Blindenführhund aus Neukloster : „Auf Kesco war immer Verlass“

An der dänischen Nordseeküste: Mit Kesco an seiner Seite bereiste Bernd Fritsche skandinavische Länder.
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An der dänischen Nordseeküste: Mit Kesco an seiner Seite bereiste Bernd Fritsche skandinavische Länder.

Letzter Teil der SVZ-Serie „Auf den Hund gekommen“: Der Neuklosteraner Bernd Fritsche hielt für zehn Jahre einen Blindenführhund

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06. Januar 2018, 16:00 Uhr

Für einen vierbeinigen Helfer kämpfte Bernd Fritsche aus Neukloster fünf lange Jahre. Kurz nach seiner Erblindung im Jahr 2001 sagte ihm sein Augenarzt einen Blindenführhund zu, doch seitens der Krankenkasse wurden dem 57-Jährigen jahrelang Steine in den Weg gelegt.

Bernd Fritsche ging vor das Sozialgericht, allerdings brachte das für’s Erste auch nicht viel. „Die Krankenkasse sah einen Blindenführhund nicht für notwendig. Sie meinten, ich könne mich auch mit einem Langstock zurechtfinden“, erzählt Fritsche. Als er damals den Klageweg ging, folgten etliche Gutachten und Prüfungen. Leute kamen zu ihm nach Hause und beobachteten ihn, wie er ohne Hund seinen Alltag meisterte. Alles vergeblich: Zu einem Hund und damit zu mehr Unabhängigkeit kam der gelernte Seiler trotzdem nicht.

Fernsehauftritt bei „Ein Fall für Escher“

Dann ging er zum Fernsehen. Bernd Fritsche wandte sich an die Ratgeber-Sendung „Ein Fall für Escher“, die im Mitteldeutschen Rundfunk lief. Prompt luden ihn die Mitarbeiter von Moderator Peter Escher nach Leipzig in die Sendung ein. „Die Redaktion vermittelte mir einen Fachanwalt für Soziales. Mit dessen Hilfe bekam ich die Erstgenehmigung für einen Blindenführhund“, fasst Bernd Fritsche die damaligen Ereignisse zusammen. Im Jahr 2006 klappte es endlich mit einem Hund. Mit Labrador Kesco bekam Bernd Fritsche quasi ein Stück Freiheit zurück.

Fern von fremder Hilfe eines anderen Menschen konnte der gesellige Mecklenburger von nun an überall gefahrlos hingehen. „Für die einfachsten und kleinsten Wege braucht man sonst immer menschliche Unterstützung. Mit Kesco konnte ich mich dann selbstständig bewegen“, so Bernd Fritsche.

Bis zur letzen Minute war Kesco im Dienst

Rund um die Uhr war der Vierbeiner für seinen Halter im Einsatz. „Auf Kesco war immer Verlass“, erinnert sich Fritsche im liebevollen Tonfall. Zehn Jahre diente der Rüde seinem Halter und wurde so zum Familienhund – „immer wenn er sein Geschirr nicht um hatte“. Bernd Fritsche bedauert es sehr, dass Kesco im April 2017 starb. Bis zur letzten Minute sei er im Dienst gewesen, entsinnt sich der Neuklosteraner.

Als junger Hund wurde Kesco zum tierischen Assistenten ausgebildet. Mehr als dreißig Kommandos muss ein Hund für seinen späteren Einsatz als Blindenhund büffeln. Am Ende von Kescos Ausbildung fuhr Bernd Fritsche für eine zweiwöchige Einarbeitung nach Berlin. Inmitten des Großstadt-Dschungels trainierte der Blinde mit seinem künftigen Begleiter die Zusammenarbeit. Erfolgreich meisterte das Gespann die Abschlussprüfung.

Zurück in Neukloster wurde Kesco zum „Lieblingshund“ der Kleinstädter. Denn Bernd Fritsche machte eine Erfahrung, die auch andere Halter kennen. „Durch Kesco bekam ich viel sozialen Kontakt. Er war beliebt in der Stadt“, so Fritsche. Dann erinnert er sich an die vielen, schönen Urlaube an der Seite von Kesco. Oft ging es nach Skandinavien wie an die dänische Küste. Der Labrador liebte das Baden, erzählt Bernd Fritsche mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht. Einmal schwammen sie zusammen in der Ostsee. „Auch im Wasser hat Kesco mich geführt. Mit seiner Schnauze hielt er mich am Unterarm fest“, sagt er.

Seit Kescos Tod sei Bernd Fritsche wieder auf viel fremde Hilfe angewiesen. „Ich hoffe, dass ich dieses Jahr einen neuen Hund bekomme“, blickt er in die Zukunft.

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