Zahren : Alte Mauern im Wandel der Zeit

Zweitrenoviert und seit 1994  im Besitz der Familie von Fuchs: das Gutshaus in Zahren.
Zweitrenoviert und seit 1994 im Besitz der Familie von Fuchs: das Gutshaus in Zahren.

Wie gehts, altes Haus? – Heute ein Besuch beim Gutshaus Zahren, das wieder in Privatbesitz und von neuem Geist erfüllt ist

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29. Juli 2018, 05:00 Uhr

Häuser wandern durch die Geschichte – wenn man sie lässt. Sie verbinden Generationen, überwinden Umwälzungen, Kriege, Systemwandel. Ihre Mauern werden immer gebraucht. Auch hier und heute erzählen Häuser Geschichte und Geschichten. In dieser kleinen Sommerserie lassen wir einige unserer Gutshäuser vom Wandel berichten, der sich in ihren Mauern vollzog: vom Sitz adliger Familien zum Besitz wohlhabender Bürger, vom Asyl für Flüchtlinge und Vertriebene ab Kriegsende bis zum sozialen Zweckbau in der DDR. Und wie, fragen wir uns, geht es ihnen heute? Wie geht’s, wie steht’s, altes Haus?

Zahren, versteckt gelegen, ist unsere erste Station. Alte Bäume stehen rechts und links Spalier, fährt man auf der Dorfstraße wie auf einer Mittelsenkrechten auf die langgestreckte Front des Gutshauses zu. Dorfstraße 49. Die „Sprache“ der Anlage ist klar wie eh und je: Das Guts- oder eben Herrenhaus ist Zentrum. Der weite Platz vor dem Gebäude, ehemals der Hof des Gutes, blickt heute etwas unentschieden drein, weiß noch nicht, was er einmal werden soll. Dahinter aber im Schmuck der zweiten Renovierungsära lacht uns das sanierte, frisch gestrichene Zahrener Gutshaus an. Kleinigkeiten, wie die Freitreppe, die zum Eingang in einen verglasten hölzernen Vorbau führt, sind noch zu richten. Aber der Befund ist klar: Dem alten Haus geht es gut!

Wir treffen Gabriele von Fuchs. Ihre Eltern erwarben das Gutshaus im Jahre 1994. Nach dem Einzug dann die erste Prüfung der schon über 50-jährigen „Pioniere“ aus Bayern durch den harten Winter 1995/96. „Wenn es warm war, hatten wir elf, ansonsten etwa sieben Grad,” sagt Gabriele von Fuchs. Das erste Weihnachtsfest im „neuen“ Haus feierten sie daher in der Küche. „Knöcheltief sind wir anfangs durch Schutt gewatet“, erinnert sich die Tochter der Erwerber. Überall auch die Gebrauchsspuren durch die Nutzung während der DDR-Jahre.

Zwischen 1949 und 1990 war das Gutshaus ebenfalls Dorfmittelpunkt gewesen, nur anders: Der Konsum war hier untergebracht, eine Amtsstube, die örtliche Krankenschwester. Hier gab es Mittagessen für die Arbeiter der LPG und im großen Saal wurde gefeiert. Die ältere Geschichte des Gutshauses ist leider nur lückenhaft bekannt. Im 18., 19. Jahrhundert gehörte es vermutlich einem Zweig der Familie von Blücher, spätestens von 1818 an war es herzogliche Domäne, 1836 gepachtet von Altwig von Arenstorff. Zuletzt bis 1945 bewirtschaftete eine Familie Steinkopff das Gut.

Heute ist das herrschaftliche Gut von neuem Geist erfüllt. Aus Herren wurden hier gute Nachbarn, von Fall zu Fall sicher auch Freunde. „Mit dem enorm beliebten Pastor Siegfried Schulz haben wir zusammengearbeitet“, erinnert sich Gabriele von Fuchs. „Zum Beispiel ein Adventscafé ausgerichtet, Tafeln für 90 Gäste gedeckt.“ Gabrieles Bruder, Markus von Fuchs, ist aktuell Eigentümer des alten Hauses und verantwortlich für die letzte große Renovierung. Das Haus, so unser Gefühl, wird geliebt und geachtet. Aber natürlich hat das große klassizistische Gebäude mit dem Feldsteinfundament und den Lehmwickelwänden auch einige Strapazen gekostet. „Aber der Wohlfühlfaktor ist enorm groß“, sagt Gabriele von Fuchs. Und: „Das Haus hat uns gedankt.“

Der nächste Besuch wird uns zum Gutshaus Barkow führen und zu einer ganz anderen Geschichte...

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