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Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag im Interview : Auf ein Wasser mit Gregor Gysi

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Ob Rostock, Neubrandenburg, Sellin, Wismar, Boltenhagen oder eben Parchim - überall ist Gregor Gysi mit Bürgern ins Gespräch gekommen. Vor der Podiumsdiskussion im Landestheater beantwortete er uns einige Fragen.

svz.de von
erstellt am 05.Aug.2013 | 10:28 Uhr

Parchim | Bei seiner Ostsee-Bäder-Tour durch Mecklenburg-Vorpommern ist er nicht nur weit rumgekommen, sondern lernt vor allem auch Menschen aus ganz Deutschland kennen, und genau das sei das Besondere an dieser Rundreise durch das nördliche Bundesland, sagt Gregor Gysi, Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag. Ob Rostock, Neubrandenburg, Sellin, Wismar, Boltenhagen oder eben Parchim - überall ist der Linkspolitiker mit dem ein oder anderen Bürger ins Gespräch gekommen. So auch in der Kreisstadt. Doch bevor es an die Podiumsdiskussion im Mecklenburgischen Landestheater Parchim gekommen ist, hat Gregor Gysi SVZ-Redakteurin Sabrina Panknin einige Fragen beantwortet.

Sie sind auf Ihrer Ostsee-Bäder-Tour weit rumgekommen. Was gefällt Ihnen besonders an Mecklenburg-Vorpommern?

Gregor Gysi: Ich weiß, dass immer alle sagen die Landschaft, die ist auch wirklich schön. Aber ich würde noch drei Punkte hinzufügen. Erstens mag ich unheimlich gern das Meer und die Strände, übrigens sind die schöner als die Strände in Südeuropa. Zweitens mag ich das andere Zeitgefühl in Mecklenburg-Vorpommern, das ist mit dem Berliner überhaupt nicht zu vergleichen und für mich schön erholend. Drittens mag ich es, dass ich hier manchmal einen Kilometer lang fahre und ich keinen Menschen sehe, während in Berlin immer Gewimmel herrscht. Das sind die Sachen, die mir am besten gefallen.

Wir sitzen hier unweit vom Theater. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es seit einiger Zeit immer wieder eine heftige Diskussion um die Theater im Land. Wie stehen Sie dazu?

Der letzte Zweck von Politik muss ein Mehr an Kultur sein. Die Zuschüsse für die Theater sind seit 18 Jahren festgesetzt und bisher nie erhöht worden. Das ist indiskutabel. Wenn ich einen Zeitraum von 18 Jahren nehme, dann ist das Geld ja nur noch die Hälfte wert. Wie ist denn damit Qualität zu erzeugen. In Schwerin gibt es ein A-Orchester. Was macht es einen Sinn, wenn wir in der Landeshauptstadt daraus ein B-Orchester machen? Also die Qualität einbüßen. Die Zuschüsse müssen sich ändern. Das Parchimer Theater habe ich mir noch nicht angesehen, beim Rostocker aber ist völlig klar, wir brauchen ein neues Theater. Und das werde ich nach der Bundestagswahl dem dann wieder oder neu gewählten Staatsminister oder Ministerin für Kultur auch sagen. Wenn der Bund eine Anschubfinanzierung macht, die Kosten sollen sich auf etwa 60 Millionen Euro belaufen, dann muss das Land doch auch nachziehen.

Wie wichtig ist Kultur in einem Flächenland wie MV?

Wir brauchen Chancengleichheit für die Kinder. Das erste ist die Bildungsstruktur, wir haben 16 verschiedene Schulsysteme, weil wir 16 Bundesländer haben, das passt in die Zeit der Postkutschen, aber ganz bestimmt nicht ins 21. Jahrhundert. Wir trennen Kinder viel zu früh in der Schule, das ist eine soziale Ausgrenzung. Unsere Aufgabe besteht darin, jede Begabung eines jeden Kindes zu fördern und Kindern zu helfen. Chancengleichheit muss auch für das dritte Kind einer alleinerziehenden Alg-II-Empfängerin bestehen. Natürlich auch für das Kind des Professors. Ich setze mich da für alle ein. Dazu gehört auch das Kulturangebot. Wenn ich sage, ich mache ein zentrales Theater in Mecklenburg-Vorpommern, dann schließe ich Hunderttausende von der Kultur aus. Das geht schon nicht. Wir müssen hier darüber nachdenken, wie wir das jedem Menschen zugänglich machen und es muss bezahlbar bleiben. Zur Rettung der Banken haben wir immer alles Geld und beim Theatern fehlt es uns. Das kann ich nicht akzeptieren.

Mit Blick auf die Bundestagswahl in diesem Jahr - was muss sich in Deutschland zum Beispiel bei der Bildung grundlegend ändern?

Erstmal müssen wir das Kooperationsverbot aufheben und zweitens müssen wir uns zu einem mutigen Schritt entscheiden, ich denke, es muss eine Mitzuständigkeit des Bundes für die Bildungspolitik geben. Leider haben SPD und Union mit der zweidrittel Mehrheit das Kooperationsverbot beschlossen. Nun sagt die SPD, das sei einFehler gewesen und ein Kompromiss und sie hätten dafür etwas bekommen, fragen Sie sie mal, was sie dafür gekriegt haben, das haben sie nämlich alle vergessen. Dem hätte ich nie zugestimmt. Die Länder werden große Schwierigkeiten machen, das betrifft auch meine Linken-Landespolitiker. Denn das ist das einzige, wo wir noch eine Zuständigkeit haben. Deshalb sage ich, müssen wir in anderen Bereichen Zuständigkeiten an die Länder übertragen, wenn wir einen anderen Teil der Kompetenzen an den Bund übertragen. Es kann nicht so bleiben, dass ein Abitur aus Bayern mehr wert ist als aus Mecklenburg-Vorpommern usw. Bildung entscheidet letztendlich über unsere Zukunft.

Warum haben Sie gerade Station in Parchim gemacht, verbindet Sie eine besondere Geschichte mit der Kreisstadt?

Ich war schon zu DDR-Zeiten in Parchim. Es eine besondere zu nennen, würde ich nicht sagen. Ich mache unheimlich gern die Ostsee-Bäder-Tour, weil ich bei dieser Bürger aus ganz Deutschland treffe.

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