zur Navigation springen
Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

18. Oktober 2017 | 04:15 Uhr

Kommunalpolitik : Auch Gehlsbach lehnt Windkraft ab

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Gemeindevertreter votieren einstimmig für negative Stellungnahme / Kommune teilt sich Kosten für ergänzendes Gutachten mit Kreien

von
erstellt am 25.Aug.2017 | 21:00 Uhr

Nach den Kreienern haben auch die  Gemeindevertreter in Gehlsbach einstimmig für eine Stellungnahme votiert, mit der sich die Kommune gegen den geplanten Bau von 14 Windrädern zwischen Wilsen im Südwesten, Kreien im Norden sowie Vietlübbe und Hof Karbow im Nordosten ausspricht. Anlass für die eigentlich gar nicht geplante Sitzung war, dass die Stellungnahme bis zum 29. August beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (kurz StALU) in Schwerin vorliegen muss. Es entscheidet über die Genehmigung des Bauantrages.

„Das Ganze muss mehr Gewicht haben. In Protokollen darf nicht nur ,Wir wollen das nicht’ oder so etwas stehen“, sagt Bürgermeisterin Hanni Stolper. Hinzugezogen habe man deshalb unter anderem Michael Kretzschmar von der Fachgruppe Fledermausschutz im Naturschutzbund Deutschland (NABU). Auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigte er, dass es wegen der durch den Menschen verursachten landschaftlichen Veränderungen allgemein immer weniger der gesetzlich geschützten Tiere gebe. Die aus genanntem Anlass vorgenommenen Untersuchungen hätten allerdings  gezeigt, dass die Gemeinde Gehlsbach ein sehr guter Lebensraum für Fledermäuse sei. Beispielsweise wirbelten zahllose Tiere auch nach der Sitzung am Dienstagabend um das Gemeindehaus in Karbow durch die Luft. 

Kretzschmar und seine Mitstreiter – alle ehrenamtlich im Dienst – stellten bei ihren Untersuchungen stationäre Detektoren auf, die messen, von wo Ultraschall ausgeht. Im Raum Gehlsbach wurden 17 Fledermausarten nachgewiesen, von denen nur zehn üblich seien. Der genaue Nachweis sei schwierig zu erbringen und erfordere viel Ausdauer.

Investor ist die UKA („Umweltgerechte Kraftanlagen GmbH & Co. KG“), die nach eigener Aussage als „Vollentwickler“ seit  1999 bundesweit „umweltgerechte Kraftanlagen, Windenergieparks, Umspannwerke und Bürgerwindanlagen“ realisiert. Bei einem Gespräch mit Einwohnern hatte ein Projektentwickler geäußert, dass Windenergie und Tourismus möglich sind und sich nicht ausschließen.  Hanni Stolper zufolge sind jedoch weder die hiesigen Gemeindevertreter noch die Mehrheit der Bewohner dieser Meinung, was auf mehreren sehr gut besuchten Versammlungen deutlich zum Ausdruck gekommen sei.

Ergebnisse des von der Bundesregierung im Jahr 2011 in Auftrag gegebenen Gutachtens zum Thema Infraschall bezüglich seiner Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit liege immer noch nicht vor. Schon deshalb wäre eine Zustimmung zu dem Vorhaben unverantwortlich. Zudem wolle man die in der jetzt zum StALU geschickten Erkenntnisse ebenfalls noch vor dem 29. August mit wissenschaftlichen Erkenntnissen untersetzen. Die Kosten für ein entsprechendes, schon in Auftrag gegebenes Gutachten teile man sich mit der Gemeinde Kreien (jede Seite muss rund 1800 Euro bezahlen): „Wir marschieren in dieser Sache schon seit Jahren gemeinsam.“ Ziel ist, die zur Verfügung stehende Fläche durch Einschränkungen so zu verkleinern, dass der Bau der Windenergieanlagen unmöglich wird.

Weitere entscheidende Kriterien sind der durch die Anlagen verursachte Lärm und der Schlagschatten. Bei erstgenanntem blieben die Werte an zehn Berechnungspunkten unter den zulässigen, berichtete Norbert Timm, Leiter des Amtes für Stadt- und Gemeindeentwicklung beim Amt Eldenburg Lübz. Übermäßig hingegen wären Hof Karbow und Wilsen von Schlagschatten betroffen. Er entsteht, wenn die sich drehenden Rotoren der Windenergieanlagen Sonnenstrahlen kreuzen und ihn dadurch unterbrechen. Weil dies als Belästigung anerkannt wird, ist Schlagschatten pro Tag für  30 Minuten  und an höchstens 30 Tagen im  Jahr gestattet. Man wolle allerdings gar nicht erst in die Lage kommen, sich zu beschweren, sondern den Bau gleich ganz verhindern, äußerte Timm auch  in Karbow.

Weil es in Mecklenburg-Vorpommern momentan kein gültiges Raumentwicklungsprogramm mit entsprechenden Bauvorschriften gebe (das alte hatte das Oberverwaltungsgericht Greifswald im November 2016 gekippt, wir berichteten), bestehe dem Amtsleiter zufolge jetzt die große Gefahr von Wildwuchs auch in bezug auf den Bau von Windrädern: „Momentan kann man praktisch erst einmal für jedes Gebiet einen Antrag stellen.“ Um eine Umsetzung zu verhindern, gelte es, mit guten Argumenten aufzuwarten.

Im Bereich Gehlsbach wurden neben den Fledermäusen unter anderem drei Rotmilanhorste, Lebensräume für die seltene Kornweihe und die Ansiedlung eines Kranichs registriert. Die Erkenntnisse habe man sowohl dem Landkreis als auch dem Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (kurz LUNG) gemeldet. Bereits seit ein paar Wochen stehe alles in der von ihm geführten Artendatenbank, die Lebensräume geschützter Tiere im ganzen Land enthält. Dieser Schritt sei von höchster Wichtigkeit, weil daran kein Planer vorbeikomme. Mit einer Entscheidung über den Bauantrag  rechnet Timm im Oktober.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen