Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide : „Andere überlegten, wir machten“

So klein ist das Kleinod Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide gar nicht: Es umfasst 35 500 Hektar.  Fotos: S. Herbst
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So klein ist das Kleinod Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide gar nicht: Es umfasst 35 500 Hektar. Fotos: S. Herbst

Der Naturpark Nossentiner-Schwinzer Heide feiert Doppeljubiläum. Schon vor 25 Jahren schlüpfte die Verwaltung in die Vorreiterrolle.

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03. November 2015, 17:00 Uhr

Vor 25 Jahren hatte der Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide seine Geburtsstunde, nur zehn Jahre später wurde am Standort seiner Verwaltung das Ausstellungszentrum „Karower Meiler“ errichtet. Dr. Wolfgang  Mewes, erster Leiter  des Naturparks (1990 bis  2005) erinnert sich gern zurück. „Es waren wilde Zeiten  damals“, sagt er „aber sie waren toll, denn wir konnten  gestalten.“

Im Januar 1990 starteten der Karower, der weit über die Region hinaus als Kranichdoktor bekannt ist, und sein Aufbaustab erste Initiativen, um die ursprüngliche Idee, ein Verbundsystem von Feuchtgebieten zu schaffen, umzusetzen. Mit Krakower See, Drewitzer See, Nordufer Plauer See, Damerower und Goldberger See gelang das. Als keine zwei Monate später das Nationalparkprogramm verabschiedet wurde, wies es bereits den heutigen Naturpark aus – damals allerdings noch unter dem Namen „Krakower Seenlandschaft“. Die Bezirksverwaltung Schwerin  hatte den Hut auf, denn Länder  gab’s noch  nicht. „Wenn  dann Vorschläge von der Basis kamen, wurden  die nur so aufgesogen“, erinnert sich der inzwischen pensionierte, frühere Lehrer.  

Da  digitale Technik und Internet ungefähr  so greifbar waren,  wie „Star Wars“  Realität ist,   machten sich  die lokalen Kenner der Landschaften  daran,  eigene Karten zu zeichnen und Kopien zu ziehen. Touristenzentren, Ferieneinrichtungen, Fischereien, landwirtschaftliche Flächen, Siedlungen, Denkmale, Flora, Fauna – was  ging, wurde erfasst und textlich erläutert.  Nach nur weiteren sechs Monaten  war am  24. September 1990   mit der Festsetzung  des „Naturparks  Nossentiner/Schwinzer Heide“ auf  32000 Hektar  seine Unterschutzstellung  perfekt. Hinzu kamen  acht  neue bzw. erweiterte alte Naturschutzgebiete  (NSG) von nochmal 3725 Hektar.   Inzwischen  genießen 16 NSG innerhalb  des Parks besonderen Schutz.  „Noch  heute bin ich froh, dass wir   die Anerkennung vor dem 3. Oktober  bekamen, wir unseren Park gesichert hatten, bevor westdeutsches Recht galt“, so Mewes.

Sitz der Naturparkverwaltung  ist seit 24 Jahren   nur einen Steinwurf  von  Karow entfernt, dort wo  seit     15 Jahren auch das Ausstellungszentrum Karower  Meiler  Besucher mit   einer ständigen und  regelmäßig wechselnden Ausstellungen begeistert. Ursprünglich  Ziegelei, war  das Fachwerkhaus  später Försterei, dann Wohnhaus und schließlich Stasi-Objekt. Heute  ist es  ein kleines Schmuckstück am südlichsten Zipfel  des Naturparks. Selbst  die Kunststofffenster wusste Mewes, der als erster Naturparkleiter  noch von  einem  kleinen  Büro  auf dem Gut Karow  agierte,  erfolgreich zu verhindern. 

Früh schlüpften die Karower  in  die  Vorreiterrolle, entwickelten  abseits von Zweckverbänden, Landkreisen oder Forstverwaltungen als Träger  ein Naturparkmodell, das andere Regionen  später vielfach übernahmen. „Wir   wollten  mehr als nur Bänke  aufstellen, hatten  ganz einfach Ziele  und   nutzten  die sich bietenden Möglichkeiten“, erklärt Mewes.  „Wenn andere noch überlegten,  welche Wege  sie   anlegen, ob sie Info-Tafeln  aufstellen  und wie sie Eingangsbereiche  gestalten  sollten, machten wir es einfach.“  Die Naturparkverwaltung  brachte eine Vielzahl von Projekten auf den Weg, in denen   allein  in den Jahren  1991 bis 1995  insgesamt  85 ABM  beschäftigt waren.   Dokumentationen zählten zu ihren Aufgaben ebenso wie  Konzeptionen  zur ökologischen Landentwicklung, Umwelterziehung, Fremdenführung und   die gesamte Bandbreite der Naturparkwacht. Nicht zu vergessen  die Projekte in der Landschaftspflege mit allein 41 ABM. Eine große Herausforderung, die Dr. Wolfgang Mewes  zusammen mit Jörg Gast (seit  2005 Leiter der Naturparkverwaltung)  und Ralf Koch  (dessen Stellvertreter und Vorsitzender des Fördervereins  Naturpark)  meisterte. Zum Meilenstein  wurde schließlich  auch die Verwaltungsvereinbarung zwischen dem Land und den Landkreisen Mecklenburgische Seenplatte, Ludwigslust-Parchim und  Rostock, die Träger des Parks sind. Unterstützung  kommt  von Beginn  an durch den Förderverein, der selbst Träger vieler Projekte ist.

Die wilden  Zeiten  von einst sind vorbei. Heute   zählt die Truppe um Jörg Gast und Ralf Koch  nicht mehr 40 Mann  wie in „besten Zeiten“, sondern sechs.  Die  aber werden nicht müde, Projekte weiterzuführen und neue aufzulegen, die den Naturpark in seiner Pracht   auch für  spätere Generationen sichert.

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