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Lübzer Wahrzeichen : Amtsturm macht als Modell Karriere

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Der Lübzer Amtsturm macht jetzt auch als Modell Karriere: Mit zunächst zehn Langzeitsarbeitslosen wurde im April das Projekt "Zukunftswerkstatt" ins Leben gerufen, bei dem das Wahrzeichen der Stadt im Mittelpunkt steht.

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erstellt am 02.Aug.2012 | 10:32 Uhr

lübz | Der Lübzer Amtsturm macht jetzt auch als Modell Karriere: Mit zunächst zehn Langzeitsarbeitslosen hatte die kreisweit agierende Beschäftigungsgesellschaft BBS START GmbH in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter (früher Arge) im April das Projekt "Zukunftswerkstatt" ins Leben gerufen, bei dem das Wahrzeichen der Stadt im Mittelpunkt steht. Das Vorhaben ist so gut angelaufen, dass bereits konkret über eine Verlängerung ab Oktober nachgedacht wird. Außerdem begann gestern die Maßnahme "Zukunftswerkstatt I" mit weiteren zehn Langzeitarbeitslosen. Sie dauert bis Januar 2013.

Das Jobcenter war an die Beschäftigungsgesellschaft herangetreten und hatte gefragt, ob sie Interesse daran habe und in der Lage sei, eine so genannte AGH-Maßnahme (früher ABM) für 1-Euro-Jobber anzubieten. "Wir sagten zu und unterbreiteten der Bürgermeisterin den Vorschlag, den Amtsturm als Nistkasten und Insektenhotel nachzubauen. Wir wollten einfach ihre Zustimmung haben", sagt Norbert Goldenbohm, Bereichsleiter Südwestmecklenburg der BBS START GmbH. Die Kästen mit dem hohen Wiedererkennungswert stellt die Gesellschaft der Stadt zur Verfügung, die sie mit Beschäftigten des Bauhofes und ein oder zwei Teilnehmern der Maßnahme aufhängen wird. "Sie finden sich auf diesem Weg in der Öffentlichkeit wieder und erfahren Anerkennung, was stolz macht und gerade für diese Menschen sehr wichtig ist", so Gol-denbohm.

Die Teilnehmer im Alter von 21 bis 53 Jahren kämpfen mit diversen Schwierigkeiten, zu denen unter anderem Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit sowie Depressionen gehören. Deshalb ist es sehr schwierig, sie in Arbeit zu bringen. Die Bandbreite reicht vom Schulabbrecher bis zum Diplom-Ingenieur. Einige sind seit einem Jahr ohne Beschäftigung, andere bereits seit der Wende. "Als wir im April begannen, war bewusst nichts fertig eingerichtet. Dies zu ändern sollte erste Aufgabe der Teilnehmer sein", sagt Projektleiter Klaus-Dieter Brockmüller. "Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass hier gute Arbeit geleistet wird. Das beste Zeichen: Der Krankenstand ist gleich null. Eine Frau kam sogar mit einer Sehnenscheidenentzündung zur Arbeit. Die Teilnehmer kommen gern und haben sich auch untereinander achten und schätzen gelernt. " Die Aufgaben werden im Team besprochen, die Teilnehmer in die Arbeitsplanung einbezogen. "Sie sind Mitgestalter, nicht nur Empfänger", so Goldenbohm.

Die Einzelteile der Kästen - hauptsächlich Holzringe - werden in der Ludwigsluster Tischlerei der Beschäftigungsgesellschaft auf computergesteuerten Fräsmaschinen vorproduziert und als Rohlinge nach Lübz geliefert. Für die Fertigstellung sind Holz-, Textil- und Malerarbeiten erforderlich. So werden zum Beispiel auch dem Original entsprechend Fenster und Mauerwerksstrukturen mit einem Lötkolben eingebrannt.

Oberstes Ziel ist, die Teilnehmer möglichst wieder in Beschäftigung zu bringen. Dazu gehört neben Hilfe bei Fragen zu Bewerbungen unter anderem auch die Gewöhnung an wöchentlich wechselnde Arbeitszeiten und zu lernen, Verantwortung zu übernehmen. "Es gilt, Mut zu neuen Schritten zu machen und zum Beispiel Angst vor Behörden zu nehmen", sagt Brockmüller. "Die meisten hatten für nichts mehr Interesse, öffnen sich aber jetzt wieder, weil sie das Gefühl vermittelt bekommen, gebraucht zu werden. Hier wird etwas Sinnvolles getan, es ist keine Beschäftigungstherapie." Dem Jobcenter wird eine Powerpoint-Präsentation über die Maßnahme übergeben. Eine Idee der Teilnehmer ist, die von ihnen hergestellten Nistkästen und Insektenhotels als Baukastensystem für Schulen und Kindergärten anzubieten.

Bürgermeisterin Gudrun Stein hat das erste fertiggestellte Turmmodell überreicht bekommen. Sie sagt über das Projekt: "Das Ergebnis der Maßnahme ist sehenswert. Ich freue mich, dass es jetzt ansprechende, bald in der Stadt zu sehende Nisthilfen gibt, die unvergleichlich gut zu Lübz passen."

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