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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

19. November 2017 | 13:34 Uhr

Wangelin : Aufregung im „Jenseits der Stille“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Die Musikreihe in Wangelin holte dieses Mal „Ultramarine“ auf die Gartenbühne. Improvisierte Musik gehört zu den Musikern

„Ich sehe einige Gesichter, die mir unbekannt sind“, sagt Warnfried Altmann in seiner Ansprache vor dem Publikum. Der Saxophonist organisiert die Konzertreihe „Jenseits der Stille“ im Wangeliner Garten und kennt sein Publikum zu einem guten Teil. Es mag nicht allzu übertrieben sein, sogar von einer Wangeliner Fangemeinde zu sprechen. Was nun ist an diesem Jenseits der Stille anders?

Andere Musik, andere Gesichter. Die Gruppe Ultramarine, international zusammengesetzt – zwei Solisten (Uliana Horbachevska und Mark Tokar) stammen aus der Ukraine, je einer kommt aus Litauen (Petras Vysniauskas) und aus Deutschland (Klaus Kugel) – nimmt Elemente von Folklore, Modern Creative Jazz und der sogenannten „Neuen Musik“ auf und gewinnt dem Mix eine ganz eigene, aufregende musikalische Sprache ab. Ultramarine lässt sich nicht unter dem Etikett „Weltmusik“ einordnen, ihre Musik ist weitaus weniger konsumerabel, sie ist progressiv und fordert dem Publikum durchaus einiges ab. Daher sind andere Gesichter zu sehen und leider auch weniger, als bei manch anderem Wangeliner Konzert.

„Wir improvisieren vom ersten bis zum letzten Augenblick“, sagt Sängerin Horbachevska im Gespräch nach dem Konzert. Dies fördert den Charakter des Dialogs, eines Dramas also, dem zu folgen für den Zuhörer einzigartig spannend sein kann, sind sie bereit, bestimmte Hörgewohnheiten einmal beiseite zu lassen – und bereit, sich auch von ekstatisch ausagierter Klangfülle und absoluter Virtuosität einhüllen zu lassen. Zwar gibt es sehr leise, tastende Passagen, gerade am Anfang des Ereignisses scheinen die einzelnen Mitwirkenden sich buchstabieren zu wollen. Da streicht Kugel (Drums und Perkussion) mit dem Bogen leis über ein Becken, klingt ein Glöckchen an, sinniert der Kontrabass (Tokar) einen gezogenen Ton lang, dann meldet Horbachevskas Stimme sich und wie fragend das Sopransaxophon des Meisters Vysniauskas. Jeder Ton darf nachklingen. Es beginnt mit der Kunst der Pause.

Es sei der Charakter der Gruppe, dass sie miteinander kämpfen (to struggle), sagt Uliana Horbachevska, gemeint ist auch, dass sie musikalisch an die Grenzen gehen. Denn weit mehr als das meditierende Vortasten prägt ein gewaltiges Crescendo – das in Worten nur angedeutet werden kann – das Konzert. Immer wieder erklimmt das Zusammenspiel Steigerungen, setzt einer der Mitspieler auf das erreichte Niveau noch eine Eskalation drauf. „Es muss toll sein, so spielen zu können“, sagt einer der Zuhörer in der Pause. Hanno Hellwig und Ehefrau Gisela Kruse aus Kassel fühlten sich von der Konzertankündigung im Netz sofort angesprochen. Jetzt sind sie beeindruckt von der „Kommunikation“ der improvisierenden Künstler. „Laut“, sagt Hanno Hellwig, sei es auch. Vor allem aber sei die Musik „emotional“.

Und Uliana Horbachevska, die sich singend von der Folklore ihrer Heimat Ukraine inspirieren lässt, von Wiegen-, Hochzeits-, Frühlings- und Liebesliedern, stellt am Ende des Konzerts – mit Zugabe – überhaupt nicht erschöpft fest, es habe ihr Spaß gemacht: „... a very good energy between us and the public.“ Für den nächsten Tag schon steht ein Konzert in Magdeburg auf dem Plan.

Monika Maria Degner


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