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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

19. Oktober 2017 | 02:05 Uhr

Plauer in Spanien : Barcelona mit mulmigem Gefühl

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Plauer mit der Aida auf Mittelmeerreise: Einen Tag nach dem Anschlag erleben sie die Angst und die Trauer in der spanischen Metropole

svz.de von
erstellt am 21.Aug.2017 | 08:00 Uhr

Ronny Ax, der Wehrführer der Plauer Feuerwehr, sowie Jugendwartin Christin Roesch weilen derzeit in Urlaub und sind mit der Aida auf Mittelmeerreise. Es sollte eine ungetrübte Fahrt mit vielen tollen Erlebnissen an Bord und bei den Landgängen werden. „Doch seit Donnerstag herrschte eine gedrückte Stimmung“, so Christin Roesch gegenüber unserer Redaktion. Die Reederei hatte den Bordgästen bereits in Frankreich Sicherheitshinweise aufgrund möglicher Anschläge mit terroristischem Hintergrund gegeben. „Beim Aufenthalt an stark belebten Orten oder beim Besuch auf Märkten sollten wir besonders aufmerksam sein“, erzählt die junge Frau. Doch dann, beim Auslaufen aus dem Hafen in Toulon (Frankreich) informierte der Kapitän, dass es „in Barcelona, unserem nächsten Hafen, einen furchtbaren Terroranschlag gegeben hat und noch nicht klar sei, ob wir dort aus Sicherheitsgründen anlegen könnten. In diesem Moment war es im gesamten Schiff unglaublich ruhig. Den ganzen Abend hörten wir Gespräche über die Vorfälle...“.

Am Freitagmorgen konnten die Aida dann doch in Barcelona anlegen, doch die geplanten Ausflüge in die Stadt wurden seitens des Veranstalters abgesagt. „Das gab uns erst recht ein mulmiges Gefühl. Der Hafen soll sicher sein, aber die Ausflüge sind alle abgesagt. Also soll das heißen, bleibt lieber alle an Bord?“, fragten sich die Passagiere. Gegen 13 Uhr sind etliche Passagiere, darunter auch die beiden Plauer mit einem Shuttlebus in die riesige Metropole gefahren. „Wahnsinn dieser Anblick... eine lebenslustige, vielschichtige und kulturelle Stadt, aber dennoch ganz anders an diesem Tag. Überall waren die Fahnen auf Halbmast. An den Bussen waren schwarze Trauerschleifen angebracht. Wir wollten eigentlich das Hard Rock Café besuchen. Während auf dem Schiff zusätzliche Programme stattfanden, erkundeten wir auf eigene Faust die Stadt. Schon beim Verlassen des Schiffes passierten wir Polizisten mit Maschinenpistolen. Ganz geheuer war uns das alles nicht. An Bord sagte uns die Security noch, dass wir unbedingt unseren Pass mitnehmen sollen, aber keine Rucksäcke“, erzählt Christin Roesch und mit einem „komischen und beklemmendem Gefühl“ fuhren sie in das Zentrum.

Am Hard Rock Café angekommen, sahen sie, dass genau gegenüber der Ort des grausamen Geschehens vom Vortag war. „Eine riesige Menschenmasse stand im Kreis. Überall liefen Pressevertreter und Kameraleute umher. Wir beschlossen auch eine Schweigeminute für die Opfer einzulegen. Unbeschreiblich diese Situation. Es ist mitten in der Stadt und doch so ruhig an diesem Ort. Viele umarmten sich und weinten. Kerzen wurden angezündet. Zettel mit Sprüchen und viele, viele Blumen. Überall stehen Polizisten und schwere Fahrzeuge. Wir empfanden nicht nur Trauer, sondern hatten auch Angst. Unvorstellbar, wie schnell sowas passieren kann“, fassten die beiden Plauer das Erlebte zusammen. „Erst auf dem Schiff lockerte sich die Stimmung und es gehen einem so viele Dinge plötzlich durch den Kopf...“


 

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