Plau : Auf der Straße nach Weihnachten

Kinder, die sangen oder ein Gesicht aufsagten, erhielten vom Nikolaus ein Geschenk.
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Kinder, die sangen oder ein Gesicht aufsagten, erhielten vom Nikolaus ein Geschenk.

Eine kurze Reportage von der Plauer Weihnachtsstraße. Auf der war am Samstag eine wahre Völkerwanderung unterwegs

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17. Dezember 2017, 21:00 Uhr

Eine Straße voller Buden. Ein Riesenrad gibt es hier nicht, dafür eine Art Riesentrampolin mit dem einladenden Namen „Jump and Fun“. Kinder hängen an Gummisträngen und fliegen hoch in die Luft. Von hier hätte ich gute Sicht über die Plauer Weihnachtsstraße, die ich jetzt mitten im Gedränge so was von überhaupt nicht habe, außer der einen, auf die Bühne.

Da regiert der Nikolaus, assistiert von zwei blonden Engeln. Der heilige Mann hat die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, offensichtlich will er nicht erkannt werden. (warum wohl?) Ein Kind nach dem anderen tritt vor dem Weihnachtsmann an, spricht mit heiligem Ernst  ein Gedicht oder singt ein Weihnachtslied. Zur Belohnung gibt es was! Rein in die Menschentraube und wieder raus. Ich will mich auf den Weg in die Weihnachtsstraße machen. Zuerst stoße ich noch auf einen kleinen Pferch mit drei  Miniaturponys darin, die gemütlich ihr Heu mümmeln. Kinder hängen auf dem Gatter, versuchen, die Pferdchen anzulocken. Dann ist es wie immer auf Weihnachtsmärkten: Man weiß nicht, wo man zuerst gucken soll. Da fällt mein Blick auf zwei bekannte Gesichter. Die beiden Plauer „Seemänner“ hocken seitlich, blicken seelenruhig auf das Marktgetriebe und trinken Glühwein.  Jürgen Wienke und Mathias Schaffner haben ihren Auftritt auf der Bühne bereits hinter sich, ebenso wie übrigens Norbert Reier seine Ansprache. Jetzt schlendern der Bürgermeister und seine Frau gut gelaunt über die Weihnachtsstraße. 

Alle Jahre wieder. So pünktlich wie das Christkind ist auch der Plauer Weihnachtsmarkt mit seinem Warenangebot und den spezifischen Stärkungsmitteln. Ich nehme mir stellvertretend für alle einen der Stände vor,  an dem Handgearbeitetes angeboten wird. Angezogen von niedlichen einteiligen Stramplern, die auf die Budenrückwand dekoriert sind, steuere ich auf den Stand von Angela Kemnitz zu. „Sommersprossenbuntes“  heißt ihre „Firma“. „Es ist eher ein Hobby“, sagt die Plauer Inhaberin. Und am kunterbunten Angebot lässt sich das auch ablesen. Da gibt es unter anderem „Wandbilder“, die wie kleine Vitrinen aussehen, umweltfreundliche, hübsche Einkaufsbeutel und weihnachtliches Geschenkedeko mit der Aufschrift: Schön, dass es dich gibt.

Und dann – muss das schon wieder sein – fallen die ersten Tropfen vom Himmel. In einer Toreinfahrt, wo Thüringer Bratwürste angeboten werden, ist mächtig was los. Der Hunger kommt und die Thüringer sind begehrt, aber die Schlange, die sich in der Toreinfahrt ein paarmal um sich selbst gewickelt hat, ist lang. Alternativ gibt es die Gulaschkanone. Sie hält nach alter Sitte Erbsensuppe  bereit. „Hier ist noch ein trockener Platz“, sagt eine Frau auf der Gulaschkanonenbank, als ich meinen Teller in ihre Richtung balanciere. Hier lässt sich friedlich Suppe essen, während der Regen auf die Mütze tropft.

Wer lieber ein Dach über dem Kopf hat, kann die paar Schritte bis zum Heimatmuseum wandern. Dort im Saal sind die Kaffeetafeln schon festlich geschmückt. Ruth Zeller und Christel Ehrke schneiden gerade Stollen auf, brühen Kaffee, während Dieter Ehrke durch die Ausstellung  führt. Nein, sie seien jetzt um achtzig Jahre alt, sagen die Damen. Ihr berühmtes Schmalzgebäck backen sie nicht mehr. An den Küchenschränken in ihrem Rücken sind ein hölzerner Weihnachtsmann und ein ebensolcher Schneemann heraufgeklettert. Die Beschäftigungsgesellschaft BQG „Neptun“, mit der das Museum schon lange zusammenarbeitet, hat ihnen Weihnachtschmuck spendiert und sie freuen sich sehr darüber.

Draußen läuft nun schon seit Stunden das Bühnenprogramm: Gerade singen und spielen Hortkinder: „Fabian, zeig mir mal die Reeperbahn.“ Nicht unbedingt ein Weihnachtshit, aber den Kids macht es Riesenspaß, auf der Bühne zu stehen und außerdem steht noch viel Weihnachtliches auf dem Nachmittagsprogramm…      

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