Diestelow : „Abwege“ auf der Streuobstwiese

Auf der Streuobstwiese unter den Bäumen fühlen sich die „Trockensteher“ ganz offensichtlich wohl.
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Auf der Streuobstwiese unter den Bäumen fühlen sich die „Trockensteher“ ganz offensichtlich wohl.

Agrar GmbH Diestelow leistet sich den Luxus Apfelanbau / Sie möchte alte Apfelsorten und das Refugium für Tier und Mensch erhalten

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20. Juni 2015, 12:09 Uhr

Mehr als Hobby unterhält die Agrar GmbH Diestelow eine fünf Hektar große Streuobstwiese. In den 1940er-Jahren war sie vom damaligen Gutsbesitzer angelegt worden. Ohne Pflege wären die alten Apfelbäume vermutlich innerhalb der nächsten 20 Jahre kaputt, befürchtet Geschäftsführer Carsten Timm, und begann vor Jahren genau das mit seinen Mannen zu verhindern. Zunächst als Pächter. Seit wenigen Jahren ist der Agrarbetrieb Eigentümer. Obwohl von Anfang an klar war, dass der „Nebenerwerb“ finanziell kaum bis gar nicht zu Buche schlagen würde, hatten die Gesellschafter dem Kauf zugestimmt.

Das Diestelower Vorhaben passt in den erst vor Wochen in Kraft gesetzten Naturparkplan für die „Nossentiner/Schwinzer Heide“ wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge: Als eines von vielen Projekten unterstützt er Landwirte wie Privatleute dabei, Streuobstwiesen zu pflegen und zu erhalten. „Der Naturparkplan ist ein tolles Werk, ein Eldorado, auch um Fördermittel zu generieren“, ist Carsten Timm begeistert und mit anderen „Streuobstwiesen-Bauern“ längst dabei, ein Netzwerk zu stricken, das Erfahrungsaustausch möglich macht.

„Schließlich sind wir Landwirte. Von Apfelbäumen, alten Sorten, Hoch- und Halbstamm haben wir nicht wirklich viel Ahnung.“ Daher brauchen die Diestelower oft Rat. Sie holen ihn sich bei den Fachleuten. Immer können sie inzwischen auf den Pomologen Horst Friedrich und den Crivitzer Thomas Franiel bauen. Letzterer ist Experte des Obstbaumschnitts, berät und führt vor Ort Schnittkurse durch. Immer am Objekt, was für die Diestelower den Charme hat, dass ihre Bäume gleich geschnitten werden.

„Unser Ansatz ist gewesen, erst einmal die alten Sorten kennenzulernen, zu wissen, welcher Apfel sich für Mus, Saft oder zum Lagern eignet, was frühe, was späte Sorten sind. Und wir haben unsere Bäume katalogisiert“, erzählt Carsten Timm. Peu à peu soll nun der Rat der Fachleute umgesetzt werden. „Wir wollen die Streuobstwiese auf Hochstamm umbauen. Von zurzeit 80 Prozent Halbstamm.“ Den „Umbau“ gehen die Diestelower vor allem deswegen an, weil jedes Jahr etwa fünf bis zehn Bäume ausfallen. Sie müssen verjüngen. Bei Ontario, James Griefe, Klarapfel, Boskop und Zuccalmaglios Renette, einem echten Schätzchen unter den späten Sorten. „Denn schauen wir uns das noch weitere 20 Jahre an, ist auch der letzte Baum weg“, vermutet Timm.

Diese Befürchtung muss der frühere Besitzer, der schon deshalb nicht an irgendwen verkauft hatte, nicht haben. Im Gegenteil. Die Diestelower hegen und pflegen ihre Streuobstwiese und sie machen noch mehr. Sie arbeiten mit Schulen zusammen. „Wir haben gute Kontakte zur Regionalen Schule und zum Gymnasium in Lübz“, erzählt der Geschäftsführer. Wenn Schülereinsätze stattfinden, zum Beispiel bei der Apfelernte (durchschnittlich zwölf Tonnen im Jahr müssen von den Bäumen) dann sei anfangs kaum einer begeistert, erzählt er amüsiert. „Wenn die Schüler wieder gehen, dann strahlen sie.“

Timm hat dafür viel Verständnis, schließlich war er auch mal jung. „Heute, ein bisschen älter und vielleicht ein bisschen weiser, halte ich es für wichtig, jungen Leuten zu zeigen, wie Wertschöpfung funktioniert, wie Lebensmittel produziert werden, was Arbeit in der Landwirtschaft bedeutet.“ Gern würde er das auch im Rahmen der GmbH-Möglichkeiten vertiefen. „Vielleicht ist eine Arbeitsgemeinschaft denkbar, die verschiedene Projekte umsetzt. Zum Beispiel ein Insektenhotel für die Streuobstwiese bauen. Wir würden das finanziell auch unterstützen.“

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