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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

24. November 2017 | 16:06 Uhr

Verkehrsplanung : Ab Dezember Mobilitätsrevolution

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Interessierte Besucher von Fachleuten in Ziegelei Benzin über Neustrukturierung des öffentlichen Personennahverkehrs informiert

von
erstellt am 19.Jul.2016 | 21:00 Uhr

Am 11. Dezember soll im Landkreis Ludwigslust-Parchim ein stark verbesserter öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) starten. Teststrecke ist die Buslinie 77, durch die theoretisch rund 40 000 Einwohner bedient werden können, von denen 16 000 abseits der Hauptstrecke wohnen. Ein wesentlicher Bestandteil ist deshalb der so genannte „Rufbus“, der Fahrgäste nach entsprechender Anforderung aus kleinen, bisher gar nicht angefahrenen Orten zur Hauptlinie bringt, an der umgestiegen werden muss.

Am Montagabend hatte die SPD zu einer öffentlichen Diskussion über das Thema in die Ziegelei Benzin eingeladen. Als Gesprächspartner standen neben Landrat Rolf Christiansen Stefan Lösel, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim (VLP), Erhard Prehm, Betriebsleiter vergleichbarer Einrichtung im Altmarkkreis Salzwedel, zur Verfügung. Letztere gilt in Parchim als Vorbild, weil durch sie ein neu vertaktetes Verkehrssystem bereits seit 2008 erfolgreich praktiziert wird.


Plädoyer Landrat: Schritt für Schritt vorgehen


Der Einladung waren viele Zuhörer gefolgt. Mehrere lobten die neuen Ideen, andere übten gleichzeitig Kritik unter anderem daran, dass die Reform nicht konsequent genug geschehe. Dazu sagte Rolf Christiansen, dass man Schritt für Schritt vorgehen und nicht das Risiko eingehen wolle, alles auf einmal in Angriff zu nehmen, weil dies leicht zu großen Problemen führen könne. Als Beispiel dafür wurde der Kreis Nordwestmecklenburg genannt, in dem plötzlich zwei Millionen Euro benötigt worden seien – doppelt so viel wie ursprünglich geplant.

Frank Lösel macht aus seiner Meinung keinen Hehl: „Der heutige ÖPNV in unserer Region gewährleistet keine Mobilität. Wer etwas abseits wohnt, kann auf ein Auto nicht verzichten. Das wollen wir ändern.“ Im Altmarkkreis Salzwedel sei in jedem der dortigen 329 Orte mit oft nur wenigen Einwohnern der Anschluss an sieben Tagen in der Woche gesichert, sagt Erhard Prehm. Wegen des Ziels, dies auch in unserer Region umzusetzen, spricht Lösel von einer „Mobilitätsrevolution“, die unter dem Motto „Innovation statt Resignation“ steht.


Nicht mehr nur nach Schülerverkehr richten


Mit einer Fläche von 4752 Quadratkilometern ist der Landkreis Ludwigslust-Parchim zweitgrößter in ganz Deutschland. Der Versuch, den Zustand zu ändern, dass der ÖPNV hauptsächlich vom Schülerverkehr geprägt ist, sei bereits vor mehreren Jahren gescheitert, sagte Rolf Christiansen. Das jetzige Projekt werde Geld kosten. „Und das nicht unerheblich. Rund eine Million Euro mehr – eine gewaltige Summe“, so der Verwaltungs-Chef. Für die Umstrukturierung sei es jedoch „höchste Eisenbahn, um den ländlichen Raum attraktiv zu erhalten“. Bezüglich der eventuellen Anbindung an den Hamburger Verkehrsverbund (HVV) müsse man allerdings mit dem Land reden, weil dies die finanziellen Möglichkeiten des Landkreises übersteigen würde und zu kompliziert sei. Der Aufbau eines einheitlichen Tarifsystems in Westmecklenburg wertet Christiansen als Aufgabe für die nächsten Jahre.

Einem Kreistagsbeschluss vom 26. Mai zufolge wurde die VLP für zehn Jahre mit der Abdeckung des ÖPNV beauftragt. Die Linie 77 habe sich bezüglich der Fahrgastzahlen positiv entwickelt, so Lösel (mittlerweile 30 Prozent mehr als noch zu Beginn): „Jeden Tag wird jede Fahrt gezählt.“ Bisher sei ein Geschäftsführer gut gewesen, wenn er möglichst viele Linien eingespart habe – ein Grundsatz, der sich grundlegend gewandelt habe. Großen Nachholbedarf sieht Lösel hinsichtlich des Themas Barrierefreiheit.


Nur noch Kauf barrierefreier Busse


Immerhin ist dies bei 67 Bussen gewährleistet, bei 128 nicht, aber bei den Haltestellen beträgt der Wert lediglich 1,8 Prozent. Ab Dezember wolle man nur noch barrierefreie Busse anschaffen. Weil die für das neue System eingesetzten Fahrzeuge kleiner sind, besäßen sie den Vorteil, bis vor die Tür fahren zu können.

Auch die Kreistagsfraktion „Umwelt, Piraten, Freie Wähler“ begrüße die neuen Ideen und wolle die Umstrukturierung weiter konstruktiv begleiten, so dessen Abgeordneter Maik Kindler in einer Mitteilung. Dafür müsse aber auch heute schon daran gedacht werden, Busverbindungen anzubieten, die sowohl zu Arbeitszeiten als auch bis in den Abend hinein für Berufspendler und für ein Freizeitangebot nutzbar seien. Als weiteres Problem nannte Kindler den Datenschutz, der von Anfang an begleitend so ausgebaut werden, dass sich niemand um die Verwendung des Rufbusses sorgen müsse. Letzteres spiele den Verantwortlichen zufolge keine Rolle, weil keine Information über einen Anruf das Unternehmen verlasse, was auch Erhard Prehm bestätigte.

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