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23. Oktober 2017 | 08:30 Uhr

Frauenmark : Auch Karpfen lieben Quellwasser

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Festtagsbraten in Bimes-Teichen tausendfach herangewachsen / Naturnahe Aufzucht der Schuppentiere / Schnäpel erobern den Markt

von
erstellt am 26.Okt.2015 | 07:45 Uhr

Auch wenn bis zu den Festtagen noch rund zwei Monate Zeit bleiben, dreht sich bei Fischer Guido Thies, der vor mehr als 23 Jahren das 1953 gegründete Fischereiunternehmen Bimes in private Hände übernommen hat, längst wieder alles um den wohl beliebtesten Festtagsschmaus der Mecklenburger. Rund 10 000 Karpfen bringt Thies, der die Familientradition als Fischer bereits in der elften Generation fortführt, zu den Festtagen auf die Teller seiner Kunden, die in ganz Westmecklenburg zu Hause sind. Und nicht wenige Fischliebhaber wollen nicht so lange warten und gönnen sich schon jetzt einen prächtigen Spiegelkarpfen als Sonntagsmahl.

Im Herbst müssen die Karpfen erst einmal umziehen. Nachdem sie in den zur Bimes gehörenden Teichen Gröningsgarten nahe Wismar drei Sommer zugebracht haben, geht es für die schlachtreifen Schuppentiere in die Hälterteiche. Auch in Frauenmark finden die Spiegelkarpfen Ruhe und vor allem edles Quellwasser. Die Teichanlage wurde einst von Mönchen angelegt, die schon damals die rund 1000 natürlichen Zuflüsse für die Fischzucht schätzten. „Unsere Spiegelkarpfen zeichnen sich durch festes Fleisch aus und sind zur Freude vieler Kunden auch nicht fett“, versichert Guido Thies. Schließlich werden alle naturnah aufgezogen und auch nicht zusätzlich gefüttert. „Qualität spielt bei der Kaufentscheidung eine wichtige Rolle“, ist sich der Experte sicher. Auch deshalb wird die Direktvermarktung favorisiert. So wie in Wismar-Gröningsgarten werden die Karpfen vor allem kurz vor den Festtagen auch in Frauenmark direkt am Wasser verkauft. Da gibt es den Tipp des Fischers für die Zubereitung natürlich gratis dazu. Weitere Verkaufspunkte gibt es dann auch in Godern, Dümmer und Leezen.


Was der Bauern nicht kennt, dass isst er nicht


Bei Großfamilie Thies kommt am Weihnachtsfeiertag wie seit Urzeiten ein Spiegelkarpfen von mehr als zehn Kilogramm – vom Chef persönlich zubereitet – auf den Tisch. Seit einiger Zeit schlägt sein Fischerherz aber auch für Schuppentiere, die sich mit dem Bekanntheitsgrad der Karpfen noch nicht messen können. Es handelt sich um den Ostseeschnäpel, der auch als Steinlachs bezeichnet wird und der, wie die Große Maräne, Renke oder das Felchen, zu den Großmaränen gehört. Kenner schätzen ihn schon lange als hervorragender Speisefisch. Die größten Exemplare werden bis zu 70 Zentimeter lang und wiegen fünf Kilogramm. In den zwanziger und dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts avancierte der Ostseeschnäpel (Coregonus lavaretus balticus) – auch Wandermaräne genannt – vor allem unter dem Namen Steinlachs zum Modefisch bis in französischen Gourmetrestaurants. In der Pommerschen Bucht, im Stettiner Haff und im Achterwasser vor Usedom zogen die Fischer in den Jahren vor 1970 in ihren Netzen bis zu 40 Tonnen an Land. Danach geriet dieser Fisch fast in Vergessenheit.

Mit Unterstützung des Landes und der EU gelang es im Binnenland, so auch in den Frauenmarker Teichen, den Schnäpel in großem Umfang nachzuzüchten. „Wer einmal Schnäpel gegessen hat, will immer mehr davon. Doch das muss sich erst rumsprechen. Was der Bauer nicht kennt, dass isst er nicht“, meint Guido Thies und wirbt bei jeder Gelegenheit. Erst kürzlich sorgte der bodenständige Mecklenburger für eine Weltsensation. In Frauenmark ist es ihm erstmals gelungen goldig schimmernde Schnäpel tausendfach zu züchten. Die Vermarktung dieser Fischrarität hat in Frauenmark rechtzeitig vor den Festtagen begonnen.  

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