Einfach lebenswert : Als es noch den Waschtag gab

Edda Schulz ist Slates Waschfrau. In ihrem traditionellen Waschhus zeigt sie Schulklassen oder Reisegruppe wie zu Beginn des 19. Jahrhunderts gewaschen wurde.  Fotos: Julia hahnke
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Edda Schulz ist Slates Waschfrau. In ihrem traditionellen Waschhus zeigt sie Schulklassen oder Reisegruppe wie zu Beginn des 19. Jahrhunderts gewaschen wurde. Fotos: Julia hahnke

Teil 4 unserer Serie „Einfach lebenswert“ geht der Geschichte des Waschens auf den Grund: Ein Besuch im Slater Waschhus

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19. August 2015, 08:08 Uhr

„Dat Waschhus is ein schönet Ding, dat for Fruggens ganz väl Mäuh mitbringt. Von Früh bet Spät kannst du hier rackern und die mit de Wäsch denn ganzen Dach verdattern“, steht auf plattdeutsch am Eingang des traditionellen Wasch-Huses in Slate geschrieben.

Das Gedicht beschreibt das Wäschewaschen wie es noch zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts war. „Früher war Waschen reine Handarbeit“ , erklärt Edda Schulz.Vor acht Jahren kam die Slaterin auf die Idee, den alten Schuppen des Bahnhofsgebäudes umzuwandeln: „Als ich bei meinen Eltern die alten Arbeitsgeräte in der Waschküche sah, kam mir die Idee diese auszustellen“, berichtet die ehemalige Grundschullehrerin. Sie sehe sich selbst als Chronistin und wünsche sich, dass Traditionen „nicht in Vergessenheit geraten“. Dank finanzieller Unterstützung der Stadt Parchim, einer Beschäftigungsgesellschaft sowie der Agentur für Arbeit habe Edda Schulz ihren Projektentwurf schließlich in die Tat umsetzen können. Nach einjähriger Bau- und Renovierungsphase startete das Wasch-Hus 2009 in die erste Saison.

Reise in die Jugendzeit

Heute, nach mittlerweile sieben Jahren hat sich das Museum rumgesprochen, denn nicht nur Radwanderer machen Halt in Slate. „In das Wasch-Hus lade ich auch gern Schulklassen ein“, sagt die 73-Jährige. Besonders Kinder seien neugierig über die Wäschereinigung von damals. „Schulklassen dürfen bei mir viel ausprobieren und selbst waschen wie zu Ur-Großmutters Zeiten. Das mache den kleinen Besuchern viel Spaß. „Den Hintergrund gibt es dazu“, merkt die Rentnerin an. Viele Besucher wären beispielsweise erstaunt, dass das Waschen sehr aufwendig war. „Nur einmal im Monat gab es einen Waschtag“, erinnert sich Schulz. Die Kinder seien meistens überrascht wie mühselig die Wäschereinigung früher war. Mehrere Arbeitsschritte seien nötig gewesen, um Wäsche zu reinigen. „Wasser vom Brunnen holen, Wäsche einweichen, in Seifenlauge kochen, bearbeiten mit dem Waschholz oder das Spülen an der Pumpe waren schwerste körperliche Arbeit“, so die 73-jährige und fügt hinzu, dass in den meisten Haushalten sogar Seife selbst hergestellt wurde. Dazu dienten die Grundrohstoffe Tierfett und Buchenholzasche. Heute kaum denkbar, denn „niemand weiß heute noch wie ein Waschkessel funktioniert“, sagt Schulz. Ihre Führung durch die Räumlichkeiten dauert ungefähr eine halbe Stunde. Im Sommer gebe es viele Anfragen für die Ehrenamtlerin.

Nebenan in der Heimatstube des ehemaligen Bahnhofs geht die Tour weiter. Hier zeigt Eddas Ehemann, Peter Schulz seine über Jahre angesammelten Schätze. Ein altes Grammofon, Zwiebelgeschirr oder Kleidung sind hier liebevoll aufgereiht.

Museum Parchim spendete Kleidung

Doch wie kommen die Schulzes zu ihrer Sammlung? „Die meisten Ausstellungsstücke sind Spenden aus der Region“, freut sich die Slaterin. Beispielsweise habe das Museum Parchim zahlreiche traditionelle Kleidungsstücke aus Leinen gesponsert. Highlight des Jahres sei immer das „Wasch-Hus-Fest“ am ersten Mai-Wochenende. Bis zu 200 Personen würden dann vorbeischauen. Das Quiz komme gut an: „Es gibt jedes Jahr ein Quiz zum Thema Waschen wie bei Ur-Großmutter“. Der Gewinner erhält Preise wie Waschmittel, Fleckensalz oder Weichspüler.

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