Karbow-Vietlübbe : Schachspieler: „Jeder Zug ist eine Rätselaufgabe“

Kombinieren und Taktieren – das zusammen macht für Norbert Arning das Schachspielen aus. Und das vermittelt er auch Lübzer Schülern.
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Kombinieren und Taktieren – das zusammen macht für Norbert Arning das Schachspielen aus. Und das vermittelt er auch Lübzer Schülern.

Schach begleitet Norbert Arning sein Leben lang wie ein guter Freund

svz.de von
21. Mai 2019, 12:00 Uhr

Norbert Arning aus Vietlübbe ist einer, der im Leben rumgekommen ist. Gemeint ist allerdings nicht das Reisen, sondern die Vielfalt seiner Interessen, die so oft auch zur Tat führten. An diesem Maiabend stapft er in derben Hosen und Gummistiefeln über das weitläufige Grundstück, auf seiner Hand sitzt ein schillernder Käfer: „Carabus auratus“. Ein Goldlaufkäfer, Goldschmied genannt. Er habe sich immer schon für die Natur begeistern können, verrät Arning.

Folgerichtig gedeiht etwa hundert Meter weiter auch sein vorletztes Projekt. Er möchte alte Obstsorten vor dem Verschwinden retten. An die 20 oder mehr schmale Baumwildlinge hat er hier „kopuliert“, wie es in der Fachsprache heißt, mit Reisern eben dieser alten, kultivierten Sorten. Zum Beispiel mit einem Ästchen der Sorte „Strauwalds Neue Goldparmäne“, gezüchtet 1905. Oder mit dem „Rheinischen Winterrambur“, bekannt seit 1650. Und – deutlich ist es zu sehen – die meisten der aufgesetzten Zweiglein entwickeln gerade frische Knospen.

Sein neuestes Projekt

Auch ein Ebereschenwald hat es dem gebürtigen Ostwestfalen angetan. Sein neuestes Projekt: Alles, „was dort kreucht und fleucht“ aufzuspüren und zu verzeichnen. Aber der Naturbegeisterte ist grundständig – ausgebildeter Diplomingenieur für Elektrotechnik. Als solcher unterrichtete er irgendwann auch Mathematik und Technik an einem Berufskolleg. Lehrer ist der Vielseitige, geboren 1950, sogar immer noch, aber wiederum in ganz anderem Fach. Seit Jahren gibt Arning einen vielbesuchten Kurs im Nachmittagsunterricht des Eldenburggymnasiums in Lübz. Im „Schulschach“, wie er die Kategorie nennt, lernen Teilnehmende auch Disziplin ganz allgemeiner Art. „Schach strahlt grundsätzlich auf andere Gebiete aus“, sagt Arning. Die Schüler befinden sich während der Spiele in einem ständigen Lernprozess. Wissenserwerb wird so bewusster, das Lernen selbst wird gelernt und trainiert.

Zunächst einmal aber war der Lehrer ein begeisterter Schachjüngling, sein Vorbild der Vater, der ebenfalls Schachspieler war. Norbert war 14 Jahre alt, als es begann. Er bemerkte, dass er nicht nur Spaß am so genannten Spiel der Könige hatte, sondern auch Talent dafür. Kombinatorik liege ihm, sagt er. Das heiße, Strategie als längerfristigen Plan und Taktik als jeweils kurzfristige Reaktion auszuknobeln. „Jeder Zug“, sagt er begeistert, „ist eine neue Rätselaufgabe.“ Heute spielt der Vietlübber, der hier in der Region „so leben kann, wie er es sich immer vorgestellt hat“, in der Landesliga für seinen Verein Malchow.

Stolz auf viele Siege

Stolz ist er nicht nur darauf, einmal Stadtmeister im Blitzschach gewesen zu sein oder auch Meisterklassenspieler im Fernschach: Sogar dem Großmeister Raj Tischbeirek, dem letzten Schachmeister der DDR, hat er im Simultanschach immerhin ein Remis abgeluchst. Stolz zeigt er auch die letzte erkämpfte Urkunde vor: Im brandenburgischen, landesweit ausgetragenen Schachturnier „Ran an den Turm“, ausgerichtet vom Schachclub Wittstock, belegte Norbert Arning in der höchsten Amateurgruppe den ersten Platz.

Aber, fügt er hinzu, er sei kein fanatischer Schachspieler, dazu seien seine Interessen viel zu breit gestreut. Neben der Natur und ihrem Schutz interessiert ihn auch die Kommunalpolitik. Das Schachspiel habe ihn jedoch sein Leben lang begleitet wie ein guter Freund.


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