Lutherjahr : Auf den Spuren des Reformators

Justin, Marit, Quirin, Jana, Julius und Thalia haben sich etwas ganz Besonderes ausgedacht. Unterstützt von Lehrerin und Betreuerin nähten sie sich ihre eigenen mittelalterlichen Outfits.  Fotos: Simone Herbst
1 von 2
Justin, Marit, Quirin, Jana, Julius und Thalia haben sich etwas ganz Besonderes ausgedacht. Unterstützt von Lehrerin und Betreuerin nähten sie sich ihre eigenen mittelalterlichen Outfits. Fotos: Simone Herbst

500 Jahre Reformation - Martin Luther: Dobbertins Fontane-Schüler bereiten in einer Projektwoche ihren Aktionstag für den 8. Juni vor

von
02. Mai 2017, 21:00 Uhr

So ein klein wenig wie Martin Luther sein. Die Idee fanden die Mädchen und Jungen der „Theodor Fontane Schule“, der Förderschule im Diakoniewerk Kloster Dobbertin, spannend. Und so nagelten sie wie der mittelalterliche Mönch es am 31. Oktober 1517 tat, nun ebenfalls ihre 95 Thesen an die Kirchentür. Nun gut, es waren keine 95 Thesen, sondern sechs Wünsche der Schüler. Es war auch nicht die Tür der Kirche zu Wittenberg, sondern die zum Büro der Schulleiterin. Und es wurde nicht genagelt, sondern geklebt. Aber das ist auch ganz egal. Die Idee war es, die zählte. Die kam bei den Pädagogen, Betreuern und Therapeuten um Schulleiterin Svea Krause nicht nur super an. Sie kam auch nicht von ungefähr.

Die Schule, die nach dem „Leitbild Diakonie“ der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland ausgerichtet ist, beteiligt sich gemeinsam mit vier weiteren evangelischen Schulen aus der Region mit einem Aktionstag am gedenkenden Lutherjahr. Stattfinden wird er am 8. Juni auf dem Klostergelände in Dobbertin. Mit „500 Jahre Reformation - Martin Luther“ steht das Thema. „Und es ist sehr schwer“, weiß Svea Krause. Wer war Martin Luther? Was tat er, das ihn so berühmt werden ließ. Und was war das eigentlich für eine Zeit, in der er lebte? Viele Fragen, die die Mädchen und Jungen in Vorbereitung auf ihren Luthergedenktag zu klären hatten. Zu schwer? Nein, die Einrichtung, die Herausforderungen gern als hilfreiches Mittel nutzt, um ihre Schüler zu hohen Leistungen zu motivieren, packte sämtliche Recherche und Vorbereitungen kurzerhand in eine Projektwoche. Und so hatten alle Klassen die Möglichkeit, sich dem deutschen Reformator auf ganz eigene Weise zu nähern. Fegefeuer, 95 Thesen, Ablasshandel… an solchen Themen war kein Vorbeikommen. „Die Kinder wissen jetzt, dass Martin Luther gegen den Handel mit Ablassbriefen war“, ist Svea Krause begeistert. Für Sie: Man zahlte Geld, zum Beispiel an den Ablassprediger Tetzel, und wurde damit von seinen Sünden freigesprochen. Die Gläubigen wollten sich so die Höllenstrafen im Jenseits verkürzen oder ersparen. Martin Luther war gegen Ablass, gegen die von der Kirche geschürte Angst vor dem Fegefeuer und veröffentlichte am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen die Missstände in der katholischen Kirche.

„Nur Luthers Wirken in der Kirche zu behandeln, wäre sicher zu schwer, wahrscheinlich auch zu langweilig für unsere Kinder“, sagt Svea Krause. „Genau deshalb sind wir auch ganz praktisch an das Thema rangegangen. Stimmt’s?“, lockt Lehrerin Dagmar Stubbe nun ihre Schüler aus der Reserve. „Wir haben jeden Tag ein Stück von einer Luther-Geschichte gehört, der Radiopastor vom NDR war da und hat uns interviewt und so zwei Kämpfer. Die hatten Schwerter, Lanzen, Schilde und Kettenhemden. 25 Kilo sind die schwer. Cool“, macht Julius den Anfang. „Aus alten Gardinen und Stoffresten haben wir Sachen genäht, wie sie die Mädchen und Jungen im Mittelalter an hatten“, erzählt Jana. Haube, Rock, Bluse, Hemd, sogar Haarband und Geldkatze fehlen nicht. Stolz führen sie und ihre Mitschüler ihre Nähkünste vor. „Auf unsere Hemden kommen noch Wappen, die wir uns selbst ausgedacht haben“, ist Justin stolz. „Ach ja, und wir haben Brezel und Fladenbrot gebacken. Das haben die damals gegessen und das schmeckt eigentlich auch richtig gut.“ Marit, schon fast eins mit ihrer mittelalterlichen Robe, die sie auch am 8. Juni tragen wird, fragt mit einem stolzen Lächeln: „Wissen Sie, wann es die erste Jeans gab, wann den ersten Fernseher und wann das Wasserklosett erfunden wurde? Da an unserem Zeitstrahl können Sie es ablesen. Der geht 500 Jahre zurück, bis zu Martin Luther. Da gab’s Kriege, vor allem aber ganz viele tolle Erfindungen.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen