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18. November 2017 | 17:10 Uhr

Goldberger Friedhof : Anonym bis in den Tod

vom

Auf dem Goldberger Friedhof sieht man an einer Stelle nicht mehr als Gras. Unter dem Rasen ruhen aber trotzdem die Toten – anonym bestattet. Das Grab der Namenlosen. Immer mehr Menschen wählen diese Art der Bestattung.

svz.de von
erstellt am 04.Feb.2012 | 01:59 Uhr

Noch liegt der Goldberger Friedhof unter einer geschlossenen Schneedecke. Aber selbst wenn der Schnee geschmolzen ist, wird man an einer Stelle des Friedhofs nicht mehr sehen als Gras. Unter dem Rasen ruhen aber trotzdem die Toten – anonym bestattet. Das Grab der Namenlosen. Immer mehr Menschen wählen diese Art der Bestattung. Kein Stein, kein Hinweis, nur eine grüne Wiese. In der Mitte steht eine Säule, an der Verwandte und Freunde Blumen ablegen können. Wo die Toten genau liegen, weiß nur die Friedhofsverwaltung. Die hat einen Plan.

Deutschlandweit liegt die anonyme Bestattung seit ein paar Jahren im Trend. In Goldberg ist das nicht anders. Den Überblick über den Friedhof hat Marianne Pfeiffer. Die Mitarbeiterin des Ordnungsamts weiß genau, wer wann, wo und wie auf dem Friedhof bestattet wurde. Der Trend zum Namenlosen ist ihr nicht neu. „Seit 1994 gibt es diese Möglichkeit, seitdem gab es 193 anonyme Bestattungen“, sagt sie und geht eine Liste in ihrem Computer durch. Im Jahr 2010 war bereits fast jede dritte Bestattung eine anonyme.
Auch die Gründe kennt Pfeiffer. Sie ist oft mit Angehörigen und Bestattern im Gespräch, hört von den Wünschen und Konflikten, die die Verstorbenen vor ihrem Tod bewegten. „Viele Menschen hier sind allein, die Kinder wohnen anderswo, niemand kann die Gräber pflegen, weder zeitlich, noch räumlich“, sagt Pfeiffer. Die Bestattungskultur ist insofern auch ein Spiegel der mobilen Gesellschaft. Beim Grab auf der Wiese gibt es keinen Pflegeaufwand, die Stadt mäht den Rasen.

Auch Geld spielt bei der Wahl der Bestattung eine Rolle. Beerdigungen sind teuer, viele Menschen in der Region müssen auf’s Geld schauen. Ein Problem, dass vor dem Tod nicht Halt macht. Auch diese Entwicklung macht die anonyme Bestattung attraktiv, kostet doch ein herkömmliches Einzelsarg- drei Mal so viel das anonyme Urnengrab.

Wenig Pflege – das wollen viele. Aber ganz ohne Namen? Das ist einigen dann doch zu wenig. Deshalb gibt es auf dem Goldberger Friedhof seit 2009 noch eine zusätzlich Variante: die Bestattung auf der Wiese mit einer in den Rasen eingelassenen Namenstafel. „Diesen Kompromiss nehmen viele an, seit 2009 gab es neun Sargbestattungen und 27 Urnen“, rechnet Pfeiffer zusammen.

1015 belegte Gräber gibt es auf dem 28000 Quadratmeter großen Friedhof, den es in Goldberg in der heutigen Form seit 1861 gibt. Die Bestattungskultur wandelt sich. Vieles wird pragmatischer, praktischer, puristischer. Auch nach dem Tod.

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