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Mieter kritisieren Urteile über Stadtteil von Lübz : Auch Am Fuchsberg Zusammenhalt

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Der im Volksmund "Alaska" genannte Stadtteil Am Fuchsberg hat nicht das beste Image. Brigitte Drutschmann und ihr Mann Dieter wehren sich gegen die oft pauschale negative Darstellung und beweisen das Gegenteil.

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erstellt am 13.Apr.2012 | 12:35 Uhr

lübz | Der im Volksmund "Alaska" genannte Stadtteil Am Fuchsberg hat nicht das beste Image. Ob dies gerechtfertigt ist oder nicht, sei dahingestellt. Fest steht: Brigitte Drutschmann und ihr Mann Dieter, 75 beziehungsweise knapp 80 Jahre alt, wohnen seit Errichtung der Blöcke Am Fuchsberg. Sie beide und Eileen Junker wehren sich gegen die oft pauschale negative Darstellung und beweisen das Gegenteil. Bei einem Besuch der jungen Frau und ihren Kindern Marie Sophie und Maurice (6) bei den Drutschmanns sitzen alle gemütlich im Wohnzimmer zusammen, um miteinander zu reden. Dieter Drutschmann begeistern besonders die erst rund vier Zentimeter langen Hände von Marie Sophie. Immer wieder streichelt er die winzigen Finger und lächelt das knapp einjährige Mädchen an, was es in gleicher Weise erwidert. An diesem Abend berühren sich damit der älteste und jüngste Bewohner des Aufgangs in Haus Nummer 40.

Seit dem 1. August 2005 wohnt die junge Frau schräg über den Rentnern im vierten Stock. Vorher brachte sie eine kleine Irrfahrt hinter sich. Nach der unsanften Trennung von ihrem Partner in Goldberg folgten zunächst Umzüge nach Mestlin sowie zu ihren Eltern nach Diestelow und dann nach Lübz. "Eine Bekannte meiner Mutter zog hier aus und ich gleich danach ein", erzählt Ei-leen Junker.

Unstimmigkeiten werden offen angesprochen

"Zunächst war es etwas gewöhnungsbedürftig wegen eines lauten Bewohners über mir - ein Party-Mensch. Seit seinem Auszug ist es hier gut." Die Mitmieter seien "in Ordnung", ungewöhnlich große Probleme gebe es nicht. Und wenn doch einmal etwas zu Unstimmigkeiten führe, werde es mit Erfolg persönlich besprochen: "Ich bedauere es nicht, hierher gezogen zu sein."

Laut Brigitte Drutschmann gibt es in ihrem Aufgang zehn Wohnungen, in denen 15 mehr junge als alte Menschen wohnen: "Mein Mann und ich sind die Ältesten. Hier sind mehrere Generationen nah beieinander und es funktioniert gut. Das ist garantiert nicht überall so!" Die 75-Jährige erzählt auch davon, dass das Bild im Nachbaraufgang schon wieder ein ganz anderes sei, was jedoch nichts mit dem Stadtteil zu tun habe. "Wie unser Miteinander beweist, lässt es sich auch Am Fuchsberg noch gut leben, wohnen auch hier noch eine Menge Leute wie überall", sagt sie.

Die Wohnungsverwaltung nenne neuen Mietern in ihrem Aufgang Dieter und Brigitte Drutschmann als Ansprechpartner. Beide seien offen gegenüber Menschen und einschlägige Erfahrungen gibt es auch: Schon zu DDR-Zeiten war Dieter Drutschmann "Hausvertrauensmann". Besonders gefreut habe sich die langjährige Kindergärtnerin erst vor rund zwei Wochen über einen neuen, jungen Mieter, der sich bei ihr nach dem Treppendienst erkundigt habe. "Das fand ich super, mag es auch nur eine Kleinigkeit sein", so die Rentnerin.

Fernwärme lockte 1986 in neu errichtete Wohnblöcke

Das Ehepaar wohnt seit dem 3. Mai 1986 Am Fuchsberg. Vorher seit 1958 in einer Dachgeschosswohnung in der Plauer Chaussee zuhause, lockte vor allem die zur Verfügung stehende, vom Mineralwollewerk gelieferte Fernwärme in die neu errichteten Blöcke. "Unsere alte Wohnung war sehr schön und gemütlich, aber es war kein Ort zum Altwerden", sagt Brigitte Drutschmann. "Nicht nur wegen der Ofenheizung, sondern auch weil nichts isoliert war. Im Sommer haben wir geschwitzt wie sonst kaum jemand, im Winter geschwitzt. Dass alles irgendwann so grundlegend saniert wird, wie es sich jetzt präsentiert, war damals nicht abzusehen. Einen Ofen vermisse ich heute manchmal, aber wir sind beide auch froh darüber, dass die Wohnung nicht mehr so groß ist wie die alte. Mehr Platz macht auch mehr Arbeit."

Sollte sich auf Dauer eine allgemein negative Entwicklung abzeichnen, dürfe dies nicht dazu führen, den Stadtteil sich selbst zu überlassen und Verschlechterungen tatenlos zuzusehen. "Hauptsächlich tun mir die Kinder leid, die jeden Tag nichts anderes als das Gegenteil von Zusammenhalt, familiärer Geborgenheit und Ordnung erleben", sagt Brigitte Drutschmann. "Auch sie können solche Werte als Erwachsene nicht weitergeben. Ihr Weg ist in der Regel vorgezeichnet."

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