Anthrax-Verdacht : Ermittlungen aufgenommen - nicht die erste Straftat in Zislow

1 von 12
Fotos: Susan Ebel

Absperrung des Ortes aufgehoben: Die Feuerwehr zieht sich vom Großeinsatz in Zislow am Plauer See zurück.

svz.de von
07. Februar 2019, 16:31 Uhr

Es gibt Entwarnung im Anthrax-Verdachtsfall in Zinslow. Nun fahndet die Polizei nach dem Absender des Briefes mit weißem Pulver , der an den Bürgermeister von Zislow Uwe Albrecht (parteilos) geschickt wurde.„Wir ermitteln wegen Bedrohung, was eine Geldstrafe oder bis zu einem Jahr Haft bedeuten kann“, sagte eine Polizeisprecherin am Freitag in Neubrandenburg. Es war allerdings nicht die erste ungeklärte Straftat in dem 200-Einwohner-Ort am Plauer See. „Sollte das als Scherz gedacht gewesen sein, dann verbietet sich so etwas“, sagte Albrecht. Er habe die ganze Nacht nicht geschlafen.

Das Robert-Koch-Institut hatte zuvor verneint, dass es sich bei der gefundenen Substanz, wie ursprünglich vermutet, um den gefährlichen Milzbrand handeln soll. Das Institut geht davon aus, dass das Pulver unbedenklich sei. Es würde sich bei der stark sauren Substanz wahrscheinlich um Entkalker für Elektrogeräte handeln. Die Feuerwehr baut zur Stunde ihre Maßnahmen vor Ort zurück. Die betroffenen Anwohner dürfen ihre Häuser wieder verlassen.

 

Ein Großaufgebot der Polizei und Feuerwehr war am Donnerstag in die Gemeinde am Plauer See ausgerückt. Der Grund: Verdacht auf einen Anthrax-Anschlag auf den Bürgermeister. Nach bisherigem Kenntnisstand hatte die Ehefrau des Bürgermeisters am Nachmittag den Briefkasten geleert und darin einen Briefumschlag ohne Absender aufgefunden.

In dem Briefumschlag befand sich loses weißes Pulver und ein Zettel auf dem lediglich das Wort "Anthrax" und ein lachender Smiley standen. Daraufhin verständigte das Ehepaar die Rettungsleitstelle, welche umgehend die Polizei, die Feuerwehr aus Neustrelitz mit ihrem Gefahrgutzug und die Freiwillige Feuerwehr aus Stavenhagen alarmierte. Vorsorglich wurden zudem ein Rettungswagen und ein Notarztwagen entsendet.

 

Die Feuerwehr konnte den verdächtigen Umschlag samt Pulver um 17:35 Uhr sichern. Anschließend wurde der Umschlag mit dem Pulver zur genauen Bestimmung auf dem direkten Weg durch den Gefahrgutzug in das Robert-Koch-Institut nach Berlin verbracht. Ob es sich dabei tatsächlich um den hochansteckenden Milzbrand-Erreger handelt, war zunächst noch unklar.

Zislow war abgesperrt und die Feuerwehr mit 100 Einsatzkräften vor Ort. Die Anwohner wurden gebeten Türen und Fenster geschlossen zu halten. Es wurden Dekontaminationsduschen aufgebaut.

Da nicht ausgeschlossen werden konnte, dass es sich tatsächlich um Anthrax handelt, wurden der Bürgermeister und seine Ehefrau in ihrem Haus unter Quarantäne gestellt. Da zudem eine Kontamination der unmittelbaren Nachbarn nicht ausgeschlossen werden konnte, wurden auch diese in ihren Häusern unter Quarantäne gesetzt. Insgesamt waren es 18 Personen, die erst wieder frei kamen, als das Pulver in Berlin untersucht wurde. Die Untersuchung eines solchen Pulvers kann circa sechs Stunden dauern.

Der Einsatzleiter der Feuerwehr René Boldt hat die Lage bis zum Ergebnis soweit aufrechterhalten. Man ging bis zum Befund von einem unbekannten Gefahrenstoff aus.

Hintergrund: Milzbrand (Anthrax)

Milzbrand (Anthrax) gilt als biologische Waffe. So löste zum Beispiel eine Reihe von Briefsendungen mit Milzbranderregern nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 nicht nur in den USA Ängste aus. Symptome des Milzbrands sind zum Beispiel Fieber, Schwellung und Verfärbung der Milz und ein allgemeiner Kräfteverfall. Die Krankheit kann bei rechtzeitiger Anwendung mit Antibiotika bekämpft werden. Auch beim G8-Gipfel in Heiligendamm 2007 sorgte der Fund eines Beutels mit weißem Pulver außerhalb des Sicherheitszauns für Aufregung. In einem Bekennerschreiben wurde behauptet, es handle es sich um Anthrax. Bei einer Analyse stellte sich jedoch heraus, dass es Mehl war.
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen