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MEK-Einsatz in Lutheran : Angeschossener noch immer in Lebensgefahr

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Polizeibeamten wegen Körperverletzung im Amt

svz.de von
erstellt am 14.Feb.2016 | 20:50 Uhr

Der MEK-Einsatz am Freitag in Lutheran, bei dem ein Mensch angeschossen und lebensbedrohlich verletzt wurde (SVZ berichtete), wird noch lange nicht zu den Akten gelegt werden können. Die Schweriner Staatsanwaltschaft hat von Amts wegen die Ermittlungen gegen einen Polizeibeamten aus Hamburg wegen „Körperverletzung im Amt sowie schwere Körperverletzung“ eingeleitet. Der Beamte hatte am Freitagnachmittag in Lutheran bei einem Einsatz des MEK Hamburg den Fahrer (27) eines Pickup Dodge mit einem Schuss schwer verletzt. Der Mann schwebt weiter in Lebensgefahr. Der 27-Jährige werde in einem Krankenhaus in Schwerin behandelt, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Schwerin am Montag. Der Gesundheitszustand des Fahrers „ist stabil, aber seine Verletzung ist weiterhin lebensgefährlich“, so gestern Thorsten Kopf von der Schweriner Staatsanwaltschaft gegenüber unserer Redaktion. Er bestätigte ebenfalls, dass der Mann durch den Schuss auch ein Augenlicht verloren hat.

Rückblick: Es war wenige Minuten vor 17 Uhr, als der Pickup auf der B 191 aus Richtung Parchim kommend Lutheran durchfuhr. Die beiden Insassen mittleren Alters wussten nicht, dass ihnen die Polizei auf den Fersen war. Mitten in der Ortschaft in Höhe einer kleinen Fleischerei folgte dann das filmreife Szenario: Zwei Zivilfahrzeuge keilen plötzlich den Dodge ein, um die Insassen festzunehmen. Es fällt ein Schuss, die Seitenscheibe des Pick-up zerspringt. Der Fahrer wird schwer am Kopf getroffen. Ein Parchimer Notarzt und ein Team der Rettungswache Lübz übernehmen die Erstversorgung, letztlich fliegt ihn ein Rettungshubschrauber in das Schweriner Klinikum.

Die Beamten gehörten zu einer Sondereinheit der Hamburger Polizei, die dem Fahrzeug gefolgt war. Sie sollten die Zielperson im Auftrag des Landeskriminalamtes Hamburg festnehmen. Sie gingen zu dieser Zeit davon aus, dass in dem Fahrzeug Personen saßen, die im Rotlicht- und Rauschgiftmilieu tätig seien. Das Auto war auf die Zielperson zugelassen. Laut Hamburger Polizeisprecher Andreas Schöpflin lag gegen den Halter ein entsprechender Haftbefehl vor. Bereits am Freitagabend kam der Verdacht auf, dass es zu einem tragischen Irrtum gekommen sein könnte. Denn der Mann, den die Polizei eigentlich im Visier hatte, saß nicht in dem gestoppten Auto. Nach SVZ-Informationen soll dieser aus der Region Plau stammen. Warum es zu dem Schusswaffengebrauch kam, war am Abend des tragischen Vorfalls nicht zu erfahren. Staatsanwalt Kopf sagte gestern auf SVZ-Anfrage, „dass sich für die Hamburger Polizeibeamten eine Gefährdungslage ergeben hat, in deren Folge der Schuss fiel“. Aus ermittlungstaktischen Gründen wolle Kopf darauf aber nicht näher eingehen. Offen ist auch noch die Frage, warum die Festnahme ausgerechnet mitten im Dorf erfolgte.

Die Kriminalpolizeiinspektion Schwerin hat die Ermittlungen aufgenommen und Spuren gesichert. Auch ein Polizeihubschrauber kam dabei zum Einsatz, der den Tatort umkreiste. Aus diesem Grund musste die Bundesstraße bis Mitternacht gesperrt und der Verkehr umgeleitet werden. Die Kriminalisten waren bis in die frühen Morgenstunden auf den Beinen. Der Beifahrer im Wagen wurde nicht festgenommen und konnte noch am Abend nach Hause.

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