Tritt in den Hintern geben. „Sie müssen nicht faul auf der Haut rumliegen. Wer arbeiten will, findet auch Arbeit“, ist sich der 19-Jährige sicher. Seine Mutter Sabine geht noch ein Stück weiter. „Bastian ist das beste Beispiel dafür, dass man es auch im Leben zu etwas bringen kann, wenn man nur acht Klassen Schule hinter sich gebracht hat.“ Alles, was er sich anschafft, bezahlt er selbst – kein Amt unterstützt ihn. Das wolle er auch nicht. „Wenn ich etwas für meinen Computer oder meine Musikanlage benötige, spare ich eben solange, bis ich es mir leisten kann“, verdeutlicht der baldige Pflegehelfer. Er freue sich, dass die Arbeit im Dr. Wilde Haus in Plau weitergeht. Denn Bastian Brien weiß, wie wichtig es ist, jemanden zu haben, der einem helfen kann. „Auch ich werde älter“, sagt er und streichelt seiner Hündin Cora sanft übers Fell.

 

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