Dobbertin : Klosterorgel erhält ihre Seele

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In der Klosterkirche zu Dobbertin: Kirchenmusiker Christian Wiebeck (l.) und Orgelbauer Andreas Arnold aus Plau an der Orgel tauschen sich mit Dr. Claus Cartellieri vom Freundeskreises Orgel über den Klang des Instrumentes aus.
In der Klosterkirche zu Dobbertin: Kirchenmusiker Christian Wiebeck (l.) und Orgelbauer Andreas Arnold aus Plau an der Orgel tauschen sich mit Dr. Claus Cartellieri vom Freundeskreises Orgel über den Klang des Instrumentes aus.

In Dobbertin hat die Intonation des Instrumentes begonnen. Neuer Kantor stellt sich vor.

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13. August 2020, 16:40 Uhr

Fast andächtig steht der Vorsitzende des Dobbertiner Freundeskreises Orgel, Dr. Claus Cartellieri, auf der Orgelempore der Dobbertiner Klosterkirche. „Nach 12 Jahren Kampf für diesen Orgelneubau, mit vielen Höhen und Tiefen, erlebe ich jetzt diesen Höhepunkt und höre die ersten Töne“, so Dr. Cartellieri ganz in sich versunken. Er verfolgte am Donnerstag gemeinsam mit Pastor Christian Hasenpusch den Beginn der Intonation dieser Orgel. Mit dabei auch der Kirchenmusiker Christian Wiebeck, der seit dem 1. August als Kantor für die Kirchengemeinde Goldberg-Dobbertin sowie die umliegenden Kirchengemeinden verantwortlich ist.

Orgelspiel nicht in die Wiege gelegt

Auch für den 36-jährigen Kirchenmusiker ist es ein ganz besonderes Ereignis, bei dieser Intonation dabei zu sein und später als erster Organist dieses Instrument auch spielen zu dürfen. Dabei war ihm das Orgelspiel nicht in die Wiege gelegt. Eigentlich ist seine Oma diejenige, die in ihm das Interesse geweckt hat. „Beim Kirchenbesuch faszinierte mich die Orgelmusik und so habe ich als Autodidakt angefangen“, erzählt er, der aus Flechtingen in Sachsen-Anhalt stammt und jetzt in Parchim lebt. Nach privatem Klavier- und Orgelunterricht begann er 2007 mit dem Studium an der Hochschule für Kirchenmusik und schloss dieses mit dem Diplom ab. Im Jahr 2010 kam an der Martin-Luther-Universität das Studium Gesang und Gesangspädagogik hinzu und hier schloss er mit dem Master ab.

Tenorsänger und Organist

Die folgenden Jahre war er als selbstständiger Tenorsänger und Organist tätig, bis er die Ausschreibung für die Stelle des Kirchenmusikers in Dobbertin las. Und da er der erste Organist auf dieser neuen Orgel sein wird, übte das zusätzlich den Reiz aus, sich hier zu bewerben und an der Intonation teilzuhaben. Bei dieser Inbetriebnahme erhält die Königin der Instrumente, wie die Orgel auch genannt wird, ihre Seele, das heißt, die rund 1660 Pfeifen erhalten einzeln ihren letzten Schliff und der Klang wird hergestellt und auf den vorhandenen Raum abgestimmt. Dieses wird etliche Tage dauern, da auch noch nicht alle Pfeifen installiert sind. „Erst werden die hinteren Pfeifen gestimmt, dann die vorderen. Insgesamt sind es so viel Reihen wie Register, also 28“, erläutert der Orgelbauer Andreas Arnold. Diese Arbeiten sind sehr zeitaufwändig, in dieser Woche wurde das erste Register gestimmt. Es müssen die Pfeifen nicht nur einzeln, sondern auch aufeinander abgestimmt werden. Da die Pfeifen des alten Prospektes, die wegen der Optik erhalten blieben, nicht so eng stehen und oberhalb auch noch freier Raum vorhanden ist, kommt der Klang gut in das Kirchenschiff. Wie das klingen könnte, war zu hören, als der Orgelbauer die ersten Töne des Pedals anschlug.

Die Mischung macht es

Christian Wiebeck und der Orgelbauer sind schnell im Fachgespräch, reden von Zwei-, vier, acht- und 16-Füßen. „Diese Bezeichnungen sagen etwas zur Größe der Pfeifen aus und sind angelegt an das alte Längenmaß von 30,48 Zentimeter. Der Acht-Fuß ist sozusagen der Grundton, und dem werden die anderen zugeordnet.

Je mehr Fuß, desto größer die Pfeife und tiefer der Ton Kirchenmusiker Christian Wiebeck
 

Ihm gefallen die Mischung der vielen Acht-Füße und vor allem die beiden 16-Füße, „letztere klingen schon fast wie das Pedalregister“. Wenn auch aufgrund von Corona vorerst offiziell keine Orgelklänge zu hören sein werden, so darf man jetzt schon gespannt sein, wie neben der liturgischen Begleitung bei Gottesdiensten diese Königin der Instrumente im Rahmen von Konzerten glänzen wird.

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