Sternberger Seenland : Auf Otter-Spuren in Naturpark

Eine eher seltene Aufnahme, denn Fischotter sind eigentlich nachtaktiv.
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Eine eher seltene Aufnahme, denn Fischotter sind eigentlich nachtaktiv.

Achtes Monitoring der besten Schwimmer unter den Landraubtieren erbringt Nachweise von geschätzten ca. 100 Tieren

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09. April 2015, 12:00 Uhr

Einen Fischotter tagsüber zu Gesicht zu bekommen, ist eine Rarität. Es sind Nachttiere, „40 Kilometer in einer Nacht schafft so ein Männchen“, erläutert Francis Breitenreiter. Die Rangerin im Naturpark Sternberger Seenland ist zusammen mit ihrer Kollegin Birgit Erlebach fürs Otter-Monitoring zuständig. Die in Goldberg wohnende Erlebach war bereits vor ihrem Wechsel nach Warin im Jahr 2010 im angrenzenden Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide u.a. die „Otter-Frau“.

Die Rangerinnen haben im 540 km² großen Naturpark Sternberger Seenland, der bis nach Neukloster und an die Schweriner Außengrenze reicht, die aktuelle Otter-Erfassung beendet. Es war die achte in Folge. „Wir haben ca. 100 Otter-Nachweise gefunden, damit ist der Bestand gleich geblieben. Das ist eine Schätzung. Bei den Nachweisen handelt es sich um Fress- und Markierungsplätze, Losung und die markanten Trittsiegel“, betont Breitenreiter, die ergänzt: „Durch die Schwimmhäute zwischen den Zehen ist der Abdruck nicht zu verkennen.“ Exakte Otterzahlen sind nur mit DNA-Proben möglich, doch das ist kostspielig. Breitenreiter: „Im Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide wurde es mal gemacht. Heraus kamen ca. 20 Tiere.“


Bioindikatoren für saubere Gewässer


In Warin z. B. sei der Glammsee ein Otter-Revier und der Große Wariner See ergibt vielleicht zwei bis drei Reviere. Viele Otter-Nachweise gab es am Sternberger und Luckower See sowie am Woseriner See oder bei Neukloster, Pinnow, Augustenhof und Gädebehn. Eigentlich komme er in allen großen Fließgewässern wie Warnow und Mildenitz mit den angrenzenden Seen vor.

Der Fischotter (Lutra lutra) – ein an das Wasserleben angepasster Marder, der zu den besten Schwimmern unter den Landraubtieren gehört – ist wie gesagt nachtaktiv. Dass sich ein solches Tier am Tag unter einem Auto in der Wariner Grabenstraße versteckt, wie Anfang 2015 geschehen, war auch für die Rangerinnen etwas Besonders. „Wir haben den Otter nach Hinweisen eingefangen und in den Mühlenbach gesetzt. Er tauchte unter, kam wieder hoch mit einem Fisch im Maul. Wir haben ihn noch einige Zeit verfolgen können“, erzählt Breitenreiter.

Bis in die 60er-Jahre hinein wurde der Europäische Fischotter gejagt. Noch heute stehe er im Jagdgesetz drin, aber als nicht jagdbares Wild. Otter gelten als Bioindikatoren für Seen, die sauber sind und wo es viele Fische gibt. Mit dem ebenfalls geschützten Biber kommt der Lutra lutra gut aus. Breitenreiter: „Otter kriegen durchaus Unterschlupf in Biberburgen. Als ,Dank‘ vertreiben sie Ratten, die sich an den Biber-Jungen vergreifen.“

„Biber und auch Fischotter haben Angst, unter Brücken hindurch zu schwimmen. Die Vibration des Straßenverkehrs überträgt sich im Wasser dreimal stärker als an Land“, so der Wariner Naturparkranger Mario Krüger. Darum begeben sich die Tiere vor einer Brücke an Land, um dahinter wieder im Wasser abzutauchen. Krüger: „Beim Bau neuer Brücken muss darum seit einiger Zeit ein Stück Ufer unterhalb der Brücke mit berücksichtigt werden, der so genannte Otterpass.“ Den Otterpass am Serrahnsbach-Radweg in Sternberg bezeichnet freilich selbst Francis Breitenreiter als „ein bisschen unsinnig“. So lange jedenfalls, bis die daneben befindliche alte Brücke an der L 141 zwischen Sternberg - Groß Raden - Bützow nicht erneuert wird und damit auch einen Otterpass bekommen muss.

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