Gutshaus Zahren : Aus Dornröschenschlaf erwacht

Fleißig wird derzeit am Dachstuhl des Gutshauses gearbeitet. Die Zahrener nennen es seit vielen Jahren das „Schloss“.
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Fleißig wird derzeit am Dachstuhl des Gutshauses gearbeitet. Die Zahrener nennen es seit vielen Jahren das „Schloss“.

Das Gutshaus Zahren – von den Einwohnern „Schloss“ genannt – wird derzeit aufwendig saniert

svz.de von
24. Juni 2016, 21:00 Uhr

Nähert man sich dem Dorfeingang von Zahren ist man versucht an Christo, den Verpackungskünstler zu denken. Umrahmt von  Bäumen  erhebt sich ein weißes Gebilde. Wer den Ort kennt, erahnt dass unter der  weißen  Verhüllung, das Gutshaus steht. Von den Einwohnern seit eh und je das „Schloss“ genannt. In den Akten vermerkt ist, dass eine Bewirtschaftung als Gut bereits ab 1751 erfolgte. Zahren war ab 1818 Domäne des Großherzoglichen Hausgutes,  ab 1919 Staatsdomäne. Die erste Bebauung mit einem sogenannten Pächterhaus erfolgte vermutlich  zwischen 1837 bis 1850. Ein Foto  zeigen Haus und Vorgarten aus dem Jahre 1875.  Die Ansicht des Gutshauses wurde durch die  Dachsanierung  in den 50er Jahren  verändert. Doch dieser  Bauzustand  wird nicht so bleiben.

Rückblick: Bis 1945  lebte der Domänenpächter Steinkopff mit seiner Familie in dem Gutshaus. Die Familie hatte zwei Kinder, die eine landwirtschaftliche  Ausbildung absolvierten. Nach dem Ende des  Krieges – 1945 – ging die Ära der Gutsbesitzer zu ende. Die sowjetische Militärverwaltung übernahm für kurze Zeit die Verwaltung des Gutes. Doch der Krieg hatte unendlich viel Leid und Schrecken hinterlassen. Tausende Menschen waren auf der Flucht. Auch in das Zahrener Gutshaus zogen Flüchtlingsfamilien ein. Es war eine Zeit des Suchen und Findens, einige Familien fanden ihre Angehörigen wieder und  zogen fort. Andere blieben und bauten sich ein neues Leben auf. Stallgebäude wurde zu Wohnungen, „Neusiedlerhäuser“ wurden gebaut. Im Zuge der Bodenreform erhielten die „Neuen“ Ackerland und begannen zu wirtschaften. Im Gutshaus zog neues Leben ein. Die Konsumverkaufsstelle  wurde eingerichtet. Eine DRK-Stube  für Arztsprechstunden entstand,  Kinder und Jugendliche konnten sich zu Jungen Sanitätern ausbilden lassen. Bis zur seiner  Fertigstellung   war  der Kindergarten hier vorübergehend untergebracht worden. 1958, mit der Gründung der LPG,  zogen das Büro und die Küche  in das Haus ein.

Für das kulturelle Leben des Dorfes waren der Saal und die angrenzenden Räume wichtige Begegnungsstätten. Viele Veranstaltungen zeugten von einem regen Dorfleben: Kinovorführungen, Ernte-, Reit-, Fußball- und Kinderfeste, Theateraufführungen, Hochzeiten usw. fanden in diesem Hause statt. 

Unmittelbar nach der  politischen Wende zerbrachen die Strukturen. Das Haus blieb sich selbst überlassen. Der  Zustand des Hauses verfiel zusehends und wurde alsbald zum Verkauf ausgeschrieben. Eine gute Entscheidung. Die Familie von Fuchs war nach der Wende auf der Suche nach einem ländlichen Anwesen. Gefunden haben sie es in Zahren. 1994 unterzeichnete Markus von Fuchs den Kaufvertrag und ist seit dem „Schlossbesitzer“.  Seine Eltern, Manfred und Angelika von Fuchs, zogen ein und bewahrten so das Haus  vor dem Verfall. Inzwischen sind 22 Jahre ins Land gegangen und wie in dem bekannten Märchen,  erwacht es jetzt aus seinem „Dornröschenschlaf“.  Sanierung heißt das Zauberwort.  Wer schon mal saniert hat, der  weiß, alles braucht seine Zeit.  Von der Planung, Finanzierung,  den Genehmigungen, den  Verträgen usw.    bis zum Ziel:  Erstrahlen im neuen  historischen  Antlitz braucht man gute Nerven.  Alle Zahrener freuen sich und wünschen viel Erfolg. 

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