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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

23. September 2017 | 22:14 Uhr

Lokalpolitik : Angst um Zukunft der Feuerwehr

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Die Bürgermeisterin der Gemeinde Gehlsbach fordert, mehr Fragen nach Erfordernissen auf lokaler Ebene zu entscheiden.

von
erstellt am 11.Sep.2017 | 21:00 Uhr

Die Geduld von Hanni Stolper, Bürgermeisterin der Gemeinde Gehlsbach, ist auch in Sachen Feuerwehr nahezu am Ende. „Mittlerweile ist die Situation bei uns so, dass ich froh bin, wenn bei einem Alarm von Montag bis Freitag am Tag aus beiden Löschgruppen so viele Kameraden zusammenkommen, dass ein Einsatz gefahren werden kann“, sagt sie merklich aufgebracht. Unerträglich finde die Bürgermeisterin nicht enden wollende Diskussionen und Auseinandersetzungen etwa um die Besetzung der Stelle des Kreiswehrführers und die Zusammenführung der beiden Feuerwehrverbände. Wenn man angeblich so weit sei, dass Entscheidungen anstehen, müssten sie vorher miteinander besprochen worden sein, was jedoch nicht geschehe: „Auch aus unserer Gemeinde sind Vertreter schon mehrfach zu Versammlungen gefahren, aber zurückgekommen, ohne dass auch nur irgendein winziger Fortschritt erzielt wurde.“

In einem riesigen Landkreis, der größer als das Saarland ist, zudem nur eine Feuerwehrschule zu haben, sei vom Standard her ein Relikt aus den fünfziger Jahren und könne somit schon lange nicht mehr die heutigen Anforderungen erfüllen. Obendrein verschärfe das – so wörtlich – „Gerangel in den Amtsstuben“ um das Thema Feuerwehrtechnische Zentrale (wir berichteten mehrfach), in der insbesondere kleine Wehren ihre Technik in bestimmten Abständen und nach Einsätzen wieder aufbereiten lassen müssen, die Situation. Die Standortfrage sei bekanntlich noch immer nicht geklärt. „Wenn es zum Beispiel nur noch einen Anlaufpunkt in Hagenow gäbe, wäre für Kameraden aus unserer Region ein Arbeitstag weg, wenn sie die Einrichtung in Anspruch nehmen müssten“, sagt Hanni Stolper. „Sollte es so kommen, befürchte ich stark, dass mehrere sagen werden: Unsere Zeit in der Feuerwehr ist zuende. Und das können wir uns nicht leisten!“

Darüber hinaus sei unabhängig davon ein Unding, wenn bereits vor Monaten mit der Zentrale vereinbarte Termine nicht eingehalten werden. Kameraden hätten sich schon auf den Weg nach Dargelütz gemacht, dort vergeblich gewartet und seien unverrichteter Dinge wieder nach Hause gefahren. „So etwas geht nicht, zumal mehrere einen freien Tag dafür genommen haben! In der heutigen Zeit sind alle miteinander vernetzt, so dass man etwa kurz per Handy bescheid sagen kann, wenn ein Termin nicht eingehalten werden kann“, sagt die Bürgermeisterin.

Viel zu wenig beachtet werde, dass die Feuerwehren ehrenamtlich arbeiten und in der Regel nicht mehr als ein Dank vom Bürgermeister erhalten, unter Umständen aber ihr höchstes Gut – das eigene Leben – in Gefahr bringen. „Solchen Menschen kann man nicht sagen ,Wir heben kein Geld’, sondern gerade auch für sie muss so viel da sein, dass sie kompetent arbeiten können – von der persönlichen Schutzausrüstung bis zur technischen Ausstattung“, meint Hanni Stolper. „Fakt ist, dass unsere Kameraden mit Schrotttechnik durch die Gegend fahren. Und wenn sie nicht soviel selbst machen würden, wäre alles noch viel teurer.“

Für jeden Kameraden in der Gemeinde Gehlsbach etwa gebe es nur eine Uniform. Wenn sie nach einem Einsatz durchnässt ist, sei Praxis, dass der dazugehörige Kamerad sie in seinem Zuhause trocknet: „Das müsste er nicht, tut es aber, um möglichst schnell wieder einsatzfähig zu sein.“

So gut wie niemand, der sich mit einem Ehrenamt für die Gesellschaft einsetzt, werde dafür entschädigt. Gleichzeitig regele eine Gebührenordnung, dass man für jede noch so kleine Bescheinigung bezahlen müsse. Die Bürgermeisterin fordert das Land deshalb dazu auf, nicht nur Wehr- und Gruppenführern, sondern allen Aktiven zumindest eine Pauschale zu zahlen: „Ein kleiner Anreiz ist das Mindeste.“

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