Bürgermeisterwahl 2015 : Am Tag danach sind Wunden geleckt

Stimmenauszählung am Sonntagabend im Lübzer Standesamt
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Stimmenauszählung am Sonntagabend im Lübzer Standesamt

Stimmen und Meinungen am Tag nach der Bürgermeisterwahl / Rückkehr zur fairen und konstruktiven Sacharbeit hat jetzt Priorität

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27. April 2015, 22:00 Uhr

Lübz und Plau haben gewählt und in beiden Städten konnten sich die Amtsinhaber behaupten. Gudrun Stein erreichte in Lübz 72,35 Prozent, Norbert Reier in Plau am See 62,88 Prozent. Beides sehr deutliche Ergebnisse. Während der Wahlausgang in Lübz nicht wirklich überraschen konnte, war der in Plau am See so im Vorfeld nicht unbedingt abzusehen. Auch vom Wahlsieger nicht. „Aber das Ergebnis gibt ein bisschen Selbstsicherheit“ räumte Bürgermeister Norbert Reier gestern am Telefon ein. In Plau sei in den letzten Jahren in der Tat einiges erreicht worden. Wie die Leute mit diesem Fakt umgehen, gerade auch zur Wahl, ließe sich im Vorfeld nicht abschätzen. „Umso mehr freut es mich, dass viele das Erreichte und die gute Zusammenarbeit von Stadtverwaltung und -vertretung mit ihrer Stimme am Sonntag honoriert haben.“ Reier kündigte an, den eingeschlagenen Weg, der ja kein zufälliger sei, weitergehen zu wollen.

Mit 28,60 Prozent erreichte Einzelbewerber Marco Rexin das zweitbeste Ergebnis in Plau. „Ich beglückwünsche Herrn Reier zu seinem Wahlergebnis und zum Wahlsieg. Für mich selbst hätte ich mir mehr erwünscht. Ich denke aber auch, dass meine Stimmen und die von Frau Pohla Indiz dafür sind, dass ein Teil der Plauer Veränderungen will. Daher sehe ich in dem Wahlergebnis den klaren Auftrag weiterzumachen.“

Auch einen Tag nach der Wahl ist Anke Pohla (sie kam am Ende auf 8,52 Prozent) von ihrem Ergebnis enttäuscht. „Mein Umfeld und meine Freunde sind es auch, ganz einfach weil ich mich ordentlich reingehängt hatte. Ich gebe zu, ich hätte die Jungs gern noch ein wenig mehr geärgert.“ Für die Stadt sei das Ergebnis jedoch gut. Im Sinne des Amtsinhabers und Wahlsiegers hoffe sie, dass der an manchen Stellen zuletzt sehr unschöne Wahlkampf schnell vergessen ist und Plau zur Sacharbeit übergehen kann.

„Ich freue mich über den Sieg von Herrn Reier“, sagte der Plauer CDU-Fraktionschef Horst Frommer. Anfang des Jahres habe die CDU auf ihrer Mitgliederversammlung beschlossen, keinen eigenen Kandidaten aufzustellen, da man keinen geeigneten Kandidaten sah. „Und damit hatten wir es den Leuten überlassen. Jetzt freue ich mich auf Kontinuität in der Parlamentsarbeit und faire Diskussionen mit dem Bürgermeister. Wichtig ist, dass Ruhe einkehrt, die Fraktionen eine Linie fahren und die Stadtvertretung dem Bürgermeister sagt, was getan wird.“

„Ich hatte mir für Anke Pohla schon ein wenig mehr erhofft“, sagt Dietmar Salewski. Der parteilose Unternehmer arbeitet für die SPD im städtischen Ausschuss für gesellschaftliche Angelegenheiten. Über den klaren Sieg von Norbert Reier sei er jedoch froh. „Er ist der richtige Mann an der richtigen Stelle.“ Die 56 Prozent Wahlbeteiligung sieht Salewski als ganz bitteren Tropfen. „Das ist zwar mehr als bei der letzten Kommunalwahl. Doch es ging um was, und dafür ist es ganz einfach zu wenig.“

Die Partei Reiers, die Linke, hatte gehofft, dass sich ihr Kandidat und Amtsinhaber durchsetzt. Dass er es gleich im ersten Wahlgang schaffen würde, damit hatte sie nicht gerechnet. „Ich bin erfreut und erleichtert, dass sich unser Wahlkampf ausgezahlt hat. Danken möchte ich allen Plauerinnen und Plauern für ihre außerordentlich rege Wahlbeteiligung. Kompetenz und Erfahrung haben sich trotz einiger unsauberer Attacken von Bürgerinitiativen durchgesetzt. Nun mögen wieder Vernunft und Sachlichkeit die Zusammenarbeit in der Stadtvertretung und mit der Verwaltung auszeichnen“, so Dr. Uwe Schlaak, BO- und Fraktionsvorsitzender der Linken.

In Lübz war die Bekanntgabe des vorläufigen Endergebnisses für etwa 18.30 Uhr angekündigt. Bei einem zufälligen Zusammentreffen im Rathaus, wo alle Fäden zusammenliefen, rief Wahlleiter Gerd Holger Golisz die Umstehenden allerdings bereits eine halbe Stunde nach Schließung der Wahllokale an seinen Computer und präsentierte das vorläufige Endergebnis: 72,35 Prozent für Amtsinhaberin Gudrun Stein und 27,65 (natürlich nicht 37,65, wie gestern irrtümlich in der Hektik aufgeschrieben) für Astrid Becker. „Dass es so schnell ging, haben wir in erster Linie den hervorragend arbeitenden Wahlvorständen zu verdanken“, so der Leiter.

Gudrun Stein, für viele eine in der Regel souveräne Persönlichkeit, wirkte besonders in der Schlussphase öfter ungewohnt angespannt. Der Hinweis, dass sie in der Bevölkerung auch unabhängig von der Partei sehr großes Ansehen genießt, keine absolute Mehrheit benötigt, weil es nur zwei Kandidaten gibt, und ein gewisser Bonus auch schon wegen der langen Amtszeit doch wohl nicht zu verhehlen sei, wollte sie nicht gelten lassen: „Eine Wahl ist eine Wahl und da kann alles passieren.“

Rainer Raeschke stand Gegenkandidatin Astrid Becker (beide Die Linke) im Wahlkampf zur Seite. „Ich gratuliere Frau Stein, was sich unter Demokraten gehört“, sagt er. Enttäuscht sei der erfahrene Kommunalpolitiker nicht: „Der Wähler hat so entschieden und das gilt es zu akzeptieren. Außerdem hat Astrid Becker das Ergebnis der letzten Wahl übertroffen.“ Vor sieben Jahren lag sie bei 26,8 Prozent.

„Eine von mir gestellte Prognose ist Wirklichkeit geworden“, so SPD-Stadtvertreter Dieter Düwel. „Eine Erklärung: Außer der aus meiner Sicht nicht sehr hohen Beteiligung gingen vor allem Ältere zur Wahl. Bei ihnen ist Frau Stein sehr beliebt – zurecht, denn sie hat viel geschaffen, was man anerkennen muss.“ Die Älteren seien es auch, die im Gegensatz zur Zeit vor der Wende froh sind, nun wirklich wählen zu können.

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