zur Navigation springen

MEK-Einsatz in Lutheran : Anwalt: Nico S. will sich stellen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Mutter des Flüchtigen Nico S. spricht: Schüsse in Lutheran nicht die erste Panne: Einsatzkommando holte Arbeiter aus Bauwagen

svz.de von
erstellt am 15.Feb.2016 | 20:55 Uhr

Nach dem rätselhaften Kopfschuss während eines Polizeizugriffs in Lutheran (wir berichteten) spricht jetzt die Mutter des flüchtigen Mannes, den die Polizei sucht. Bereits in der vergangenen Woche sind Spezialeinsatzkräfte der Polizei auf der Jagd nach der Kiezgröße Nico S. einer Verwechslung aufgesessen. Nach Aussagen seines Anwalts will sich Nico S. in den nächsten 14 Tagen stellen. Zuvor wolle er aber noch einige berufliche und private Dinge klären.

„Nico ist kein Verbrecher“, verteidigt die Mutter ihren Sohn gestern am Telefon. Mit 15 Jahren sei er nach Hamburg gegangen, um sich Arbeit im Hafen zu suchen. Eine Messerattacke auf ihn sei vier Jahre später vielleicht so etwas wie eine Schlüsselsituation gewesen, die ihn verändert hat, womöglich auch aus der Bahn geraten ließ. „Aber wenn ich krank bin, und das bin ich seit Jahren häufiger und ernsthafter, dann ist Nico da und hilft mir, wo er nur kann.“ Wenn ihm aber jemand etwas will oder ihm wehtut, könne er auch böse werden, sehr böse, weiß die 75-Jährige auch um eine andere Seite an ihrem Sohn. Der rechtsgültig seit Oktober zur Fahndung ausgeschriebene Nico S. soll eine mehrjährige Haftstrafe antreten, ist aber spurlos verschwunden. Grund für seine Verurteilung: Der Plauer soll als Türsteher und Bodyguard eines Bordells in Hamburg einen Dieb halb tot geprügelt haben, der einer Prosituierten Geld aus deren Auto gestohlen hatte.

Auf der Suche nach Nico S. kam es nicht nur zum folgenschweren Kopfschuss in Lutheran, bei dem ein 27-Jähriger ein Auge verlor und gestern immer noch in Lebensgefahr schwebte. Schon am Mittwoch meinten die Fahnder offenbar, den Gesuchten gefunden zu haben – als Bauarbeiter getarnt. Als Amtshilfe für die Hamburger Kollegen stürmte das Schweriner SEK den Bauwagen in Plau. Laut Landeskriminalamt hätte es viele Anhaltspunkte dafür gegeben, dass Nico S. sich auf der Baustelle befinde. Auch soll einer der Arbeiter ähnlich aussehen. Die Beamten holten die drei Arbeiter mit vorgehaltenen Waffen aus dem Bauwagen und drückten sie zu Boden. Nach der Ausweiskontrolle sei der Irrtum bemerkt worden. Einer der Männer erstattete gestern Anzeige. Auf der Baustelle soll auch der auf Nico S. zugelassene Dodge Pickup gestanden haben, auf den am Freitag in Lutheran geschossen wurde. Dass beide offenbar polizeibekannten Insassen mit Nico S. bekannt sind, bestätigte gestern dessen Anwalt.

Die Situation beim Zugriff in Lutheran ist offenbar dramatischer verlaufen als bisher bekannt. Wie SVZ erfuhr, soll der Fahrer des Dodge versucht haben, durchzubrechen und fuhr dabei mit dem schweren Fahrzeug auf einen der Beamten zu, der sich im letzten Moment mit einem Sprung retten konnte. Auch soll es zuvor Warnschüsse und laute Rufe „Polizei“ gegeben haben.

In Lutheran ist nach dem filmreifen Einsatz wieder Ruhe eingekehrt. Verkäuferin Carmen Günther schilderte gestern unserer Redaktion ihre Eindrücke: „Für uns alle war es ein Schreck in den Abendstunden. Wir konnten das alles gar nicht so schnell registrieren. Es war nur ein Quietschen zu hören und dann knallte es schon.“ Carmen Günther war nicht allein im Laden, eine Kollegin und mehrere Kunden waren im Geschäft am späten Freitagnachmittag. „Die Kunden durften den Laden nicht verlassen und niemand wurde mehr zu uns durchgelassen. Wir hatten alle Angst“, erzählt Carmen Günther weiter. Nur wenige Meter weiter in Richtung Parchim befindet sich die Kindertagesstätte „Purzelbaum“. Auch dort ist der MEK-Einsatz noch Gesprächsthema. „Nur noch unsere Reinigungskraft war vor Ort, die Kinder und Erzieher waren bereits alle zu Hause“, berichtet Kita-Leiterin Heike Zeppelin.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen