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20 Fragen zum Wochenende : Architektin mit grünem Daumen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Zwischen Kräutern und Heilpflanzen nahm sich Beate Neumerkel Zeit für das „SVZ-Kreuzverhör“. Sie leitet den Wangeliner Garten

„Ich war schon als Jugendliche fasziniert von Heilkräutern und Wildpflanzen“, sagt Beate Neumerkel. Seit 2015 ist die Sächsin Gartenchefin in Mecklenburgs größtem Kräutergarten, dem Wangeliner. Seit 1990 schon lebte sie in London und arbeitete dort nach dem Architekturstudium erfolgreich – und „ganz glücklich“ – in der Denkmalpflege. Im Anschluss, nach einer Art „Zwischenaufenthalt“ in Berlin und Abu Dhabi lernt sie durch ihren aus Plau am See stammenden Ehemann das Land der tausend Seen kennen – und den Wangeliner Garten. Beides begeistert sie – und das Schicksal fügt es, dass die Stelle der Gartenleitung just im Mai 2015 frei wird. Neumerkel bewirbt sich. Heute ist sie froh: „Ich hatte den Eindruck, dass mehr zu mir gehört als das in meinem Architektenjob Geforderte.“

Der Wangeliner Gartenleiterin Beate Neumerkel stellte unsere Mitarbeiterin Monika Maria Degner nun die bekannten „20 SVZ-Fragen“ zum Wochenende.


Wo ist Ihr Lieblingsplatz in der Region?
Beate Neumerkel: Im Wangeliner Garten.

Wären Sie Bürgermeisterin, was würden Sie sofort ändern?
Ich denke, es ist sehr schade, dass die Region so abgeschnitten ist. Als Bürgermeisterin könnte ich das wohl kaum ändern, aber mich einsetzen, denn der öffentliche Nahverkehr ist so ungeheuer wichtig. Wäre er besser aufgestellt, könnten viele hier leben und in Hamburg oder Berlin arbeiten. Auch die Verbindung nach außen über das Internet muss schneller und zuverlässiger werden.

Wo kann man Sie in der Region am ehesten antreffen?
Natürlich im Garten, da ich dort arbeite. Aber auch an den Seen, die ich sehr liebe. Häufig bin ich an der Seeluster Bucht. Wenn wir hier fertig sind, gehe ich wieder hin. Im Herbst ist es an der Bucht aber auch faszinierend, da sich Gänse dort sammeln, um fortzufliegen. So lässt sich der Übergang zum Herbst sehr eindrücklich erleben.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Ich glaube, ... als ich vierzehn war, habe ich zum ersten Mal gearbeitet. Wir durften damals zwei oder drei Wochen in den Ferien jobben. Und ich war in einem Motorradwerk in Zschopau und habe was am Band zusammengeschraubt. Übrigens habe ich später in der Essex Road in Nordlondon an einem alten Motorradladen ein Reklameschild mit dem Aufdruck „MZ“ entdeckt. Überraschend. Das war wie ein Stück Heimat.

Und wofür haben Sie es ausgegeben?
Ich weiß es nicht mehr. – Wirklich!

Was würden Sie gerne können?
Ich würde die Menschen gerne dazu bewegen können, dass mehr und zielorientierter zusammen- und nicht gegeneinander gearbeitet wird. Manchmal ist viel Ego im Spiel. In England war die Zusammenarbeit besser, die Engländer haben ein geringeres Problem damit, sich selbst hinten anzustellen. Also, die Zusammenarbeit in diesem Sinne verändern, das würde ich gerne können. Aber manchmal ist es hart.

Was stört Sie an anderen?
Emotionale Trägheit! Verweigerungshaltungen, nicht mitdenken wollen, nicht initiativ werden, keine Verantwortung übernehmen wollen!

Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?
Mmh, ich lache oft und gerne, auch über mich. Das letzte Mal...? Nach Ihrer Frage, was ich gerne können würde.

Was haben Sie zuletzt Unvernünftiges getan?
Ich gehe mit meinem Leben nicht ins Gericht. Dazu ist es mir zu wertvoll. Umwege, durch die man lernt, gehören sowieso zum Leben dazu. Meine Familie denkt sicherlich, es sei „unvernünftig“ gewesen, nach Wangelin zu gehen. Ich denke anders.

Wer ist ihr persönlicher Held?
Meine Helden sind Dorothy und Leonard Elmhirst. Sie wirkten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, waren beteiligt an der reformpädagogischen Bewegung in England. Er war Pfarrerssohn, sie eine amerikanische Erbin. In den 20er-Jahren gründeten sie in einer völlig abgelegenen Gegend in England Dartington Hall, eine neuartige Schule mit Schwerpunkten in Kunst, Handwerk und Landbau. Aus dieser Schule gingen zahlreiche Künstler hervor und sie wurde zu einem bedeutenden Entwicklungsmotor im ländlichen Raum.

Welches Buch lesen Sie gerade?
„Das kleine weiße Pferd“. Es ist ein sehr englisches Buch, das spürt man sogar sprachlich durch die Übersetzung ins Deutsche hindurch. Es ist die Heldengeschichte eines Mädchens.

Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?
Ich sehe eigentlich nicht fern. Aber ich erinnere mich, dass ich auf dem Rückflug von Abu Dhabi nach Berlin häufig Folgen der amerikanischen Serie „House of Cards“ gesehen habe. Dazu fällt mir ein, dass ich mich währenddessen schon sehr auf zu Hause gefreut habe. Die Arbeit war geschafft, darauf war ich stolz und so landete ich schließlich glücklich in Tegel. Die TV-Serie ist für mich eine Art Synonym für diese Vorfreude.

Wo trifft man Sie eher: auf dem Fußballplatz oder bei einer Sportübertragung vor dem Fernseher?
Weder, noch.

Wen würden Sie gerne mal treffen?
Vita Sackville-West, die herrliche Gärten anlegte. Ich hätte sie gerne einmal bei der Gartenarbeit beobachtet. (Anm.: Vita Sackville-West 1892 – 1962, englische Schriftstellerin und Gartengestalterin, Freundin von Virginia Woolf)

Wenn Sie nicht selbst kochen, was kommt dann bei Ihnen auf den Tisch?
Ein sehr einfaches Essen: geräucherter Fisch und frisches Brot. Den Fisch kaufen wir in Plau bei den Müritzfischern. An genau der Stelle fiel mein Mann übrigens mit zwölf Jahren ins Wasser.

Mit welchem Lied verbinden Sie ihre schönste Erinnerung?
Mit „Sugar Man“, einem 70er-Jahre Song von Sixto Rodriguez, einem Sänger, der, außer in Südafrika, bald vergessen war und Anfang der Neunziger arm in einem Abrisshaus wohnte. Beim Ende der Apartheid aber spürten ihn die Südafrikaner dort auf und er sang bei ihnen vor Tausenden jubelnder Menschen. Hierzu gibt es auch einen sehr berührenden Dokumentarfilm.

An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gerne und von wem haben Sie es bekommen?
An ein Wahlplakat vom Anfang der neunziger Jahre mit sehr schönen Motiven darauf. Es stammte von einem unabhängigen Frauenverband und eine Freundin hat es mir geschenkt. Es ist immer mit umgezogen.

Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?
Dass sich im Mecklenburgischen Raum so etwas wie ein Totnes entwickelt, also ein innovatives Zentrum, wo junge Menschen sich in besonderer Atmosphäre entwickeln und lernen können. Um sich Träume erfüllen zu können, braucht man die anderen.

Was werden Sie als Rentnerin machen?
Ich zitiere ein englisches Sprichwort: Wir gehen über die Brücke, wenn wir da sind.

Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen?
Ernst-Ludwig Englaender von der Ziegelei in Benzin. Er ist ein Süddeutscher, der sich hier eingelassen hat und die Ziegelei zu seiner Lebensaufgabe gemacht. Seine Antworten würden mich interessieren.












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