kulturstammtisch in plau : Abheben mit Leif Tennemann

Was ist los? Eine Zuschauerin packt den Comedian beim Schopf.
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Was ist los? Eine Zuschauerin packt den Comedian beim Schopf.

Zwei Stunden lang Lachen über Leif Tennemann alias Hausmeister Erwin beim traditionellen Kulturstammtisch in Plau am See

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16. Juni 2016, 12:00 Uhr

Eine Stimme am Telefon behauptet etwas, was eigentlich grotesk ist, insistiert, beharrt drauf. Zum Beispiel: Frau X solle ihre Stores abnehmen. Jetzt in der Weihnachtszeit müssten die Bürger ihre Fenster weihnachtlich dekorieren. Sie könne notfalls auch einen Stern aus der Gardine ausschneiden. Entrüstung am anderen Ende der Telefonleitung: „Sie haben doch nicht alle auf dem Sender!“ Damit liegt die Angerufene knapp neben des Rätsels Lösung. Sie ist nämlich auf dem Sender, auf Sendung also. Leif Tennemann, telefonischer Fallensteller auf NDR1, Radio MV, hat sie kalt erwischt. Aber am Schluss ertönt das große Lachen.

Seit sechs Jahren treibt Schnellredner, Stand-up-Comedian Leif Tennemann in der Radiosendung „Vorsicht Leif“ über das Telefon seine Spielchen und Späßchen und führt ahnungslose Bürger an der Nase herum. Hochbeliebt ist er für diese Querschläger, platziert in die Mitte der bürgerlichen Alltagsordnung. Indiz dafür: Der Saal im Parkhotel Klüschenberg war am Dienstag Abend brechend voll, einhundertvierzig Menschen waren zum Kulturstammtisch der CDU herbeigeströmt, um Leif Tennemann alias Hausmeister Erwin auch mal zu sehen. Kein Platz blieb leer und später kein Auge trocken.

Nun hatte der vielseitige Herold des Komischen, der Journalist, Verleger, Moderator und Comedian, richtig „live“ arbeiten. Till Eulenspiegel, leifhaftig auf einer Bühne, musste das Volk anders packen. Kein Problem. Auch die Tatsache, dass laut Organisator Rüdiger Hoppenhöft, einige Ehrengäste aus Verwaltung und Politik anwesend waren, so Bürgermeisterin Gudrun Stein aus Lübz, Bürgervorsteherin Inge Arnold, Amtsvorsteher Paul Schulz und der Landtagsabgeordnete Wolfgang Waldmüller, ließen den professionellen Dampfplauderer nicht etwa verstummen, im Gegenteil. Der Name Waldmüller hatte es dem Comedian sogleich angetan. So wurde aus Waldmüller mal Waldweg, mal Waldmensch und so fort. Aber im Grunde war niemand im Saal davor sicher, herausgefischt und aufgespießt zu werden. Noch aus den verhaltensten Reaktionen von Rita, Dieter oder wem auch immer, schlug der Comedian Feuer. Aber nett, unter die Gürtellinie zielte keiner der Redeblitze. Tennemann mag sein Publikum, benutzt es nicht zynisch. Es einzubeziehen ist aber Methode, schafft Nähe, macht in dieser Weise allen Spaß.

Bis zur Pause stand Tennemann als Tennemann auf der Bühne. Plauderte über dies, über jenes, zum Beispiel sein verhageltes Abitur. Nach der Pause übernahm, in Kittel und mit Knitterhütchen, Kunstfigur „Hausmeister Erwin“ die Show, die jetzt deutlich Fahrt aufnahm. Die Grundmasche aber war und blieb sich gleich: Tennemann schlägt ein Thema an, dann lenkt ihn was ab, im Kopf oder im Publikum. Wutsch, schlägt er ein neues Thema an und wieder eines, Schleife um Schleife entfernt er sich von Ansage und Publikumserwartung, taucht auch mal im Publikum unter, lässt sich an den Haaren ziehen (für die Presse sogar in denkmalhafter Erstarrung) und kommt schließlich ganz aufgeräumt zum Ursprung zurück: „Aber zurück zu Herrn Kutscher im Amt auf Rügen“, sagt er und lässt den auf CD konservierten Radio-Telefonspaß mit einem Beamten in Saßnitz (endlich) abspielen. Alles ist das anarchische Gegenteil eines ordentlichen Diskurses und das Publikum lacht, prustet, klatscht. Tennemann hat es abheben lassen und ist zufrieden: „Auch der Landtag hat voll mitgemacht“, sagt er. Ihm selbst stehen am Ende einige Schweißtropfen auf der Stirn. Dass er sein Publikum mag, lässt sich auch daran erkennen: Er hat zwei Stunden lang volle Kraft und Konzentration gegeben.

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