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18. November 2017 | 15:19 Uhr

Ideen gefragt : Alte Elde soll wiederbelebt werden

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Sie ist verschlammt, verwachsen und existiert in ein paar Jahrzehnten vielleicht schon gar nicht mehr: die Alte Elde bei Kuppentin. Doch ein Managementplan soll Flora, Fauna und Habitate verbessern.

svz.de von
erstellt am 28.Feb.2012 | 08:38 Uhr

Gallin-Kuppentin | Sie ist verschlammt, verwachsen und existiert in ein paar Jahrzehnten vielleicht schon gar nicht mehr: die Alte Elde bei Kuppentin. Zeiten, in denen in dem Gewässer noch gebadet werden konnte, sind längst dahin. Und auch für die Tierwelt wird’s hier langsam eng. Rotbauchunken und Kammmolche etwa kommen im FFH-Gebiet Alte Elde bei Kuppentin, Fahrenhorst und Bobziner Zuschlag fast gar nicht mehr vor. Ist 2004 ihre Population noch als günstig eingestuft worden, konnten diese Arten bei der jetzigen Gebietskartierung überhaupt nicht mehr nachgewiesen werden.

Ein Managementplan soll die hiesige Natur und Artenvielfalt bewahren. Mehr noch: An kritischen Stellen sollen durch gezielte Maßnahmen die Lebensbedingungen für Tier- und Pflanzenwelt nachhaltig verbessert werden. Unter der Federführung des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg wird derzeit durch das Planungsbüro Pöyry Deutschland GmbH ein Managementplan für das FFH-Gebiet Alte Elde bei Kuppentin, Fahrenhorst und Bobziner Zuschlag erarbeitet. Die Grundlage dafür steht: Erfasst und bewertet worden sind jetzt die Lebensraumtypen des Anhangs I und die Arten des Anhangs II der FFH-Richtlinie.

Ergebnis: Im Vergleich zur Erfassung im Jahr 2004 hat sich der Zustand vieler Gewässer- und Wiesentypen verschlechtert oder ist gleichbleibend schlecht wie vor acht Jahren. Lediglich bei Habitaten wie dem Waldmeister-Buchenwald oder aber den mageren Flachlandmähwiesen wurde eine Verbesserung verzeichnet.

Gerade die geringe Wasserführung in der Alten Elde sei ein großes Defizit im FFH-Gebiet, sagt Ursula Kösters vom Planungsbüros Pöyry, die das Projekt leitet. Der geringe Durchfluss und die zunehmende Verschlammung werden Tieren wie dem Bachneunauge zum Verhängnis.

Auf Grundlage der jetzt bewerteten Lebensräume sowie Tier- und Pflanzenarten sollen Ziele entwickelt werden, die im FFH-Gebiet nachhaltig die Artenvielfalt sichern oder gar verbessern. Wie die Umsetzung der Erhaltungszeile gelingen kann, das wollen im März zwei Arbeitsgruppen - eine zum Thema Wasser, die andere zur Landnutzung - festlegen. Sicher ist aber: Besonderes Augenmerk wird auf dem Zustand der Alten Elde liegen. Der Wasserdurchlauf ist hier über die Jahre immer weiter zurück gegangen, teilweise sogar ganz zum Erliegen gekommen. "Der bestimmende Faktor in diesem Bereich ist der Kanal. Deshalb gehört das Wasser- und Schifffahrtsamt Lauenburg bei jeder Diskussion mit an den Tisch", fordert Eckhard Riemann, Geschäftsführer im Wasser- und Bodenverband Mildenitz-Lübzer Elde.

Möglichkeiten, die Alte Elde wiederzubeleben, haben einige Bürger bei der jetzigen Vorstellung der Kartierungsergebnisse bereits ins Spiel gebracht: Ob Staustufen oder eine Wiederbelebung eines alten Zuflusses aus der Müritz-Elde-Wasserstraße in Zeiten hoher Wasserstände - Ansätze gibt es viele. Nur gelte es, diese genau mit allen Beteiligten abzustimmen. Die Wasserstraße sei ein komplexes System, an dem es viele Beteiligte gebe, heißt es seitens des WSA.

Doch ohne eine Steigerung des Wasserdurchlaufes wird die Alte Elde wohl immer mehr verschlammen. "Wir sind seit Jahren im Gespräch mit dem WSA. Da wollen wir auch nicht locker lassen", sagt Ursula Kösters. "Das Land hat die Pflicht, den guten Erhaltungszustand der Alten Elde möglichst wieder herzustellen und dafür Möglichkeiten zu prüfen", sagt die Projektleiterin.

Hintergrund für den jetzt entstehenden Managementplan ist das ökologische Netz besonderer Schutzgebiete mit der Bezeichnung "Natura 2000", das der Verschlechterung der natürlichen Lebensräume und der ernsthaften Bedrohung der verschiedenen Arten wildlebender Tiere und Pflanzen entgegenwirken soll. Dieses Netz umfasst auch die von den Mitgliedstaaten auf der Grundlage der Fauna-Flora-Habitate-Richtlinie ausgewiesenen Besonderen Schutzgebiete. Für diese sind die nötigen Erhaltungsmaßnahmen in einem Managementplan festzulegen, die den ökologischen Erfordernissen der natürlichen Lebensraumtypen nach Anhang I FFH-Richtlinie und der Arten nach Anhang II FFH-Richtlinie entsprechen, die im Gebiet vorkommen. Die Erstellung des Managementplanes erfolgt unter intensiver Information und Konsultation der interessierten Bürger und im FFH-Gebiet tätigen Flächennutzer, um eine Akzeptanz der Gebietsmeldung und des Planes sicherzustellen. Die Planung wird anteilig aus Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) und aus dem Haushalt des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern gefördert.

Der erste Entwurf des Managementplanes für die Alte Elde soll im August diesen Jahres vorliegen, die Endfassung im Januar 2013. Die Arbeitsgruppentreffen werden am 23. März stattfinden. Die Gruppe "Wasser" trifft sich von 16 bis 18 Uhr, die Gruppe "Landnutzung" von 18 bis 20 Uhr im Galliner Gemeindezentrum. Aus den Entwicklungszielen, die die Arbeitsgruppen abstecken, sollen konkrete Maßnahmen werden. "Derzeit sind wir aber noch auf der Suche nach Projektträgern, die das dann umsetzen und Fördermittel abrufen", sagt Ursula Kösters.

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