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22. November 2017 | 14:07 Uhr

Plauer Amateurfunker : Auf der Kurzwelle um die Welt

vom

Als Amateurfunker teilen Karl-Heinz Wilck und Heinz-Wilfried Mansfeld die Liebe zur Kurzwelle. Ihr Hobby wollen sie vor allem der Jugend näher bringen.

svz.de von
erstellt am 28.Aug.2012 | 09:28 Uhr

Plau am See | Wenn die Morsezeichen über den Äther tickern, sich eine Stimme vom anderen Ende der Welt meldet, dann schlägt Heinz-Wilfried Mansfelds Herz höher. Der Plauer ist passionierter Amateurfunker. Auf der Kurzwelle ist er im Kontakt mit der ganzen Welt. Die Direktverbindung ohne Satellit hat es ihm angetan. "Man braucht nur eine Funkstation und eine Antenne. Ein Handy braucht immer eine Infrastruktur. Wir Funker sind autark. Mit zwei Gerätschaften können wir von jedem Ort der Welt aus kommunizieren. Das ist sehr faszinierend", schwärmt der Plauer. Selbst im Urlaub lässt ihn sein Hobby nicht los. "Meine Frau sieht die Landschaft. Ich entdecke jede Antenne", sagt Mansfeld und lacht. Auch als es ihn nach Plau am See zieht, wird Mansfeldt schnell fündig. Die Antennen am Haus von Karl-Heinz Wilck fallen ihm gleich ins Auge. Wenig später lernt er Wilck persönlich kennen - beim Plauer Ortsverband des Deutschen Amateur Radio Clubs (DARC). Hier ist Karl-Heinz Wilck Vorsitzender. Die Leidenschaft für Kurzwellen teilt er mit Heinz-Wilfried Mansfeld. Wilck ist schon seit 1959 im Besitz einer Funklizenz. In faszinierte vor allem eines: Funker haben ihr Ohr am Puls der Welt. Ob Naturkatastrophen oder Hilferufe aus entlegensten Teilen der Erde - "Wir Funker hören, was los ist", sagt Wilck. Mehr noch: Oft genug sind es die Amateurfunker, die gerade bei Notrufen aus wenig erschlossenen Erdteilen schnell reagieren und Hilfe einleiten.

Die Faszination für Funksprüche und Signale von fernen Kontinenten begleitet Heinz-Wilfried Mansfeld schon seit 1970. Im Berufsleben musste sein Hobby zwar etwas zurückstecken. "Aber im Ruhestand flammt das wieder auf", sagt Mansfeld und lacht. "Es ist eben ein Hobby, das einen nicht mehr loslässt. Amateurfunk ist eine Liebe für’s Leben."

Diese Liebe wollen Heinz-Wilfried Mansfeld und seine Funkerkollegen auch bei anderen wecken - vor allem bei jungen Leuten. "Unser Hobby kann nur weiterleben, wenn wir der Jugend eine Chance zum Einstieg geben. Aus der Tradition heraus steht die Nachwuchsförderung bei uns im Mittelpunkt", sagt Mansfeld. Die Plauer Funker engagieren sich deshalb an der Regionalen Schule am Klüschenberg und bieten Nachmittagskurse für Schüler ab der 5. Klasse an. Dabei setzen die Funker auf die Kombination alter und modernster Technik. "Bei den jungen Leuten steht neben dem Funkgerät immer der PC", sagt Heinz-Wilfried Mansfeld. "Sie sind damit groß geworden. Und wenn sie das in ihrem Hobby wiederfinden, macht es die Sache für sie gleich interessanter." Der PC erleichtert viele Arbeitsschritte, zeigt aktive Funkstationen an und lokalisiert diese auf der ganze Welt. Kartensichtung wird so überflüssig. Bei den Jugendlichen kommt das an. Wie sie ihre Funksprüche auf Weltreise schicken, das zeigen ihnen die Profis. Mitbringen müssen sie nur eines: das Interesse an Technik. Schritt für Schritt lernen sie an der Clubstation der Plauer Funker, wie sie Verbindungen im Kurzwellenbereich aufbauen. Um selbst einmal ein eigenes Rufzeichen zu erhalten, ist eine staatliche Prüfung Pflicht. Die wird von der Bundesnetzagentur abgenommen. Dafür nehmen junge Funker große Wege auf sich. Bis nach Dresden oder Bremen müssen sie reisen, um die Prüfung abzulegen. Durch sie wird aus einem Funk-Azubi ein "old man" oder eine "young lady" - so nennt man zertifizierte Funkamateure. Genauso wichtig, wie die bestandenen Prüfung ist Engagement. Schließlich wünschen sich die Plauer Funker langjährige Mitglieder für ihren derzeit 30 Mitglieder zählenden Verband. "Das Elternhaus ist maßgeblich mit dafür verantwortlich, dass die Jugendlichen bei der Stange bleiben", sagt Heinz-Wilfried Mansfeld.

Dem Funker-Hobby haftet ein verstaubtes Image an - zu unrecht, wie Heinz-Wilfried Mansfeld betont. "Wir hocken nicht nur im stillen Kämmerlein", sagt er. Im Gegenteil: Bei sogenannten Fielddays ziehen die Funker mitsamt ihrer Ausrüstung in die Natur, um von hier aus ihre Signale in die Welt zu schicken. Oder sie stechen in See. Das planen die Plauer Amateurfunker auch für den 2. September. Dann geht es mit der "Loreley" auf den Plauer See. "Wir machen die Loreley zum Funkschiff", sagt Karl-Heinz Wilck und lacht. Funksprüche von ungewöhnlichen Orten abzusetzen, das macht das Hobby für ihn und seine Mitstreiter erst richtig interessant. Auch für Heinz Wilfried Mansfeld liegt der Reiz des Kurzwellritts in den nahezu unbegrenzten Möglichkeiten begründet. Davon will er auch den Nachwuchs überzeugen. Im Zeitalter von Smartphones und Laptops will er das Funken wieder populär machen. "Wenn ich im Kurzwellenbereich irgendein Signal abgebe, dann wird es irgendwo auf der Welt auch gehört", sagt er. Wer den Funkspruch empfängt, das sei meist nicht vorhersehbar. Sicher aber ist: Der Reiz des Zufalls würzt die Leidenschaft für’s Funken. Und der Empfänger teilt diese Liebe.

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