zur Navigation springen

Selbsthilfe In finanzieller Not : Arbeitseinsatz besonderer Qualität

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Wegen leerer Kasse reparierten rund 50 Einwohner in allen Ortsteilen der Gemeinde Granzin am Sonnabend die am schlimmsten zerstörten Gehwegbereiche selbst.

von
erstellt am 26.Mär.2017 | 19:00 Uhr

In allen Ortsteilen der Gemeinde Granzin – Lindenbeck, Greven, Bahlenrade, Beckendorf und in Granzin selbst – haben ungefähr 50 Einwohnerinnen und Einwohner unterschiedlichsten Alters am Sonnabend die am schlimmsten zerstörten Gehwegbereiche in einem freiwilligen Großeinsatz den ganzen Tag lang von Grund auf selbst repariert. Daran beteiligten sich auch Fachkräfte wie zum Beispiel Tiefbauer, die die Arbeiten durch ihr Wissen perfektionierten.

„Passiert auf den Wegen, die teilweise zum Beispiel mit einem Kinderwagen kaum noch zu benutzen waren, ein Unfall, kann es schnell große Probleme für die Kommune geben und wir können die Werte im Sinne der hier lebenden Menschen nicht immer weiter verfallen lassen“, sagt Gemeindevertreter Rainer Raeschke, der in Lindenbeck selbst eine große vollbeladene Schubkarre Magerbeton nach der anderen vom Mischer zu dem Bereich fuhr, in dem alle Betonsteine auf großer Länge aufgenommen und in ein komplett neu aufgebautes Bett gelegt wurden. Die Selbsthilfe sei nötig, weil die Gemeinde keinen Cent mehr übrig habe, was sich auch durch die jüngst angeschnittene, ins Auge gefasste Fusion mit anderen Kommunen (wir berichten noch) nicht ändern werde: „Kommunale Selbstverwaltung gibt es nicht mehr. Dieser Begriff ist nur noch eine Floskel.“ Die überall bestehenden Probleme nur darzulegen, helfe jedoch nicht weiter. „Man muss etwas tun!“, so der Mitorganisator.

Kinder und Erwachsene hatten morgens zunächst gemeinsam ein Fußballtor auf dem Spielplatz in Granzin, Frauen eine Bank an der Bushaltestelle und einen Unterstand in Lindenbeck neu gestrichen sowie viele Blumen gepflanzt.

In Granzin etwa machten sich Männer an der Neupflasterung einer Kurve gegenüber vom Feuerwehrgerätehaus zu schaffen. Auch hier dominierte schon die Meinung, dass man sich auf Zuschüsse nicht verlassen dürfe und gar keine andere Wahl bleibe, als sich selbst zu helfen, wenn nicht alles untergehen solle. „Doch nicht nur wegen der prekären Haushaltssituation ist dieser Einsatz eine sehr gute Sache, weil er den Zusammenhalt fördert und das Gefühl gibt, durch eigenes Engagement etwa bewegen zu können“, sagt Klaus Schröder, Anwohner in Greven, vor dessen Haus und dem mehrerer Nachbarn alle Gehwegplatten aufgenommen und die kaputten bei der Neuverlegung gegen heile ausgetauscht wurden. Den Wert der Aktion könne man „nicht hoch genug einschätzen“. Sie ermögliche Älteren zudem die Chance, wohnen bleiben zu können, wo sie sind.

Arbeit macht hungrig. Wie schon zu jedem auch in der Gemeinde Granzin traditionellen Frühjahrs- und Herbstputz bereiteten drei Frauen für alle Helfer Essen zu und fuhren es sogar aus. Kartoffelsalat mit Würstchen, Gulasch und griechischen Nudelsalat – einschließlich Einkauf der Lebensmittel alles auf eigene Kosten. Der Tag klang mit einem gemeinsamen Feuer in Lindenbeck aus. „Es ist schön, so viel Zusammenhalt zu erfahren“, sagt Ellen-Erika Raeschke, die mit für die Verpflegung sorgte. „Darauf, was hier geschieht, kann man sehr stolz sein.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen