zur Navigation springen
Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

23. Oktober 2017 | 19:18 Uhr

Workshop am Ursprung : Alchemisten der Naturfarben

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Grafikdesignerin Andrea Silbermann leitet einen Kurs zum Umgang mit Erd- und Pflanzenfarben

Kultur, Genuss, Wissen. Drei Stichworte umschreiben das Angebot des FAL in Wangelin in Kurzform. Der Kurs, den Andrea Silbermann im Wangeliner Lehmhaus zum Thema Naturfarben leitet, schließt die beiden ersten Stichworte nicht unbedingt aus, gehört aber vorrangig in die dritte Kategorie: Wissen. Wissen, was es mit den Naturfarben auf sich hat, wie man sie gewinnt und schließlich anwendungsfähig macht.

Maria Greischel, die den dreitägigen Kurs - pro Tag acht Stunden - besucht, schwenkt ein Reagenzgläschen, in dem drei Zentimeter hoch blutrote Flüssigkeit steht. „Sehen sie sich das an. Das stammt aus einer einzigen Mohnblüte.“ Erstaunlich. Uns, die wir in einer chemiebunten Welt leben, mag es zunächst befremdlich erscheinen, dass die Natur selbst nicht zu knapp Farbstoff hergibt. Diesen liefern aber nicht nur die Pflanzen, ihn liefert auch die Erde und zwar buchstäblich, wo man geht und steht.

„Vor einem Jahr noch“, berichtet die Kursleiterin, „bin ich in Wales gewesen, habe dort Erden gesammelt.“ Aber prinzipiell könne man auch hier vor Ort Farbanteile aus der Erde gewinnen. In einem mit Wasser gefüllten Glas setzen sich ganz oben auf der Erdablagerung die farblichen Anteile ab. Erdfarbe entsteht grundsätzlich durch Verwitterung. Quarze, Tone, Steine geben sie her. Eisenhaltiges Gestein zum Beispiel liefert Rot. Bestimmte Gegenden zeichnen sich durch besonders farbergiebige Erde aus. Berühmt ist die Gegend um die italienische Stadt Siena für die Produktion der gleichnamigen Erdfarbe, der „Terra di Siena“. Die Bezeichnung des Ockerfarbwerts kennen viele wahrscheinlich sogar aus ihren Schulmalkästen, in denen übrigens auch das Wort „Umbra“ unterhalb eines kräftig braunen Farbtöpfchens zu lesen war. „Umbra ist die Bezeichnung für Brauntöne“, erläutert Andrea Silbermann. „Den besten Ton für die Gewinnung der Erdfarbe Umbra findet man auf Zypern.“

Vieles kann in diesem Kurs erfahren und ausprobiert werden. Der geräumige Saal im Lehmhaus sieht derzeit aus wie ein Labor oder – auch wenn hier kein Gold gewonnen werden soll – wie die Bastelstube von Jungalchimisten. Überall Mörser, Töpfe, Tiegel, Tütchen. Die Kursteilnehmerinnen arbeiten im Augenblick jede für sich an einem Farbkreis der Erdfarben. Sie sei immer schon von der Farblehre fasziniert gewesen, sagt Andrea Silbermann, und habe sie auf die Erdfarben übertragen. Beim Malen des Farbkreises jedenfalls geht es darum, stufenweise die Veränderung von Farbwerten durch Mischen zu erkunden. Zuvor haben die Kursteilnehmerinnen die letzte von drei Emulsionen kennen gelernt: die Ei-Tempera aus Leim, Eiern, Leinöl und Wasser. Fetthaltig müssen die Emulsionen sein. „Sie sind das Bindemittel, der Klebstoff, der die Pigmente zusammenhält zum Auftrag auf den Malgrund“, erläutert die Grafikdesignerin, die 1991 mit ihrer Familie nach Wangelin zog und dort ihr Atelier einrichtete.

In einer weitern Emulsion spielt das Harz vom Kirschbaum, auch Kirschgummi genannt, eine „verbindende“ Rolle. Aber dazu soll hier nichts mehr verraten werden. Ein bisschen Rezepturenschutz muss sein. „Schließlich soll man meine Kurse besuchen“, sagt Andrea Silbermann. Recht hat sie.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen